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Fliegende Hufe am Niddastrand

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Faszinierender Sport, der Pferden und Reiter gleichermaßen viel abverlangt: Polo. FOTO: maik reuss
Faszinierender Sport, der Pferden und Reiter gleichermaßen viel abverlangt: Polo. © Maik Reuß

Vor 121 Jahren hat Carl von Weinberg in Niederrad einen der ersten Poloclubs Deutschlands gegründet. Der Carl-von-Weinberg-Cup an diesem Wochenende ist dem Gründer gewidmet.

Sie begrüßen ihre Reiter mit Wiehern, gespitzten Ohren und weichen Nüstern, die sie an ihren Händen reiben. Polo-Pferde sind besondere Pferde. Die besten sind eine Kreuzung aus argentinischen Crillos und englischem Vollblut. Klein, extrem wendig, robust, willensstark, sehr schnell und ausgeglichen. Mariposa kommt wie viele ihrer Herdenbegleiter aus Argentinien. Die gescheckte Stute scheint über den kerzengeraden Rasen zu fliegen. Ihre Hufe berühren kaum den Boden.

„Mariposa heißt ja auch Schmetterling“, scherzt Daniel Theuerkauf. Er reitet sie und drei weitere Pferde beim Polo-Turnier auf dem Georgshof. Zwei Pferde gehören dem Mann, der schon ewig reitet und seit fünf Jahren Polo spielt. „Wer einmal das Adrenalin und das Gefühl der Freiheit bei dem Sport gespürt hat, wird vom Polo-Bug befallen“, weiß er. Vier Mal sieben Minuten und 30 Sekunden lang dauert ein „Chucker“. Vier Chucker ergeben ein Spiel. Jedes Pferd wird für maximal zwei „Chucker“ eingesetzt - für sieben Minuten und 30 Sekunden.

Bis zu 60 Stundenkilometer schnell rasen die edlen Pferde über den Platz, der die Größe von knapp fünf Fußballfeldern hat. Die Regeln sind streng, wenn die Reiter mit Bambus-Holz-Schlägern von ihren Pferden aus versuchen, den 128 Gramm schweren Ball ins gegnerische Tor zu schlagen, das 7,3 Meter breit ist.

Sechs Teams mit 100 Pferden

„Damit die Kräfte der Pferde geschont werden, sind sie meist nur einmal, höchstens zweimal pro Spiel auf dem Platz“, erklärt Mauro Erriquez, der nicht nur reitet, sondern auch das Turnier organisiert, das noch bis einschließlich Sonntag läuft. Die Reiter kommen aus ganz Deutschland, aus Luxemburg, England und Argentinien. Sechs Teams sind mit gut 100 Pferden am Start. Drei bis vier Jahre lang dauert es, bis Polopferde ausgebildet sind. Ein gut ausgebildetes Polo-Pferd kostet ab 20 000 Euro. Erriquez hat ebenfalls ein eigenes Pferd; den 11jährigen Principe. „Gut ausgebildete Pferde haben da richtig Bock drauf und wollen Gas geben“, erzählt der Italiener.

Torsten Klein ist von Beruf Schmied, kommt aus Berlin und reitet ebenfalls mit. Auch ihn hat der Polo-Bug erwischt. Eigene Pferde hat er nicht. „Der eine hat zehn Pferde, der andere keins. Aber darauf kommt es auch nicht an, sondern es geht um das Gemeinsame, das Team Play und um Taktik“, schwärmt der Mann. Er ist früher englische Dressur und Springen geritten, dann hat er 25 Jahre lang anderen Sport betrieben und entdeckte vor zweieinhalb Jahren wieder den Rücken der Pferde für sich.

Familiär und entspannt geht es zu rund um das Polofeld neben dem Niddastrand. Kinder hopsen in einer Hüpfburg und können sich auf einem Holzpferd ausprobieren. Es gibt Burger, Bowls und Empenada, die Eltern vom Förderverein der Friedrich-List-Schule haben elf Sorten Kuchen gebacken und Kaffee dabei, es gibt Drinks und Limo. Hunde tollen auf der Wiese, Pferde grasen und dösen entspannt auf den Weiden.

Preisgelder gibt es keine. Es geht um Spaß, Herausforderung und Miteinander. Finanziert wird das Turnier durch Nenngelder der Reiter und Sponsoren wie Emirates Airlines, Volvo und Beyond Capital Partners.

Die Reiter verstehen sich prächtig. Besucher, die keine Ahnung von Polo haben, werden herzlich aufgenommen und bekommen alles erklärt und gezeigt.

Auf dem Georgshof wird Polo groß geschrieben, dies aber völlig ohne Allüren. Auch andere Pferde stehen hier ein, so gibt es Therapiereiten und eine Atmosphäre, die zur sanften Natur an der Nidda passt.

Wenn gerade keine rasanten Polospiele dem Platz ausgetragen werden, kommen Gänse angeflogen, rupfen Gras und beobachten Pferde und Reiter, die sich auf der Sandbahn rund um den riesigen Platz warmlaufen, um kurz danach mit fliegenden Hufen und maximaler Wendigkeit dem kleinen weißen Ball hinterherjagen, der ins Tor soll.

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