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Judith Dähne von der Bürgerinitiative Schwanheim / Goldstein (im blauen Anorak) und Jürgen Lamprecht von der BI Niederrad (links, mit Weste) hatten zwei Feinstaub-Experten zur Messstation am Schwanheimer Sportplatz geladen.

Flugverkehr

Flieger produzieren Ultrafeinstaub - Bürgerinitiativen fordern Messstellen

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Am Schwanheimer Sportplatz steht eine Luftmessstation. Aber sind die erhobenen Daten überhaupt zu gebrauchen? Damit beschäftigen sich die Bürgerinitiativen Schwanheim / Goldstein und Niederrad.

Judith Dähne von der Bürgerinitiative (BI) Schwanheim / Goldstein wundert sich. „Es wurde nie groß über den Container informiert“, sagt sie. Der Betreiber habe es auch abgelehnt, die Einrichtung vorzustellen – und so organisierte die BI gemeinsam mit den Mitstreitern aus Niederrad einen eigenen Termin. An früheren Standorten habe man dem Container viel öffentliche Aufmerksamkeit verschafft, erinnert sich der Frankfurter Mediziner Ferdinand Stegbauer. Aber in Schwanheim und am vorherigen Standort in Neu-Isenburg sei man eher still und heimlich damit umgegangen. Allerdings: Wenn das alles stimmt, was Stegbauer und der Diplom-Ingenieur Wolfgang Schwämmlein aus Mainz über die Messungen zu berichten haben, dann ist die Vorgehensweise des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) keine Überraschung.

Der Container messe die unterschiedlichsten Luftschadstoffe, weiß Stegbauer. Stickoxide und Schwefeloxide gehören dazu, Feinstaub, Ruß und Ozon. Stegbauer: „Es ist massenhaft EDV drin.“ Der Mast auf dem Dach hat die Aufgabe, die Windrichtung zu erfassen – das sei eine ganz wichtige Information bei der Auswertung der Daten. Die seien übrigens nicht geheim, sondern über das Internet jedem zugänglich. Es kommt aber nicht darauf an, nur über die Daten zu verfügen, sondern man muss auch richtig messen und richtig auswerten. Und in dem Punkt haben die Bürgerinitiativen und die von ihnen eingeladenen Experten allerlei zu kritisieren.

„Wer nur den Grobstaub misst, der ist entweder nicht besonders schlau oder will die Öffentlichkeit täuschen“, sagt etwa Schwämmlein, Mitglied der Initiative gegen Fluglärm in Mainz. Denn gefährlicher seien die Feinstäube und insbesondere der Ultrafeinstaub. Denn der dringe über das Blut an letztlich alle Stellen des menschlichen Körpers vor und könne so ziemlich alles auslösen, was gefährlich ist – Schlaganfall, Herzinfarkt, Lungenkrebs. Es seien die Bürgerinitiativen gewesen, die durchgesetzt hätten, dass im Umfeld des Flughafens zumindest der Feinstaub gemessen werde.

Stegbauer hat Messkurven dabei: Die Zahl der Partikel pro Kubikmeter Luft steigt pünktlich ab 5 Uhr an, genau dann, wenn am Flughafen der Betrieb beginnt. Die Werte erreichen das Doppelte der Nachtwerte und gehen bald nach 23 Uhr wieder zurück. Die Entwicklung stimmt so genau mit den Betriebszeiten am Flughafen überein, dass es über den Zusammenhang keinen Zweifel geben kann. Stegbauer: „Man sieht, wann geflogen wird und wann nicht.“

Dazu gibt es aus Sicht von Schwämmlein und Stegbauer noch andere Faktoren, welche die Messergebnisse verfälschen, unter anderem würden beispielsweise durch EDV-Programme problematische Spitzenwerte „weggeglättet“. Ein vollständiges Bild könne es auch nur geben, wenn rund um den Flughafen gleiche Messstellen installiert würden. Nur dann könne man beim Wechsel der Windrichtungen erkennen, wie sich dadurch die Belastung verändere.

Da stellt sich die Frage, wie nützlich so ein einzelner Container tatsächlich ist. Und die Frage ist umso dringender, wenn man ihre Einschätzung der Verantwortlichen mit dem Thema betrachtet. Den Autoverkehr und den Flugverkehr als Verursacher von Problemen mit Luftschadstoffen gleichwertig nebeneinander zu stellen, das geht für Schwämmlein gar nicht. Eine Autobahn mache sich schon in 300 Metern Entfernung nicht mehr bemerkbar, der Flugverkehr wirke sich flächendeckend aus. Auch behaupte der Flughafenbetreiber Fraport, bei Flughöhen schon über 300 Metern komme am Boden von den Schafstoffen nichts mehr an – Messungen in Mainz, wo die Flugzeuge 1000 Meter hoch fliegen, hätten jedoch ein anderes Bild ergeben. Und die Politik schließlich werde ihrer Aufgabe auch nicht gerecht, regulierend einzugreifen: Während die Weltgesundheitsorganisation WHO eine Obergrenze von 10 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft empfehle, lasse die USA noch 12 Mikrogramm zu, die Europäische Union aber 25 Mikrogramm.

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