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Flohmarkt soll zurück auf den Schaumainkai

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Von: Stefanie Wehr

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Die Fläche zum Flanieren ist auf dem Schaumainkai, also am Südufer, sehr breit, was den Flohmarkt entzerre und sich an gut besuchten Tagen bezahlt machte: Mehr als 10 000 Besucher und 380 Stände zählte der Flohmarkt dann.
Die Fläche zum Flanieren ist auf dem Schaumainkai, also am Südufer, sehr breit, was den Flohmarkt entzerre und sich an gut besuchten Tagen bezahlt machte: Mehr als 10 000 Besucher und 380 Stände zählte der Flohmarkt dann. © Menzel

SPD und FDP stellen in der Sitzung des Ortsbeirats einen gemeinsamen Antrag.

Der Flohmarkt soll zurück an den Schaumainkai, fordern Stadtteilpolitiker im Frankfurter Süden. SPD und FDP bringen heute einen gemeinsamen Antrag im Ortsbeirat 5 ein: Der Flohmarkt soll auch künftig regelmäßig, etwa alle zwei bis alle vier Wochen, am Sachsenhäuser Ufer aufgebaut werden - dort, wo er traditionell und jahrzehntelang viele Besucher von nah und fern anlockte. Auch das Museumsuferfest soll weiterhin am südlichen Mainufer gefeiert werden, so der Antrag.

"Viele in Sachsenhausen vermissen den Flohmarkt", weiß Jan Binger, Fraktionschef der SPD im Ortsbeirat 5. Die Rückkehr des Trödels an seinen angestammten Platz am Schaumainkai sei der Wunsch vieler Bürger, nicht nur in Dribbdebach: "Der Flohmarkt am nördlichen Mainufer während der Sperrung des Mainkais wurde weniger angenommen, die Händler klagten über wenig Platz und fehlendes Flair", sagt Jan Binger.

Viele Argumente fürs Südufer

Für den Flohmarkt auf der Sachsenhäuser Seite gebe es zahlreiche Argumente, bekräftigt Uwe Schulz von der FDP. "Der Flohmarkt hat Tradition in Sachsenhausen und passt zur Kultur und durchmischten Gesellschaft des Viertels". findet Schulz. "Der Flohmarkt fördert zudem das Kleingewerbe, das unter Corona stark zu leiden hatte." Ein weiteres, gewichtiges Argument sei, dass die Südseite des Mains in punkto Logistik und sanitäre Anlagen besser aufgestellt sei als die Nordseite.

Und schließlich trage der Flohmarkt dazu bei, die Sachsenhäuser Mainseite mehr in die Innenstadt Frankfurts einzubinden. Hinter dem Antrag steckt die Absicht, angesichts der erneuten Sperrung des nördlichen Mainkais das Augenmerk auf Sachsenhausen zu lenken: "Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass eine erneute Sperrung des nördlichen Mainufers nicht bedeuten kann, dass am südlichen Mainufer nichts mehr stattfinden kann", sagt Binger. "Man kann ja auch nicht das Museumsuferfest absagen, nur weil das nördliche Ufer autofrei ist." Das Mainkai-Verkehrskonzept, das die Stadt angekündigt hat, damit Sachsenhausen nicht wieder mit Verdrängungsverkehr geflutet wird, müsse diese Punkte dringend berücksichtigen, so Binger.

Zu Beginn der probeweisen Sperrung des nördlichen Mainufers im Sommer 2019 hatte der Ortsbeirat 5 beantragt, dass der Flohmarkt für die Zeit der Sperrung verlegt wird. Die Anwohner seien genug geplagt vom zusätzlichen Verkehr, der nach Sachsenhausen gedrängt wurde. Und so wurde der Flohmarkt im Januar 2020 an den nördlichen Mainkai verlegt, der seit der Sperrung ohnehin zumeist menschenleer war. Dort fand der Trödel aber nur vier Mal statt, bevor der erste Corona-Lockdown dem Markttreiben ein Ende setzte. Der Mainkai bot nur etwa die Hälfte der Fläche, ging von der Straße Zum Pfarrturm bis zur Untermainbrücke, während der Sachsenhäuser Flohmarkt auf breiterer Fläche vom Eisernen Steg bis zum Holbeinsteg reichte.

Die Sachsenhäuser Mainseite ist logistisch tatsächlich besser für den Flohmarkt aufgestellt, bestätigt Michael Lorenz, Leiter der Hafen- und Marktbetriebe Frankfurt. "Die Straße ist mit drei Spuren breiter, was den Aufbau und Abbau einfacher macht. Am nördlichen Mainkai kam es beim Aufbau zu Problemen", erinnert er sich. Auch die Fläche zum Flanieren ist am Südufer breiter, was den Flohmarkt entzerrt und sich an gut besuchten Tagen bezahlt machte: Mehr als 10 000 Besucher und fast 400 Stände zählte der Flohmarkt an gut besuchten Samstagen vor allem im Mai und September. Ans Nordufer passte nur etwa die Hälfte der Stände.

Keine Toiletten am Nordufer

Zudem konnten in Sachsenhausen rechts und links der Untermainbrücke problemlos Toilettenwagen installiert werden, weil dort Abwasserkanäle vorhanden sind. "Das ist am nördlichen Mainkai nicht so einfach", berichtet Lorenz, "dort muss man noch nach einer Lösung suchen." Zur Not müsse auf Toilettenkabinen umgestellt werden, sprich: Dixie-Klos.

Seit Beginn der Pandemie gibt es nur noch den Flohmarkt an der Lindleystraße im Ostend. Dieser hat sich stark verkleinert, zuletzt waren nur etwa 50 Stände vermietet, nur rund 500 Besucher kamen zum Stöbern. Am Sachsenhäuser Ufer ist der Flohmarkt seit den 70er Jahren beheimatet. Um Anrainer zu entlasten, wurde 2008 der zweiwöchige Wechsel zwischen Sachsenhausen und dem Ostend eingeführt.

Chronik des Flohmarkts:

Der erste Flohmarkt am südlichen Mainufer fand 1972 statt. Wegen Beschwerden über Lärm und Dreck wanderte der Trödel 1983 aufs Schlachthofgelände am Deutschherrnufer. 1989 beschloss das Stadtparlament die Verlegung zurück ans Sachsenhäuser Ufer. Ab April 1990 war dort jeden Samstag von 9 bis 14 Uhr Flohmarkt, das Management übernahm ein privater Veranstalter. Seit 2008 wird er von den Hafen- und Marktbetrieben ausgerichtet. Um Sachsenhausen zu entlasten, wurde der Wechsel mit dem Standort Lindleystraße eingeführt. Während der Sperrung des nördlichen Mainkais 2019/20 verlagerte die Stadt den Trödel ans Nordufer. Dort fand er im Januar 2020 vier Mal statt, bis die Pandemie kam. Ein Jahr war Pause, seitdem ist der Trödel an der Lindleystraße. Die Römer-Koalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt will der Sachsenhäuser Tradition nun ein Ende setzen: Der nördliche Mainkai, Römerberg und Fahrgasse sollen den Flohmarkt künftig beheimaten.

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