Zu den Malkursen von Andrea Ketter-Haase (Mitte) in Preungesheim dürfen Flüchtlinge kommen. Solche Hilfe freut Flüchtlingspfarrerin Heike Seidel-Hoffmann (rechts).
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Zu den Malkursen von Andrea Ketter-Haase (Mitte) in Preungesheim dürfen Flüchtlinge kommen. Solche Hilfe freut Flüchtlingspfarrerin Heike Seidel-Hoffmann (rechts).

Ankunft in Preungesheim

Die Flüchtlinge begleiten

  • Andreas Haupt
    vonAndreas Haupt
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Heike Seidel-Hoffmann ist das Bindeglied zwischen den in Preungesheim unterkommenden Flüchtlingen und jenen, die ihnen ehrenamtlich helfen wollen. Dabei geht es ihr nicht um das Bespaßen, sondern um echte Unterstützung.

Begleiten, nicht betreuen. So umreißt Flüchtlingspfarrerin Heike Seidel-Hoffmann von der Diakonie Frankfurt das Motto ihrer Arbeit. In Preungesheim, wo in einer Containerwohnanlage am Apfelcarré seit Januar wöchentlich neue Flüchtlinge untergebracht werden, sieht sie – neben jener Container-Wohnanlage am Dornbusch – den Schwerpunkt ihrer Arbeit. Zahlreiche Freiwillige haben sich in Preungesheim bereits gemeldet, die die Flüchtlinge begleiten, ihnen helfen und den Neuanfang in Frankfurt so angenehm wie möglich machen wollen. Eine erste konkrete Hilfe, vielleicht sogar die wichtigste, läuft bereits an: Zusätzlich zu den Deutschkursen, die es für die Flüchtlinge bereits gibt, entsteht gerade ein Plan für kleine Konversationsgruppen, in denen Ehrenamtliche mit den Flüchtlingen das im Kurs gelernte ausbauen.

Nicht betreuen, das bedeutet für Seidel-Hoffmann auch: Den Flüchtlingen nicht ein festes Angebot bereitzustellen, das an ihren Wünschen und ihrem Bedarf vorbeigeht. Sondern erst einmal schauen, welche Unterstützung sie benötigen – um dann mit Ehrenamtlichen gezielt diesen Bedarf zu decken. „Wir wollen sie ja nicht bespaßen, nach dem Motto: Wir machen was Nettes mit Flüchtlingen“, sagt Seidel-Hoffmann etwas provokativ. Stattdessen gehe es darum, sie in der für sie schwierigen Situation des Übergangs, beim Einleben in Deutschland, zu unterstützen – in einer Situation, in der sie zusätzlich auch mit oft traumatischen Erlebnissen während ihren Flucht klar kommen müssen.

Einige konkrete Hilfen liefen bereits, sagt Seidel-Hoffmann –etwa, dass sich die Flüchtlinge, die meist mit wenig oder gar keiner Habe in Preungesheim ankommen, in der Kleiderkammer der katholischen Christopherus-Gemeinde ausstatten können. Zudem gibt es Ehrenamtliche, die sie zum Arzt begleiten oder ihnen im für sie unbekannten deutschen Behörden- und Vorschriftendschungel helfen.

Die ersten Freiwilligen hätten sich bereits im Januar beim Tag der offenen Tür in der Containerunterkunft bei ihr gemeldet, sagt Seidel-Hoffmann. Inzwischen habe sich die Liste auf mehr als 70 Personen erweitert. Weitere Ideen, auch um persönliche Kontakte zwischen Einheimischen und Flüchtlingen zu knüpfen, gebe es bereits, etwa einen gemeinsamen Kochkurs oder die gemeinsame Pflege einer Streuobstwiese. Auch finde am Samstag, 30. Mai, in der Carlo-Mierendorff-Schule wieder die Aktion „Preungesheim isst“ statt, bei der Preungesheimer für Preungesheimer kochen und gemeinsam auf dem Schulgelände essen. „Auch dazu wollen wir die Flüchtlinge einladen.“ Und die Preungesheimer Malerin Andrea Ketter-Haase bietet an, dass die neuen Mitbürger an ihren Malkursen teilnehmen.

Persönliche Kontakte seien sehr wichtig, denn auf beiden Seiten müsse Vertrauen herrschen, betont Seidel-Hoffmann, sowohl um einen anderen Menschen zu unterstützen, als auch um diese Hilfe anzunehmen. Von einem Menschen, den man kenne, lasse man sich eher helfen. Etwa wenn es um so etwas persönliches wie einen Arztbesuch gehe.

Um die ehrenamtlichen Helfer zu unterstützen, entwerfe der Fachbereich „Beratung und Bildung“ des evangelischen Regionalverbands zurzeit ein Kurs-Programm „zur Entwicklung einer christlichen Willkommenskultur“, sagt Seidel-Hoffmann. Christlich nicht, weil es dabei um irgendeine Form der Mission gehe, sondern aus dem christlichen Ideal der Hilfe am Nächsten heraus. Schön sei, dass sich Quartiersmanagerin Angela Freiberg, die ihr Domizil an der nahen Wegscheidestraße hat, an der Organisation von Hilfen für die Flüchtlinge beteilige. „Dort ist Rudolf Kuger ein ehrenamtlicher Ansprechpartner für all jene, die helfen wollen.“

Dass sich so viele Menschen melden, um die Flüchtlinge zu unterstützen, freut Heike Seidel-Hoffmann. „Grundlage ist ein bürgerliches Engagement, das in Frankfurt sehr ausgeprägt ist. Es zeigt aber auch vor welchen Aufgaben die Stadtgesellschaft zurzeit steht.“ Die immer weiter steigende Zahl von Flüchtlingen sei den Frankfurtern „vor die Füße geworfen“ worden – und die Stadtgesellschaft müsse sich angesichts dieser neuen Zuwanderung „neu definieren“.

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