Während Ahmadi Shahkhan (links) das Treppengeländer putzt, reinigt Ali Mureita den Boden. Beide machen eine Ausbildung zum Gebäudereiniger.
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Während Ahmadi Shahkhan (links) das Treppengeländer putzt, reinigt Ali Mureita den Boden. Beide machen eine Ausbildung zum Gebäudereiniger.

Arbeitsmarkt

Flüchtlinge in Frankfurt: Der lange Weg zum Job

  • Andreas Haupt
    vonAndreas Haupt
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Gezielt suchen die Bundesagentur für Arbeit und das Frankfurter Jobcenter nach Firmen, die Flüchtlinge einstellen. Gemeinsam mit All Service Gebäudemanagement luden sie vor allem Flüchtlinge zu einer kleinen Bewerbermesse zum Eckenheimer Sitz des Unternehmens ein.

Nach ihrer Ausbildung zum Gebäudereiniger soll für Ali Mureita (29) und Ahmadi Shahkhan (20) noch lange nicht Schluss sein. „Ich will lernen, will meinen Meister machen oder Objektleiter werden“, sagt Ahmadi Shahkhan. Und Mureita träumt davon, selbst ein Unternehmen zu gründen: „Man muss zielstrebig sein und darauf hinarbeiten, muss positiv denken.“

Beide kamen als Flüchtlingen nach Frankfurt, Mureita ist Palästinenser aus Syrien, Shahkhan kommt aus Afghanistan. Nun arbeiten sie bei All Service Gebäudedienste, einer von sechs Firmen der gleichnamigen Unternehmensgruppe. Mit Flüchtlingen haben die Firmen gute Erfahrungen, bestätigen Luis da Silva, Geschäftsführender Gesellschafter von All Service Garten- und Landschaftspflege, wie auch Dirk Hömke, Bezirksleiter Rekrutierung bei All Service Sicherheitsdienste. Anlässlich des „Deutschen Diversity-Tags“ lud All Service daher gestern mit der Bundesagentur für Arbeit (BfA), dem Jobcenter und dem Verein Kubi speziell Flüchtlinge zu einer kleinen Jobmesse.

Eine kleine Veranstaltung im Vergleich zu Jobmessen mit 50 oder mehr Firmen. Und doch habe dieses Format Vorteile, sagt Naim Foutati von der BfA. „Hier können die Bewerber gezielt und ohne Zeitdruck mit dem Unternehmen sprechen.“ Umgekehrt sei es für Arbeitgeber gut zu wissen, dass sich an diesem Tag nur Flüchtlinge bewerben. „Er weiß, dass sie oft noch nicht gut Deutsch sprechen, die Unterlagen vielleicht nicht komplett sind.“

Im April waren in Frankfurt 23 350 Arbeitslose gemeldet, davon stufen Bundesagentur für Arbeit (BaF) und Jobcenter 1166 als Flüchtlinge ein. Seit drei Monaten steige die Zahl der Flüchtlinge, die einen Ausbildungsplatz oder Arbeit suchen, langsam an, sagt Anna Morales, Sprecherin der Frankfurter BfA, ohne Zahlen zu nennen.

Eine Klientel, die nicht einfach zu vermitteln sei, sagt Foutati. „Die Beratung ist zeitintensiver als bei Menschen, die hier aufgewachsen sind. Es ist nicht einfach, in einem anderen Land Fuß zu fassen.“ Auch der Arbeitsmarkt sei in Deutschland ganz anders. Ein duales Ausbildungssystem aus Berufsschule und betrieblicher Ausbildung „gibt es selbst in Europa nirgendwo anders.“ Ali Mureita bestätigt das. Zwar gebe es auch in Syrien Berufsschulen, das System sei aber anders. „Und in Afghanistan gibt es das gar nicht“, ergänzt Shahkhan. „Dort lernt man seine Arbeit vom Chef und von den Kollegen.“

Beiden fiel es nicht leicht, das deutsche System zu lernen, erklären sie. „Es ist sehr formal“, sagt Silvia Musholt vom Jobcenter Frankfurt. Sehr unterschiedlich sei auch das Verhältnis zu Vorgesetzten und Chefs. „Wenn in Syrien der Chef etwas sagt, ist das Gesetz. Man widerspricht nicht. Hier wird vielmehr kommuniziert, man kann sich konstruktiv einbringen, muss kommunikativer seien.“

„Wir lernen immer noch, wie wir Flüchtlingen möglichst effizient bei der Arbeitssuche helfen können“, sagt Anna Morales. Es habe sich gezeigt, dass eine sehr persönliche Betreuung nötig sei. Hier kommt der Verein KuBi ins Spiel, der Frankfurter Servicestelle des Projekts „Kausa“ der Bundesregierung ist. KuBi soll Unternehmen gewinnen, mehr Migranten als Auszubildende einzustellen. „Dazu gehört auch, Netzwerke aufzubauen und zu überlegen, wie wir den Jugendlichen helfen“, sagt Tatjana Leichsering von KuBi. Wichtig sei, dass jeder Flüchtling einen dauerhaften Ansprechpartner in beruflichen Dingen habe, sagt ihre Kollegin Abena Bernasko. „Sie sind oft überfordert mit ihrem Anerkennungsverfahren, Deutschlernen und Jobsuche.“ Die größten Probleme gebe es in der Berufsschule“, sagt Leichsering. „Die dort verlangten Deutschkenntnisse sind sehr speziell, mit vielen Fachbegriffen.“ Wichtig sei aber auch, mit den Arbeitgebern Kontakt zu halten und bei Problemen zu vermitteln.

Für All Service ist die Jobbörse ein Erfolg. „Wir haben drei Personen für morgen zum Probearbeiten eingeladen“, sagt Luis da Silva. Darunter sei ein Lkw-Fahrer, die seien schwer zu finden. Auch Hömke hat vier potenzielle neue Mitarbeiter für den Sicherheitsdienst kennen gelernt. Die Bewerbungsunterlagen seien dabei zweitrangig, „es geht um einen guten persönlichen Eindruck.“ Der sei bei Flüchtlingen oft vorhanden, sagt Hömke. „Sie sind lernwillig und unkompliziert.“

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