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Mohammad Ali (links) und Tesfu Araya haben ein vierwöchiges Praktikum bei der FES gemacht und bekommen jetzt dort einen Job.

Arbeitsmarkt

Flüchtlinge: Ohne Sprachkenntnisse kein Job

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Die Eingliederung von Flüchtlingen am Arbeitsmarkt verläuft schleppend. Doch es gibt Hoffnung: Zwei junge Flüchtlinge erhalten eine Chance bei der Frankfurter Entsorgungs und Service GmbH.

Mohammad Ali Sadiqi (26) und Tesfu Araya (23) haben den ersten Schritt ins Arbeitsleben geschafft. Nach einem vierwöchigen Praktikum bei der Straßenreinigung der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) sind sie nun in einer Qualifizierung. „Dies dauert ein halbes Jahr, danach können sie bei uns arbeiten“, erklärt “, erklärt FES-Geschäftsführer Benjamin Scheffler.

Sadiqi ist Afghane, Araya kommt aus Eritrea. Sie leben seit einigen Jahren in Deutschland und sind anerkannte Flüchtlinge. Der Weg in den Job war beschwerlich. Erst die Qualifizierung beim Programm „Joblinge“ brachte sie in Kontakt mit der FES. Dieses Unternehmen – 1844 Mitarbeiter aus 45 Nationen – gab in verschiedenen weiteren Programmen bislang zehn Flüchtlingen eine Chance.

Grundsätzlich verläuft die Integration in den Arbeitsmarkt trotz offener Stellen alles andere als erfolgreich. Meist stimmt die Qualifikation der Flüchtlinge nicht – von den Sprachkenntnissen ganz zu schweigen. „Man muss am Arbeitsplatz die Anweisungen verstehen“, weiß Conrad Skerutsch, Geschäftsführer der gemeinnützigen Gesellschaft für das Frankfurter Arbeitsmarktprogramm (FRAP). „Deutsch lernen ist nicht so einfach, wenn man in seinem Heimatland nur wenige Jahre in die Schule gegangen ist.“ Das sei aber die Situation bei den meisten Flüchtlingen. Die Folge: „Wir müssen uns auch in den kommenden Jahren auf viele Herausforderungen einstellen“, sagt Skerutsch. Bislang jedenfalls sei die Integration in den Arbeitsmarkt nicht erfolgreich. Er schätzt, dass nur etwa 15 Prozent der rund 3000 erwerbsfähigen Erwachsenen eine Stelle angenommen haben – typischerweise in der Gastronomie, dem Reinigungsgewerbe und bei Zeitarbeitsfirmen, die auch Hilfstätigkeiten vermitteln.

Das Jobcenter Frankfurt hat dazu keine exakten Zahlen. Aktuell hat es einen Bestand von 3910 arbeitssuchenden Personen im Kontext von Fluchtmigration. „Die Statistik errechnet sich aus den Kundenzahlen der acht zugangsstärksten Herkunftsländer Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien“, sagt Jobcenter-Sprecherin Sabine Kunz. „Von den 3910 Flüchtlingen sind 2993 arbeitssuchend im engeren Sinne.“ Das bedeutet, dass sie entweder in einer Maßnahme sind – etwa ein Sprach- oder Integrationskurs – oder aber eine Beschäftigung von mindestens 15 Stunden ausüben, aber eine andere, besser bezahlte Arbeit suchen. 917 Flüchtlinge sind arbeitslos, das heißt, sie haben weder eine Maßnahme noch eine Beschäftigung.

Skerutsch hat beobachtet, dass Flüchtlinge oft in der Gastronomie oder bei Reinigungsfirmen unterkommen, viele auch bei Zeitarbeitsfirmen, die sie als Hilfskräfte vermitteln. Die Krux ist: Selbst wenn die Flüchtlinge in ihrem Heimatland eine Ausbildung gemacht haben, profitieren sie in der neuen Heimat nicht davon. Denn: „Viele dieser Ausbildungen werden innerhalb des deutschen Bildungssystems nicht anerkannt“, sagt Kunz. So bleiben fast nur Hilfsarbeiten. Und auch die erfordern Sprachkenntisse. „Bei bildungsfernen Kunden ist dies ein langwieriger Prozess“, sagt Kunz. Das Jobcenter hilft beim Spracherwerb durch begleitende Maßnahmen , auch mit berufspraktischem Bezug.

Brigitte Scheuerle, bei der Industrie- und Handelskammer für Ausbildungsfragen zuständig, hat Erfreuliches zu berichten: „Stand Ende Juli: Im Vorjahr hatten 121 Flüchtlinge einen Lehrvertrag unterschrieben, jetzt waren es 154.“ Der Aufwärtstrend hält also an, wenngleich auf niedrigem Niveau. „Was wir brauchen ist Sprache, Sprache, Sprache. Deswegen gibt es im neuen Lehrjahr einen zusätzlichen halben Berufsschultag, zunächst in der Bergius- und der Gutenbergschule.“ Allgemein sei festzustellen, dass viele der Minderjährigen, die eine sogenannte Intensivklasse und danach den Regelunterricht besucht haben, schon „auf der richtigen Spur“ seien, Verständnis für das deutsche Berufssystem und Interesse an einer Ausbildung entwickelt haben.

Schwieriger ist es bei den meist jungen Erwachsenen. Skerutsch beschreibt die Verzögerungen, die sich aus den gesetzlichen Regeln ergeben. So lange die Menschen noch Asylbewerber seien, sei für jedes Praktikum eine Arbeitserlaubnis notwendig. So könne die Wartezeit nicht ausreichend genutzt werden, um erste Arbeitsmarktintegrationen einzuleiten. „Erst anerkannte Flüchtlinge haben gleiche Rechte am Arbeitsmarkt“, sagt der Geschäftsführer der FRAP. Wer nur geduldet werde, erhalte seine Arbeitserlaubnis nur sehr kurzfristig. „Man will verhindern, dass sie sich hier eingewöhnen“, meint Skerutsch.

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