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Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Mitte) diskutierte mit den Schülern auf dem Schulhof.

Flüchtlingscamp auf dem Schulhof

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Zum Abschluss ihrer Aktionswoche zum Thema Flüchtlinge konnten die Schüler der IGS Nordend in Anwesenheit der Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg 6500 Euro Spenden an die Initiative „Teachers on the Road“ übergeben.

Gespannt hört die Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg im Zeltdorf auf dem Schulhof zu, was die Schüler der Integrierten Gesamtschule Nordend während der Aktionswoche „Flucht“ gelernt, erarbeitet und diskutiert haben – und findet sich dabei selbst ein Stück wieder. „Meine Mutter unterrichtet Deutsch in der Wilhelm-Merton-Schule und erzählt mir immer wieder von traumatisierten Erwachsenen, die im Unterricht einschlafen, weil sie nachts aus lauter Angst vor Alpträumen nicht mehr zur Ruhe kommen“, berichtet die Schulsprecherin Raquel (15) aus der 10a.

Eskandari-Grünberg (Grüne) zeigt sich bewegt und auf Augenhöhe mit den Schülern, die sich in eine ihr wohl vertraute Notlage zu versetzen suchen: „Auch ich bin vor 27 Jahren als 19-jähriges Mädchen ohne Eltern vor der Diktatur im Iran geflohen“, erinnert sie sich. Ungewisse Tage und Nächte in Zeltlagern seien ihr ebenso vertraut wie die Ankunft in einem fremden Land, dessen Sprache man erst mal lernen muss. Umso erfreuter zeigt sie sich, als die Schüler die stolze Summe von 6500 Euro an die Initiative „Teachers on the Road“ überreichen, die ehrenamtlichen Deutschunterricht für Flüchtlinge anbieten.

„Schon vor Ostern haben wir das Geld mit einem Sponsorenlauf gesammelt“, sagt Raquel. Hinzu kommen überwiesene Spenden und Einnahmen aus dem Verkauf von Willkommensarmbändern „IGS refugees welcome.“

Doch im abwechslungsreichen Programm der Aktionswoche mit Vorträgen, Diskussionen, Workshops und Vorführungen von Dokumentations- und Spielfilmen ging es auch darum, die vielfältigen Facetten der weltweiten Flüchtlingsprobleme besser kennenzulernen. Entstanden war die Idee in der „IG Südend“ – so der Name der Arbeitsgemeinschaft, die sich mit der Thematik beschäftigte –,, die die Situation in den südlichen Entwicklungsländern beleuchtet und bis zum vergangenen Jahr auch eine Projektschule in Tansania betreute. Doch auch auf anderen Kontinenten verlieren Menschen ihre Heimat, weil sie zwischen die Fronten von Bürgerkriegen, Verteilungskämpfen von Drogenkartellen und der korrupten Staatsgewalt geraten. So stellte Ramona Lenz von Medico International die Arbeit einer mexikanischen „Flüchtlingskarawane“ vor, die Notunterkünfte in El Salvador und Guatemala mit den Fotos von Vermissten aufsucht.

Im Gespräch mit Eskandari-Grünberg betonten die Schüler, wie schwierig und zermürbend Asylverfahren in Deutschland noch immer sind. Derweil besuchen einige ihrer Schulkameraden das frühere Untersuchungsgefängnis Klapperfeld, wo Flüchtlinge noch bis zur Schließung im Jahr 2002 in Abschiebehaft kamen. Mit der Initiative „Faites votre jeu“ (Macht euer Spiel) , die die Haftanstalt betreut, erleben sie die drückende Enge der Zellen, entschlüsseln die Botschaft fremdsprachiger Graffiti an den Zelltüren. „Ich schrie, doch die Wände hatten keine Ohren“, ist in einer Zelle zu lesen.

Auch nach der Aktionswoche wird das Thema Flucht im Unterricht und in weiteren Projekten behandelt: So ist aus einem Workshop der Dozentin an der Goethe-Universität Regina Schleicher, die sich angesichts des jüngsten Bootsunglücks auf dem Mittelmeer mit 950 Toten über das Netzwerk Afrique-Europe Interact für eine Hotline für Flüchtlinge in Seenot einsetzt, die Idee zu einem Planspiel an der IGS Nordend entstanden.

Am Ende lobt Eskandari-Grünberg das Engagement der Schüler und Lehrer, das beispielhaft für andere sein sollte. „Wir brauchen eine intelligente Integrationspolitik. Flüchtlinge brauchen Sprachkurse, wir müssen ihre Bildungsabschlüsse anerkennen und ihnen die Chance geben, eine Schule zu besuchen“, lautet ihre abschließende Botschaft. „Jeder Mensch hat das Recht, für ein besseres Leben zu kämpfen.“ Auch wenn in seinem Herkunftsland offiziell gerade kein Krieg herrscht.

(got)

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