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Noch sitzt der Text nicht perfekt, doch die Amateurschauspieler Betül Yimez und Miriam Kiel (im Vordergrund) sowie Saskia Hofmann und Patrick Stier haben noch einige Tage Zeit, bis das neue Stück ?Glasgow Girls? im Theater Megalomania in Oberrad Premiere feiert.

Theater Megalomania

Flüchtlingsstück „Glasgow Girls“: Vom Mut, den Mund aufzumachen

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Der pensionierte Lehrer Abraham Teuter und seine Theatergruppe Megalomania bringen ein Stück auf die Bühne, das aktueller nicht sein könnte: die Abschiebung von Flüchtlingen. „Glasgow Girls“ beruht auf einer wahren Geschichte und hat für den 68-jährigen Theaterleiter eine ganz besondere Bedeutung.

Während Betül Yimez (24), Miriam Kiel (23), Saskia Hofmann (26) und Patrick Stier (21) auf der Bühne stehen und ihre Textpassagen für das neue Stück „Glasgow Girls“ im Oberräder Megalomania-Theater besprechen, beobachtet Abraham Teuter die Szenerie ganz genau vom Zuschauerraum aus. Der 68-Jährige leitet das Theater, das neue Stück ist etwas ganz Besonderes für ihn, ist es doch das erste, das der pensionierte Lehrer selbst geschrieben hat. Und weil Eigenlob laut eines Sprichwortes bekanntlich stinkt, übernehmen dies die jungen Amateurschauspieler für Abraham Teuter. „Es ist knackig geschrieben und spannend“, sagt Patrick Stier. Miriam Kiel gefällt es vor allem aufgrund der Aktualität der Thematik.

In „Glasgow Girls“ geht es um die Schülerin Agneza Murselaj, die in den frühen Morgenstunden gemeinsam mit ihrer Familie festgenommen und in eine Abschiebelager gebracht wird. Von dort sollen sie in ihre Heimat, den Kosovo, abgeschoben werden. Als ihre Mitschülerinnen davon erfahren, setzen sie gemeinsam mit ihrem Lehrer Girvan alles daran, dass die Jugendliche mit ihrer Familie in Schottland bleiben darf. Die Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit aus dem Jahr 2005.

„Aktueller könnte das Stück nicht sein“, sagt Abraham Teuter. Erst kürzlich sorgte ein wahrer Fall aus Karben für Schlagzeilen. Dort wurde (wir berichteten) eine 16-jährige Schülerin von der Polizei aus dem Unterricht geholt, um sie gemeinsam mit ihren Eltern nach Serbien abzuschieben.

Jedoch war weder diese Geschichte noch die Flüchtlings-Thematik der Auslöser für den Theatermacher, „Glasgow Girls“ auf die Bühne zu bringen, sondern eine Reportage im Fernsehen über jene schottischen Schülerinnen, die den Mut aufbrachten, ihren Mund aufzumachen, Widerstand zu leisten, damit ihre Freundin nicht abgeschoben wird. „Das hat mich sofort fasziniert“, sagt Teuter. Oft habe er in seiner Zeit als Lehrer erlebt, wie die Schüler über Gegebenheiten meckerten, aber resignierten anstatt den Mut aufzubringen, sich zur Wehr zu setzen. „Da bleibt das Meckern dann natürlich folgenlos.“ Er jedoch habe seine Schüler stets dazu ermutigt, auch mal den Mund aufzumachen. „Sich etwas im Leben zu trauen, ist ganz wichtig. Dann ändern sich die Dinge auch“, sagt Abraham Teuter. „Dafür ist dieses Theaterstück ein Lehrstück.“

Der 68-Jährige hat schon oft den Mund aufgemacht – wie vor drei Jahren, als er pensioniert wurde, aber nicht gehen wollte und dagegen klagte – wegen „Altersdiskriminierung“. Bundesweit berichteten die Medien darüber, gebracht hat es letztlich aber nichts. Der Lehrer für Deutsch, Englisch und Gesellschaftskunde musste die Schule verlassen. Das ist aber eine andere Geschichte.

Seit zwei Jahren spielt Abraham Teuter nun mit dem Gedanken, die Geschichte der „Glasgow Girls“ in seinem kleinen Theater in Oberrad zu zeigen. Er suchte jemanden, der das Stück schreiben sollte. Das Vorhaben scheiterte allerdings. „Da gab es dann nur zwei Alternativen: Entweder ich versuche mich selbst als Stückeschreiber oder ich verzichte ganz auf die Geschichte“, erzählt er. Letzteres kam natürlich nicht in Frage. „Es wäre albern gewesen, ein Stück über zivilen Mut zu wollen, es aber selbst nicht zu versuchen.“ Also griff er zum Stift und schrieb, ließ eigene Ideen und Vorstellungen mit einfließen, gab den Charakteren eine Biografie. „Dann habe ich das Werk einer ehemaligen Kollegin und einer ehemaligen Schülerin gezeigt, und sie fanden es gut.“ Nun feiert das Stück seine Premiere.

Das Theaterstück „Glasgow Girls“ wird am Samstag, 17. Dezember, um 18 Uhr im Megalomania Theater, Offenbacher Landstraße 368, gezeigt. Karten gibt es telefonisch unter (069) 59 00 97. Weitere Aufführungen folgen im Januar. Termine stehen im Internet unter .

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