Künftig wird Fraport die Passagierkontrollen von der Bundespolizei übernehmen. Der Betreiber des Flughafen Frankfurt holt sich dafür einen privaten Anbieter dazu. (Symbolfoto)
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Künftig wird Fraport die Passagierkontrollen von der Bundespolizei übernehmen. Der Betreiber des Flughafen Frankfurt holt sich dafür einen privaten Anbieter dazu. (Symbolfoto)

Flughafen Frankfurt

Fraport übernimmt Passagierkontrollen – verkauft aber Teile der Luftsicherheit an privaten Anbieter

  • Julia Lorenz
    VonJulia Lorenz
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Fraport übernimmt ab 2023 die Passagierkontrollen am Flughafen Frankfurt. Nun verkauft der Betreiber Teile seine Luftsicherheit an einen privaten Anbieter.

Frankfurt – Der Flughafenbetreiber Fraport übernimmt ab 2023 die Verantwortung für die Sicherheitskontrollen am Flughafen Frankfurt, die Passagiere kontrollieren aber andere. Das teilte das Unternehmen am Freitag (19.11.2021) mit. Deshalb verkauft die FraSec Fraport Security Services GmbH, eine hundertprozentige Tochter der Fraport AG, 51 Prozent ihrer für die Passagierkontrollen zuständigen Tochtergesellschaft mit 1500 Mitarbeitern an einen „strategischen Partner“ – und zwar an die Münchner Dr. Sasse Gruppe.

Sollte das zuständige Kartellamt zustimmen, werden der Sasse Gruppe die Geschäftsanteile in zwei Schritten übertragen – zum 1. Januar 2022 und zum 1. Januar 2023. „Wir müssen die Durchführung der Passagierkontrollen abgeben“, erklärte Pierre Dominique Prümm, Vorstand Aviation und Infrastruktur der Fraport AG. Die neue Struktur soll nämlich dazu führen, dass sich die Frasec Luftsicherheit GmbH auch künftig an Ausschreibungen am Standort Frankfurt beteiligen kann, ohne wettbewerbsrechtliche Risiken einzugehen.

Flughafen Frankfurt: Fraport übernimmt Passagierkontrollen von Bundespolizei

Zum Hintergrund: Am 1. Januar 2023 soll Fraport die Verantwortung für die Passagierkontrollen übernehmen und diese wieder selbst organisieren. Dafür hat sich der Flughafenbetreiber seit Jahren eingesetzt. Künftig wird die Bundespolizei nur noch sicherheitsrelevante Vorgaben machen, die Kontrollen überwachen und die Mitarbeiter zertifizieren. Der Flughafenbetreiber hingegen wird bestimmen können, wann welche Kontrollstellen geöffnet oder geschlossen werden, wann wie viel Personal eingesetzt wird, welche Kontrollgeräte gekauft und welche Dienstleister für die Kontrollen beauftragt werden. Das Vorhaben wurde in dieser Woche offiziell besiegelt.

Die neue Organisation soll die Wartezeiten für die Fluggäste vor den Sicherheitskontrollen verkürzen. Dort kommt es immer wieder zu langen Warteschlangen – mit verärgerten und aufgeregten Passagieren, die Angst haben, ihren Flug zu verpassen. Auch jetzt wieder. Gerade an den Wochenenden. Pierre Dominique Prümm bezeichnet die Situation als „unbefriedigend“. „Wir versuchen dem entgegenzusteuern, stehen aber am Rand und können nichts sagen“, so das Vorstandsmitglied. „Erst 2023 werden wir besser reagieren können.“ Der Übergang wird jetzt vorbereitet.

Flughafen Frankfurt: Sasse Gruppe schon am Terminal 2 tätig

Schon „zeitnah“ soll die Ausschreibung für die künftige Durchführung der Sicherheitskontrollen am Flughafen veröffentlicht werden, kündigte Prümm an. Auch die Luftsicherheits-Tochter von Fraport kann sich dann wieder daran beteiligen. Mehrere Dienstleister werden gesucht. „Wir wollen die Frasec Luftsicherheit GmbH unter Führung der Dr. Sasse Gruppe noch erfolgreicher am Markt der Sicherheitsdienstleistungen positionieren“, sagte Prümm. Bisher kontrollieren die Mitarbeiter in Frankfurt und Stuttgart die Fluggäste. „Wir hoffen, dass wir die Zahl der Standorte erhöhen können“, so Prümm.

Die Dr. Sasse Gruppe ist ein familiengeführtes, international tätiges Unternehmen mit rund 6500 Mitarbeitern. Jüngst hat der Firmengründer Eberhard Sasse die Geschäfte an seine Töchter übergeben. Das Unternehmen ist derzeit unter anderem für die Reinigung der Züge der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) zuständig. Zudem halten die Mitarbeiter seit vielen Jahren das Terminal 2 des Frankfurter Flughafens sauber.

Über den Verkaufspreis haben die beiden Partner Stillschweigen vereinbart. Prümm sagte lediglich: „Wir bekommen mehr als einen Euro.“ (Julia Lorenz)

Aufgrund der Corona-Pandemie kommt es am Flughafen Frankfurt derzeit zu längeren Wartezeiten.

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