Corona Flugzeug Ansteckung Studie
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Corona im Flugzeug: Eine Studie soll Auskunft über die Ansteckungsgefahr geben.

Fliegen ohne Masken

Neue Studie zur Corona-Übertragung im Flugzeug veröffentlicht: Das Ergebnis ist ernüchternd

  • Marcel Richters
    VonMarcel Richters
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Ein Forscherteam aus Frankfurt hat die Übertragung des Coronavirus in Flugzeugen untersucht. Die Ergebnisse wurden jetzt veröffentlicht.

  • Forscher haben für einen Flug zum Flughafen Frankfurt die Corona-Übertragung untersucht.
  • Die Ergebnisse haben sie jetzt in einer Studie veröffentlicht.
  • Gibt es jetzt Entwarnung für das Fliegen in Corona-Zeiten?

Frankfurt – Flugzeuge gelten als regelrechte „Corona-Schleudern“. Enge Sitzreihen und eine Klimaanlage, welche die Viren verteilen könnten, sind der Graus vieler Reisender. Wie hoch die Gefahr tatsächlich ist, haben Forscherinnen und Forscher der Uniklinik Frankfurt untersucht und die Ergebnisse im Fachjournal „Jama Network Open“ veröffentlicht.

Flughafen Frankfurt: Sieben Corona-Infizierte im Flugzeug ohne Maske

Ihr „Versuchsaufbau“ sah dabei wie folgt aus: Ein Flugzeug mit 102 Passagieren, rund viereinhalb Stunden Flug von Tel Aviv zum Flughafen Frankfurt – und niemand trug eine Maske an diesem 9. März 2020, denn diese waren noch nicht obligatorisch. Bei der Maschine handelte es sich um eine Boeing 737-900. Das Flugzeug kann etwas mehr als 200 Passagiere tragen, war also etwa halb voll. Wie hat sich diese Konstellation auf die Übertragung des Coronavirus im Flugzeug ausgewirkt?

Sieben Tage vor der Abreise hatten 24 der 102 Passagiere Kontakt zu einem Hotel-Manager, der zu diesem Zeitpunkt mit Corona infiziert war, ohne es zu wissen. Keines der Mitglieder der Gruppe war vor dem Flug mit dem Coronavirus diagnostiziert worden. Nach der Ankunft am Flughafen Frankfurt wurden die 24 Touristinnen und Touristen auf das Coronavirus getestet. Sieben von ihnen wurden positiv auf das Virus getestet – die sogenannten „Index-Fälle“. Zum Vergleich wurden alle Passagiere des Flugs vier bis fünf Wochen später telefonisch befragt, ob sie Kontakt zu einer infizierten Person hatten. 71 der 78 Passagiere, die nicht Teil der Reisegruppe waren, führten das Interview durch. Denjenigen, die zwei Reihen vor oder hinter den Infizierten saßen, wurde ein kostenloser Corona-Test angeboten.

Zwei Passagiere waren nach dem Flug nach Frankfurt mit Corona infiziert

Das Ergebnis der Untersuchung: Von den 71 Passagieren, die den sieben „Index-Fällen“ ausgesetzt waren, zeigten 63 Passagiere keine Symptome, acht zeigten Symptome. Eine Person wurde ohne Symptome positiv getestet, eine mit Symptomen. Eine Person zeigte Symptome, wurde aber nicht getestet. Bei 23 Personen konnte eine Infektion auf dem Flug mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Sie wurden negativ getestet oder hatten sich erst später mit dem Virus infiziert. 46 Passagiere wurden nicht auf Corona getestet, aber zeigten auch keine Symptome. Fazit: Es haben sich zwei von 71 Personen mit hoher Wahrscheinlichkeit auf dem Flug infiziert, eine könnte sich auf dem Flug infiziert haben.

Das Schaubild zeigt, dass nur zwei Passagiere erwiesenermaßen im Flugzeug mit Corona infiziert wurden.

Flughafen Frankfurt: Entwarnung für Corona-Flüge?

Gilt jetzt Entwarnung für das Fliegen in Corona-Zeiten? Nicht unbedingt, wie die Forscher des Uniklinikums Frankfurt erläutern. Denn es gibt diverse Faktoren, welche die Übertragung im Flugzeug beeinflussen. Der Faktor in diesem Fall könnte der Luftstrom im Flugzeug gewesen sein, so die Wissenschaftler in ihrer Studie. Denn durch die Zirkulation der Luft wird beeinflusst, wie die Viren verteilt werden. Wenn die Luft beispielsweise wie im untersuchten Fall eher an einem Platz oben nach unten zirkuliert, nimmt sie weniger Coronaviren auf, als beispielsweise von hinten nach vorne über mehrere Plätze hinweg. Eine noch geringere Ansteckungsrate könnte durch das Tragen von Masken erzielt werden. Eine Übertragung des Coronavirus über die Luft könne durch die Studie ebenfalls nicht ausgeschlossen werden, betonen die Forscher.

Daneben unterlag die Studie verschiedenen Beschränkungen. Es ist nicht bekannt, wie viel sich die Passagiere im Flugzeug bewegt haben, von einigen Passagieren gab es gar keine Informationen. Ebenso wenig wurde die Crew des Flugzeugs in die Studie miteinbezogen. Weitere Übertragungen könnten stattgefunden haben, aber nicht entdeckt worden sein, so die Virologen des Uniklinikums Frankfurt. Es ist also weiterhin auch im Flugzeug Vorsicht geboten, auch wenn in dieser Studie die Ansteckungsrate mit dem Coronavirus an Bord gering war.

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