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Kommen die Ultrafeinstäube aus der Luft?

Neue Daten

Sind Flugzeuge die Quelle der extremen Ultrafeinstaubbelastung?

Woher stammen die hohen Ultrafeinstaub-Werte, die das Land Hessen rund um den Frankfurter Flughafen misst? Vom Bodenverkehr des Flughafens, sagt die Politik – nun deuten neue Daten aus Sachsenhausen das Gegenteil an.

Frankfurt - „Die Daten aus dem Januar 2019 zeigen: Sobald der Flugverkehr weg war, war auch der Ultrafeinstaub weg“, sagt Joachim Alt, „und das, obwohl der Wind weiter aus Richtung des Flughafens wehte.“ Alt ist Nachrichtentechniker, sein Kollege Wolfgang Schwämmlein Diplom-Ingenieur. Seit 2015 messen die beiden Mitglieder der Mainzer Bürgerinitiative gegen Fluglärm besonders hohe Ultrafeinstaubkonzentrationen rund um den Flughafen.

Wer verursacht die gesundheitsgefährdenden Feinstäube: Bodenverkehr oder Flugverkehr?

40.000 bis 100.000 Partikel, mehrfach am Tag, so lauten auch die Messergebnisse des Hessischen Landesamtes für Umwelt (HLNUG). Der Flughafen sei zwar „eine maßgebliche Quelle“ für die als gesundheitsgefährdend geltenden Feinstäube, räumt man dort ein – Ursache sei aber der Bodenverkehr am Flughafen, von dort wehe der Wind die Feinstäube zu den Messstationen. Neue Daten deuten nun auf das Gegenteil hin: auf Flugzeuge als Quelle der Ultrafeinstäube.

Alt und Schwämmlein nahmen Daten aus dem Januar 2019 von der neuen Messstation an der Martin-Buber-Schule in Sachsenhausen unter die Lupe – dieser Zeitung liegen die Ergebnisse exklusiv vor. Die Schule liegt rund 500 Meter nördlich der Anflugschneise auf die Nordwestlandebahn, hier steht ein offizielles Messgerät des HLNUG, der Flughafen ist etwa acht Kilometer Luftlinie entfernt.

Die Mainzer nahmen den 1. Januar 2019 unter die Lupe, verglichen Kurven von Flugzeugspuren mit den UFP-Messwerten und stellten fest: Solange Landeanflug auf die Nordwestlandebahn herrschte, maß das Gerät bis zu 72 000 UFP-Partikel pro Kubikmeter Luft. „Sobald der Flugverkehr weg war, war auch der Ultrafeinstaub unten“, bilanziert Alt: „Und das, obwohl der Wind beständig weiter aus Richtung des Flughafens wehte und der Flughafen voll in Betrieb war.“

Ultrafeine Partikel gelten als Risiko für Atemwegserkrankungen und Herzinfarkte

Ultrafeine Partikel (UFP) sind alles andere als harmlos, neueste wissenschaftliche Studien rechnen den winzigen Teilchen ein hohes Gesundheitsrisiko für Atemwegserkrankungen und Herzinfarkte zu. Die mikroskopisch kleinen Rußteilchen entstehen bei Verbrennungsprozessen von Motoren, Industrieanlagen, aber auch in Kaminen. Gerade warnten Wissenschaftler der Leopoldina-Akademie vor den verheerenden Folgen von Feinstaub für den Menschen – dieser sei das eigentliche Umweltproblem.

Seit September 2017 misst auch das Hessische Landesamt für Umwelt Ultrafeinstaub rund um den Flughafen und stellte selbst „tagsüber sehr hohe Anzahlkonzentrationen, insbesondere von sehr kleinen Partikeln“ fest.

Am 1. Januar wehte der Wind genau aus südwestlicher Richtung nach Sachsenhausen, aus Richtung des Flughafens, und das konstant. Als zwischen 9 Uhr und 13 Uhr eine Pause auf der Nordwestbahn eintrat, sanken die Werte auf rund 3000 Kubikmeter UFP, obwohl am Flughafen weiter reger Betrieb herrschte. „Wurde nicht geflogen, war die Belastung unten, wurde geflogen, stieg die Belastung“, bilanziert Alt: „Dieser Tag zeigt sehr deutlich, dass die Partikel nicht vom Flughafen herüber wehen.“

Bürger müssen bei großen Konzentrationen von ultrafeinen Partikel gewarnt werden

Analysen weiterer Tage bestätigten das Ergebnis, für Alt ist damit klar: „Der Flugbetrieb auf der Nordwestbahn war ausschlaggebend, dem Überflug ist eine größere Dimension beizumessen, als man bisher bereit war zuzugeben.“ Die Politik müsse endlich systematisch UFP rund um den Flughafen messen, die Messdaten öffentlich machen und die Bevölkerung bei hohen Konzentrationen warnen.

Die neuen Erkenntnisse wurden gestern Abend bei der Bürgerinitiative Sachsenhausen vorgestellt. Die BI betont, anhand der Daten lasse sich der Flugbetrieb „eindeutig“ als ultrafeine Partikelquelle ausmachen, und fordert: „Das HLNUG und Fraport müssen sich von ihren bisherigen unqualifizierten Aussagen trennen, nach denen der Frankfurter Flughafen eine bedeutende Bodenquelle für Ultrafeine Partikel ist.“

Von Gisela Kirschstein

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