1. Startseite
  2. Frankfurt

„Die Leute sind fix und fertig“: Mehr Lohn, damit die Gepäckbeförderung besser läuft

Erstellt:

Von: Jutta Rippegather

Kommentare

Startklar – es müssen noch Tage vom Urlaubskonto runter.
Endlich ist er da, der Koffer. © dpa

Fraport-Tochter Fraground einigt sich mit Verdi auf mehr Geld für die Bodenverkehrsdienste. Denn an den Gepäckbändern wächst der Unmut der Reisenden.

Frankfurt – Es ist ein Tarifabschluss, von dem die meisten nur träumen können: 14 Prozent mehr Geld und eine Einmalzahlung von 700 Euro hat Verdi für die rund 3500 Beschäftigten der Bodenverkehrsdienste der Fraport-Tochter Fraground erzielt. Ein zufriedenstellendes Ergebnis, aber ein erwartbares angesichts der akuten Personalnot, die sich längst auf die Qualität der Gepäckabfertigung auswirkt.

So auch wieder am vergangenen Wochenende. „Hier am Gepäckband am Flughafen Frankfurt wird Wasser für die Wartenden ausgegeben“, schreibt eine Twitter-Nutzerin am frühen Samstagabend (25. Juni). „Überall stehen und fahren verwaiste Koffer rum. Die Schlange bei der Gepäckermittlung ist lang.“

Flughafen Frankfurt: „Das Frustrierende war, dass niemand ansprechbar war“

Schon die ganze Woche über hatte es geknirscht. „Auch wir standen am Gepäckabholband einundeinviertel Stunden“, berichtet Wolf von Wolzogen, der aus Toulouse kam, dessen Weiterflug nach Berlin storniert wurde und der die Hauptstadt schließlich mit vielen, vielen anderen Urlauber per Zug erreichte. Bei Britta Thamm waren es mehr als zwei Stunden. „Inzwischen waren vier Maschinen auf dem Gepäckband angekündigt und immer mehr Menschen versammelten sich an und um das Band“, berichtet die Hannoveranerin. „Das Frustrierende war, dass niemand ansprechbar war.“

Verspätungslandungen

In der Nacht zum Samstag , 25. Juni, genehmigte die hessische Luftaufsicht am Frankfurter Flughafen 33 Ausnahmegenehmigungen für Verspätungsstarts nach 23 Uhr. Grund: Wegen heftiger Gewitter waren zeitweise keine Abfertigung erlaubten. Das Nachtflugverbot besteht zwischen 23 und 5 Uhr.

Der letzte Start fand laut Wirtschaftsministerium um 23.59 Uhr statt. Es gab zwölf Verspätungslandungen. Die letzte um 23.38 Uhr. jur

Beschwerden wie diese zielen in Richtung Management. Und doch nimmt sie mancher Beschäftigte persönlich. „Wissen Sie, was wir seit Wochen am Flughafen leisten? Wie viele Stunden wir täglich machen (unbezahlt), damit der Laden am Laufen bleibt“, fragt ein Mitarbeiter, der in der Passagierabfertigung eingesetzt ist. „Wir alle gehen nach Ostern und Pfingsten auf dem Zahnfleisch, aber geben nicht auf, damit die Menschen in den Urlaub kommen.“ Wenn das trotzdem nicht reibungslos möglich sei, dann werde noch auf das Übelste geschimpft. Die Stimmung sei gereizt, die Belegschaft in der Pandemie so geschrumpft, dass die Übriggebliebenen in der Mittagspause durcharbeiteten, berichtet die Mitarbeiterin einer Fluggesellschaft. Ein Arbeitspensum, das auf Dauer nicht leistbar ist. „Die Leute sind fix und fertig.“ Es gebe zwar Neueinstellungen, doch denen fehle die Erfahrung, um vollwertig eingesetzt werden zu können.

Flughafen Frankfurt: Bis zu 425 Euro Gehalt im Monat mehr

Auch bei den Bodenverkehrsdiensten wird der Vorpandemiezustand noch lange nicht erreicht sein. Der Nachholbedarf ist riesig. Fraport-Tochter Fraground hatte rund 1200 befristete Arbeitsverträge nicht verlängert. Jetzt kommt es zu Neueinstellungen, doch die erforderliche Sicherheitsüberprüfung dauere mindestens sechs Wochen, sagt Mathias Veneman, Fachbereichsleiter bei Verdi Hessen. Rückkehrer gebe es so gut wie keine. Die meisten Ehemaligen hätten sich längst eine krisensicherere und körperlich weniger anstrengende Tätigkeit gesucht – etwa als Busfahrer oder im Landschaftsbau.

Die Kalkulation der Arbeitgeberin sei nicht aufgegangen. „Die dachten, die kommen mit Kusshand zurück.“ Stattdessen biete der Arbeitsmarkt jede Menge gute Alternativen zu einem Job, in dem man 1500 Koffer am Tag wuchten müsse – im Schichtdienst, der ohne eigenes Auto nicht machbar sei – bei enorm gestiegenen Spritpreisen. Auch habe das Image der Arbeitgeberin gelitten: „Der Flughafen hat nicht mehr dieses Flair“, sagt Veneman. „Die Wunderwelt hat Kratzer bekommen.“ Die Arbeitsbedingungen müssten dringend wieder attraktiver werden. Die nach nur zwei Verhandlungsrunden erzielte Einigung können dazu beitragen, sagt Veneman. „Fraground muss dringend ausreichend Personal bekommen, damit der Flugverkehr komplikationsfreier und ohne viel Warten abgewickelt werden kann.“ Bislang hätten die Stundengehälter zwischen 12 und 16 Euro gelegen, die Gehaltssteigerungen machten ein Plus zwischen 1,64 Euro und 2,74 Euro aus. „Das sind auf den Monat gerechnet zwischen 250 und 425 Euro mehr.“

Für Gewerkschaftssekretär Christoph Miemietz zeugt die überfällige Lohnerhöhung von einem Lernprozess in der Konzernzentrale: „Man sieht an der Situation, dass die Beschäftigten kein Kostenfaktor sind, sondern vielmehr der entscheidende Faktor, damit die Passagiere beruhigt und stressfrei ihren wohlverdienten Urlaub antreten können.“ (Jutta Rippegather)

Kommentar: Faire Löhne ist ein Urlaub wert

Auch interessant

Kommentare