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„Erwiesene Tatsache, dass Lärm krank macht“: Ärger um zunehmende Nachtflügen

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Von: Jutta Rippegather

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Die Anwohnerinnen und Anwohner klagen wieder über Nachtflüge. Michael Schick
Die Anwohnerinnen und Anwohner klagen wieder über Nachtflüge. © Michael Schick

Die Bürgerinitiativen vermissen den politischen Willen, das Recht auf Ruhe in der Nacht durchzusetzen. Das Ministerium sieht keine Handhabe.

Frankfurt – Es ist wieder lauter am Himmel in der Rhein-Main-Region. Nicht nur tagsüber, sondern auch zwischen 23 und 5 Uhr, wenn Ruhe herrschen sollte. Die Zahl der Nachtflüge am Flughafen Frankfurt nimmt wieder zu. Im Monat April (Stand: 24. April) gab es 45 verspätete Landungen. Hinzu kamen ebenso viele Starts, die wegen winterlicher Verhältnisse oder starken Windes erst nach 23 Uhr stattfinden konnten. Plus einzelne Vermessungsflüge, eine Rückkehr wegen Sperrung des Zielflughafens und eine späte Landung „wegen technischer Probleme“, so die Statistik des Hessischen Wirtschaftsministeriums.

Der Schutz der Bevölkerung vor Fluglärm werde von der Politik weiterhin sträflich vernachlässigt, kritisiert das Bündnis der Bürgerinitiativen gegen Flughafenausbau (BBI) im Rhein-Main-Gebiet. „Die erwiesene Tatsache, dass Lärm krank macht, hätte längst wirkungsvolle politische und gesetzliche Gegenmaßnahmen zur Folge haben müssen“, konstatiert Bündnissprecher Knut Dörfel anlässlich des Internationalen Tags gegen Lärm (27. April).

Flughafen Frankfurt: Nachtrandstunden sehr laut

Die Kritik der Flughafenausbaugegner richtet sich nicht alleine gegen das steigende Durchbrechen der sechsstündigen Nachtruhe. Nach ihrer Beobachtung ist in den Nachtrandstunden oft mehr los als tags. Im Bereich der Startbahn West sei die Stunde von 22 bis 23 Uhr die lauteste, im Anflugbereich die Stunde von 5 bis 6 Uhr. Eine Tendenz, die gegen geltendes Recht verstoße. Dörfel: „Laut Gericht steht den Menschen unter den Flugrouten für die Randstunden An- und Abschwellen des Flugverkehrs zu.“ Das werde seit Jahren nicht umgesetzt. „Unbehelligt von Behörden und politisch Verantwortlichen legt die Luftverkehrsindustrie immer mehr Starts und Landungen in die Zeitfenster, die besonders geschützt werden müssen.“

Die Regeln

Zwischen 23 Uhr und 5 Uhr gibt es keine planmäßigen Flugbewegungen am Frankfurter Flughafen.

Verspätete Landungen in der Zeit von 23 bis Mitternacht sind zulässig, sofern sie sich nicht schon aus der Flugplangestaltung ergeben.

Verspätete Starts zwischen 23 Uhr und Mitternacht bedürfen einer einzelnen Genehmigung der örtlichen Luftaufsicht. Die Gründe müssen außerhalb des Einflusses des Luftverkehrsunternehmens liegen.

Nach Mitternacht bis 5 Uhr sind Flüge einzig in besonderen Ausnahmefällen erlaubt. jur

Besonders ärgerlich sind für BBI-Mitglied Wolfgang Heubner die vielen Kurzstreckenflüge, die ihn in Frankfurt-Oberrad in dieser Zeit belästigen. Beispiel Karfreitag, 5 bis 7 Uhr. Von den insgesamt 66 Flugbewegungen, sagt er, betrafen 14 Distanzen von weniger als 500 Kilometer. Düsseldorf, Münster/Osnabrück, Dresden. Alles Strecken, die laut gemeinsamem Aktionsplan des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft und der Deutschen Bahn verstärkt durch die Schiene ersetzt werden sollten. „Wir merken nichts davon“, sagt Heubner.

Flughafen Frankfurt: Flugverkehr zieht wieder an

Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums hat der Luftverkehr nach Aufhebung vieler Corona-Beschränkungen zwar wieder angezogen. „Die Anzahl der nächtlichen Flüge lag jedoch im März 2022 immer noch weit unter dem Niveau vor der Pandemie.“ Die Gründe für Verspätungen seien vielfältig und reichten von überfülltem Luftraum oder Umlaufverspätungen bis hin zu Problemen mit der Abfertigung oder der Technik.

Anders als in der Vergangenheit gebe es keine besonders auffällige Airline, sagt Ministeriumssprecherin Franziska Richter. Betroffen seien in der Regel Ferienflieger. „Die Verspätungslandungen werden von der Luftaufsicht und der Fluglärmschutzbeauftragten nach wie vor engmaschig überwacht.“

Die BBI-Kritik an den Aktivitäten in den Nachtrandstunden kann das Ministerium nachvollziehen, sieht aber keine Handhabe. Maximal zulässig seien durchschnittlich 133 planmäßige Flüge pro Nacht in der Zeit zwischen 22 Uhr und 6 Uhr. In den Monaten Januar bis März seien es zwischen 46 und 49 Flüge gewesen, im April (bis 24. April) knapp 75 Flüge. Das sei zwar ein merklicher Anstieg im Vergleich zu den Vormonaten und den Pandemiejahren 2020 und 2021. Jedoch liege die Zahl noch weit unter der zulässigen Zahl von 133. „Insofern werden die Vorgaben nach wie vor eingehalten.“ (Jutta Rippegather)

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