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Alle zehn Minuten muss das Transportgut kontrolliert werden. Für Flugbegleiterin Nicole Röttger eine ungewohnte Tätigkeit, versorgt sie doch sonst die Fluggäste an Bord.

Luftverkehr

Der neue Arbeitsalltag einer Flugbegleiterin in Corona-Zeiten am Flughafen Frankfurt

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Nicole Röttger betreut derzeit eher ungewöhnliche Gäste an Bord der Condor-Maschinen. Aber sie sieht es positiv.

  • Am Flughafen Frankfurt landet derzeit vor allem Fracht
  • Flugbegleiterinnen der Condor werden zu Fracht-Begleiterinnen
  • Nicole Röttger freut sich, dass sie trotzdem fliegen kann

Frankfurt - Normalerweise steht Nicole Röttger an der Flugzeugtür, begrüßt mit einem Lächeln im Gesicht die Passagiere, hilft ihnen beim Verstauen des Handgepäcks, serviert Essen und Getränke, kümmert sich um Menschen mit Flugangst, tut einfach alles dafür, dass die Gäste gut an ihrem Urlaubsort oder wieder zu Hause ankommen.

Doch der Arbeitsalltag von Nicole Röttger hat sich durch die Corona-Krise verändert. Sie fliegt zwar noch immer. Statt Menschen betreut die Frankfurterin derzeit allerdings Fracht. Auf den Sitzen, wo normalerweise die Passagiere Platz nehmen, stehen nun große gelbe Kisten, festgezurrt mit dicken Seilen. Darin verpackt: kostbares Gut.

Täglich landet ein Flugzeug aus Fernost am Flughafen Frankfurt

Inzwischen sind alle Langstreckenflugzeuge des Ferienfliegers Condor in der Luft, um dringend benötigte medizinische Schutzausrüstung wie etwa Masken und Gummihandschuhe aus China nach Deutschland zu transportieren. Täglich kommt mindestens ein Flugzeug aus Fernost hierzulande an.

Bei einigen dieser Flüge war Nicole Röttger mit an Bord. „Das ist für uns alle eine neue Situation, aber auch eine spannende Zeit“, sagt Röttger, die seit 22 Jahren bei Condor arbeitet und sich freiwillig für die Frachtflüge gemeldet hat. Jetzt lebt sie in ständiger Bereitschaft und wartet auf einen neuen Einsatz.

Um die Masken und Handschuhe nach Deutschland zu transportieren, musste eigens eine neue Verbindung geschaffen werden. Und so fliegen die Maschinen leer von Frankfurt nach Almaty in Kasachstan, dort wird eine Nacht im Hotel verbracht, dann geht es weiter nach Shanghai in China. Dort wird die Ware eingeladen und mit einem weiteren Zwischenstopp nach Frankfurt gebracht. Der direkte Weg ist nicht möglich, weil der Flug für die Crew zu lang wäre. Die Flugbegleiter und Piloten dürfen in China nicht aussteigen, das heißt: Sie können dort nicht übernachten.

Schon 120 Millionen Masken über den Flughafen Frankfurt transportiert

Bisher sind bereits gut 120 Millionen Mundschutzmasken, eine Million Schutzanzüge und 30 Millionen Handschuhe auf diese Weise transportiert worden. Und die Flugbegleiter sorgen dafür, dass die Fracht sicher und unbeschadet in Frankfurt landet. „Wir müssen alle zehn Minuten durch die Kabine patrouillieren und schauen, dass die Kisten nicht verrutscht sind oder ob es irgendwo brennt“, sagt Röttger. Bei den Kontrollgängen hat sie stets eine Sauerstoffflasche und ein Megafon dabei. „Für den Fall der Fälle“, sagt die 45-Jährige. Wenn etwas passiert und die Technik ausfällt, müssen die Flugbegleiter ja weiterhin mit dem Cockpit kommunizieren können.

„Für uns ist das ein ganz anderes Leben und sehr ungewohnt“, sagt die Frankfurterin. „Die Fracht spricht nicht. Sie fragt nicht nach einem Tomatensaft oder heißem Wasser für das Babyfläschchen“, sagt Röttger. „Normalerweise sind wir während des Fluges mit rund 250 Gästen an Bord unterwegs und bringen sie in den Urlaub oder nach Hause. Das ist jedes Mal so ein schönes Erlebnis.“ Jetzt sei es einfach nur still, leise und trist. „Ich hätte nie gedacht, dass mir die Gäste mal so fehlen werden.“ Nichtsdestotrotz ist sie froh, überhaupt noch fliegen zu dürfen. „Wenn wir Flugbegleiter nicht in der Luft sein dürfen, ist es, wie wenn man einem Engel die Flügel ausreißt." Und so hofft Nicole Röttger, dass sie noch oft mit dem Flugzeug abheben kann - mit Atemschutzmasken oder Passagieren an Bord.

Von Julia Lorenz

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