Passagiermaschinen der Lufthansa stehen auf der gesperrten Landebahn Nordwest am Flughafen Frankfurt.
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Passagiermaschinen der Lufthansa stehen auf der gesperrten Landebahn Nordwest am Flughafen Frankfurt.

Frankfurter Berg

Trügerische Ruhe am Flughafen Frankfurt – neuer Fluglärm-Ärger droht

  • vonFriedrich Reinhardt
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Viele Flugzeuge auf der Gegenanflugroute am Flughafen Frankfurt sind deutlich zu tief unterwegs. Die Deutsche Flugsicherung hat eine Erklärung dafür, die aber nicht alle zufrieden stellt.

  • Flughafen Frankfurt: Immer mehr Flugzeuge unterschreiten vorgesehene Flughöhe
  • Frankfurt: Anwohner leider unter erhöhtem Fluglärm
  • Deutsche Flugsicherung beklagt fehlende Fluglotsen

Frankfurt Flughafen - Dank der Corona-Krise kann Eberhard Centner gerade ausschlafen. Denn derzeit leitet die Deutsche Flugsicherung (DFS) den Flugzeugverkehr nicht über die nördliche Gegenanflugroute, die auch über den Frankfurter Berg führt. Die Landebahn Nordwest ist zum Parkplatz für Flugzeuge umfunktioniert worden, die wegen der geringen Anzahl an Flügen zurzeit nicht mehr benötigt werden. Vor der Pandemie sah es für Centner mit dem Ausschlafen allerdings deutlich schlechter aus. Grund: Fehlende Fluglotsen.

„Sehr häufig sind vor allem in den frühen Stunden etwa zehn Flugzeuge in 30 Minuten sehr tief über den Frankfurter Berg geflogen“, sagt Centner. Ab 4.45 Uhr sei er daher oft aus dem Schlaf gerissen worden. Außerdem beobachtete und hörte er im vergangenen Sommer, dass die Flugzeuge tiefer über den Stadtteil flogen als in den Jahren davor. Entsprechend lauter waren die Flieger zu hören. Dabei sollte eine Regelung aus dem Jahr 2014 genau das verhindern.

Flughafen Frankfurt: Flughöhen wurden heraufgesetzt

Seit 2011 gibt es die Gegenanflugroute Nord. Das bedeutet: Auf dieser Route fliegen die Flugzeuge über die nördlichen Stadtteile Richtung Osten, sie wenden dann über Bruchköbel, Neuberg oder Ronneburg und schlagen den Kurs Richtung Landebahn Nordwest ein. Für die Anwohner auf dem Frankfurter Berg oder in Eckenheim oder Berkersheim war diese Route mit enormem Lärm verbunden. Bürger protestierten. 2014 kam es zu einem Kompromiss. Die Flughöhen wurden heraufgesetzt. Von 5000 Fuß (etwa 1,5 Kilometer) auf 6000 Fuß (etwa 1,8 Kilometer) auf der nördlichen Gegenanflugroute und von 4000 Fuß auf 5000 Fuß auf der südlichen. Die Lärmbelastung hat sich so deutlich verringert. Warum sind die Flugzeuge im vergangenen Sommer also wieder tiefer geflogen?

Das interessierte auch den Ortsbeirat 10 (Berkersheim, Bonames, Eckenheim, Frankfurter Berg, Preungesheim). „Sind die Flughöhen im Gegenanflug über dem Ortsbezirk 10 in letzter Zeit wieder herabgesetzt worden?“, wollte das Stadtteilgremium vom Magistrat wissen. So kam das Thema auf die Tagesordnung der Fluglärmkommission. Die Antwort: „Die Anhebung der Gegenanflüge um 1000 Fuß, könne aus Gründen der Flugsicherung künftig nicht mehr weiter betrieben werden.“ Und: „Da die Änderung aus Sicherheitsgründen erfolgte, handelte es sich nicht um ein Beratungsthema, die Fluglärmkommission wurde lediglich informiert.“

Eine Untersuchung des Umwelt- und Nachbarschaftshauses zeigte zwar, dass die allermeisten Flüge oberhalb der vereinbarten Flughöhe blieben. Aber auch, dass der Anteil der zu tief fliegenden Flugzeuge seit 2014 kontinuierlich stieg. Während im Sommer 2014 nur 2,2 Prozent der Flieger die 6000 Fuß unterschritten, waren es 2016 schon 8,1 Prozent, 2018 dann 13,2 Prozent und 2019 schließlich 16 Prozent. Die Antwort darauf, warum die 2014 getroffene Vereinbarung nicht durchgängig eingehalten werden konnte, blieb die DFS und die Fluglärmkommission schuldig. Darum hakte der Ortsbeirat nach.

Frankfurter Flughafen: DFS soll Personalmangel abstellen

Da mehr und mehr Flugzeuge am Frankfurter Flughafen unterwegs sind, hätten Fluglotsen weniger Zeit, sich mit der Abwicklung jedes einzelnen Flugs zu beschäftigen. „Eine weitere strikte Einhaltung der bisherigen Höhenvorgaben würde dazu führen, dass eine flüssige Betriebsabwicklung nicht mehr gewährleistet werden könnte und kapazitive Einbußen im Anflugbereich entstünden“, heißt es nun in einer Stellungnahme der DFS. Der Magistrat ist darüber nicht begeistert. Er sehe es als „kritisch an, dass mehr Flugbewegungen mit zu wenig Fluglotsen abgewickelt werden und dadurch einzelne Lärmschutzmaßnahmen leiden“. Darum fordert die Stadt, die DFS sollte „mit Nachdruck dem Personalmangel entgegenwirken.“

Auch Ortsbeiratsmitglied Julian Langner (FDP) fordert das. „Es muss das Ziel sein, dass Flugzeuge nur in Notfall tiefer fliegen als vorgesehen.“ Er betont, dass er kein Flughafen-Gegner ist. „Wir brauchen den Flughafen und seine Arbeitsplätze.“ Aber es könne nicht sein, dass Lärmschutz heruntergefahren wird, um Geld zu sparen. „Wir hatten einen Kompromiss, mit dem jeder gut leben konnte.“ 

Von Friedrich Reinhardt

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