+
Ein Flugzeug der Lufthansa landet am Flughafen Frankfurt. 

Interview zum Flughafen Frankfurt

„Pro-Flughafen“-Chefin: "Ohne den Airport wäre hier nicht alles gut"

  • schließen

Christel Karesch gibt den Posten als Vorsitzende von "Pro Flughafen" nach 20 Jahren ab. Die einzige Initiative für den Flughafen Frankfurt.

  • Vorsitzende von „Pro-Flughafen“ gibt Posten ab
  • Flughafen Frankfurt als Bestandteil der Rhein-Main-Region
  • Großer Einsatz für den Flughafen Frankfurt

Seit 20 Jahren ist Christel Karesch die Vorsitzende der Bürgeraktion "Pro Flughafen", der einzigen Initiative, die den Airport und dessen Ausbau unterstützt. Heute gibt Karesch den Vorsitz ab, ein Nachfolger wird gewählt. Redakteurin Julia Lorenz sprach mit der 79-Jährigen.

Frau Karesch, warum haben Sie sich in den beiden vergangenen Jahrzehnten so für den Flughafen stark gemacht?

Ich mochte den Flughafen schon immer - mit all seinen Pro und Contras. Er ist der Anziehungspunkt für Unternehmen und ein wesentlicher Bestandteil der Rhein-Main-Region. Ohne den Airport wäre hier nicht alles so gut, wie es ist. Es ist für mich eine Herzensangelegenheit, etwas Positives für den Flughafen und seine Anwohner zu erreichen.

Die Anwohner des Airports fühlen sich von der Bürgeraktion "Pro Flughafen" allerdings nicht vertreten.

Wir sind aber keinesfalls nur das Sprachrohr des Flughafenbetreibers Fraport. Wir setzen uns auch für die Belange der Anrainerkommunen ein und sorgen für einen Dialog zwischen dem Flughafen und den Anwohnern. Deshalb sind wir auch Mitglied im "Regionalen Dialogforum" und dem Nachfolge-Gremium "Forum Flughafen und Region". Meiner Meinung nach findet man nämlich Lösungen nur, wenn es keinen Streit gibt, also im Dialog.

Was haben Sie als Vorsitzende der Bürgeraktion erreicht?

Eine ganze Menge. Die Geschichte des Flughafenausbaus war immer mit Aggressivität verbunden, wenn man nur mal an die Proteste rund um den Bau der Startbahn West denkt. Das gibt es heute nicht mehr. Die Situation hat sich deutlich beruhigt. Es wurde eine Basis gefunden miteinander zu reden, um gemeinsam am Flughafen etwas Positives zu bewirken. Das zeigt auch, dass der Raunheimer Bürgermeister und Leiter der Fluglärmkommission Thomas Jühe zu meinem Abschied spricht. Hätte mir das jemand vor 20 Jahren gesagt, ich hätte es nicht geglaubt.

Gibt es weitere Errungenschaften?

Ich habe die Bürgeraktion zu Ansehen geführt. Ich war immer ihr Gesicht und ihre Stimme und sicherlich auch ihr Herz.

Christel Karesch,

Wurden Sie angefeindet, weil Sie sich für den Flughafen einsetzen?

Man muss den Posten als Vorsitzende von "Pro Flughafen" wirklich wollen. Es ist ein streitbares Umfeld. Da fallen auch mal harte Worte, auch mal unschöne Ausdrücke unterhalb der Gürtellinie. Das darf man nicht persönlich nehmen.

Jetzt hören Sie aber auf. Warum?

Ich finde, 20 Jahre sind genug. Ich denke, es ist jetzt an der Zeit, dass jemand anderes mal andere Impulse setzt. Und ich gehe lieber selbst, als wenn ich gefragt werde, wann ich endlich gehe. Der Abschied fällt mir aber nicht schwer: Ich bleibe Mitglied des Vorstandes.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Flughafens?

Ich wünsche mir, dass es die Bürgerinitiativen nicht mehr braucht, weil das Verhältnis zwischen dem Flughafen und den Anrainergemeinden ein nachbarschaftliches ist und es keinen Streit mehr gibt. Außerdem wäre es schön, wenn die Anwohner nicht mehr der "Frankfurter Flughafen" sondern "unser Flughafen" sagen würden.

Damit das passiert, muss es aber erheblich leiser am Himmel werden.

Es ist doch schon leise geworden. Unser Flughafen hat als einziger weltweit ein Nachtflugverbot zwischen 23 und 5 Uhr. Da fliegt kein Flugzeug - und wenn doch, dann wird das bestraft. Es würde ja auch niemand auf die Idee kommen, das Nordwest-Kreuz nachts zu sperren, nur weil sich Anwohner über die Lautstärke der Autos beschweren.

Sie selbst leben zeitweise in Sachsenhausen. Auch dort gibt es Fluglärm.

Ich kann die Flugzeuge sehen und hören. Mich stört das nicht. Vielmehr finde ich das toll. Flugzeuge am Himmel zeigen, was für ein Wirtschaftsmotor der Flughafen ist.

Von Julia Lorenz

Coronavirus am Flughafen Frankfurt: Zwei Rückkehrer aus China sind am Coronavirus erkrankt. Andere werden von ihren sozialen Kontakten gemieden.

Nach dem gefährlichen Tiefflug eines Airbus auf dem Weg zum Flughafen Frankfurt meldet sich ein Passagier zu Wort. Er erhebt Vorwürfe gegen die Airline Thai Airways.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare