Ein Zollbediensteter, der in einem Bus sitzt, überprüft die Angaben von kontrollierten Personen sofort im Computer. Ergeben sich dabei irgendwelche Unklarheiten, wird weiter ermittelt. Fotos: Schahinian

Lkw-Fahrer und Lageristen kontrolliert 

Zoll kontrolliert 55 Firmen am Flughafen - jetzt laufen die Ermittlungen 

46 Beamte des Hauptzollamtes Frankfurt haben am Frankfurter Flughafen Fahrer aus dem Speditions- und Logistikgewerbe kontrolliert. Die Branche ist besonders von Schwarzarbeit betroffen.

Frankfurt.4.50 Uhr am Mittwochmorgen. Während die meisten Menschen noch schlafen, herrscht in der Cargo City Süd am Frankfurter Flughafen bereits rege Geschäftigkeit. Für die dort ansässigen Logistik-Dienstleister ist das ihr tägliches Brot: Lastwagen müssen rollen, um Geld zu verdienen. Nicht alltäglich ist, dass sich zur gleichen Zeit 46 Beamtinnen und Beamte der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) an der Einfahrt zum Tor 32 versammelt haben. Mit ihren reflektierenden gelben Warnwesten sind sie weithin zu erkennen. Deshalb liegt der Treffpunkt in sicherer Entfernung zum Firmengelände des Unternehmens, das um 5 Uhr überprüft werden soll.

Flughafen Frankfurt: Zoll kontrolliert 55 Firmen 

Nach einer kurzen Lagebesprechung fährt ein kleiner Autokorso los. In der Nähe des Ziels angekommen, gilt es für die Presse, möglichst keine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Das würde den beabsichtigen Überraschungseffekt zunichtemachen. Fast fühlt man sich hinter den Hecken wie ein Geheimagent, der darauf wartet, dass die Luft rein ist - das ist sie in diesem Fall, als die Beamten das Gelände betreten und mit ihren Kontrollen beginnen.

Im Visier hatte das Hauptzollamt Frankfurt gestern vor allem die Arbeitsbedingungen der Fahrer von Lastwagen und Kleintransportern. Kontrolliert wurden außerdem auch Lageristen, Kommissionierer und Disponenten.

"Wir führen eine verdachtslose Überprüfung durch. Wir fangen bei dieser Firma an, und wenn wir dann noch Zeit haben, kontrollieren wir die nächste", sagt der Einsatzleiter. In dieser Branche ginge das, bei Taxiüberprüfungen eher nicht: "Da hat sich das innerhalb von einer Stunde herumgesprochen." Ein Faktor für die Auswahl der Unternehmen bei solchen Routineüberprüfungen sei unter anderem die Anfälligkeit der Branche für Schwarzarbeit.

Derzeit verfügt die FKS über 98 Kontrollbedienstete. Hinzu kommen 15 Kräfte, die in der Ahndung eingesetzt werden. Was die Gruppe an diesem Morgen erwartet? "Wir sind immer offen für alles", sagt der Einsatzleiter, lächelt und betritt das weitläufige Areal.

Zoll-Kontrolle am Flughafen Frankfurt 

Der Mindestlohn stand gestern Morgen ebenfalls im Fokus. Er beträgt 9,19 Euro - auch für ausländische Arbeitnehmer, die nach Deutschland entsandt wurden, berichtet Christine Straß, Pressesprecherin beim Hauptzollamt. Schwarze Schafe sind einfallsreich, wie ähnliche Prüfungen in der Vergangenheit gezeigt hatten. So wurden beispielsweise Bereitschafts-, Lade- und Sortierzeiten als Pausen deklariert. Auch vor Pass- und Führerschein-Fälschungen schrecken manche nicht zurück. "Das sind häufig Versuche von Drittstaatlern, mit Hilfe von osteuropäischen Papieren eine Arbeitsaufnahme in Deutschland zu erreichen", so Straß weiter.

Die Kontrolle ist unterdessen in vollem Gang. In kleinen Gruppen befragen die Beamten die Fahrer zu ihrem Arbeitsverhältnis. Zudem prüfen sie die Unterlagen und werten die Tachographen und die Fahrerkarten aus. Die Betroffenen scheinen kooperativ, wenngleich man dem einen oder anderen ansehen kann, dass er über den Zeitverlust nicht sehr erfreut ist.

In der Nähe eines Tores warten die Beamten auf ihre Einsätze.

 

Die Daten werden unter anderem mit der Deutschen Rentenversicherung sowie den Lohn- und Meldeunterlagen abgeglichen. Die Fahrer werden mittels Fragebögen erfasst, die zu einem Einsatzwagen gebracht werden. Wie man es aus modernen Krimiserien kennt, sitzt dort ein Kollege vor einem Laptop, der umgehend weitere Prüfungen durchführt. Bei ihm ergeben sich häufig Anhaltspunkte, die weitere Nachprüfungen nötig machen.

Nicht alle Fahrer haben Stundenaufzeichnungen parat, und es könne auch vorkommen, dass sie bei der Befragung Daten beschönigen. Motiv dafür sei oft die Angst, gekündigt zu werden. Jeder Fahrer wird überprüft. Wie lange das dauert, ist unterschiedlich. Grob geschätzt zehn Minuten im Schnitt, bei Selbstständigen kann es aber auch eine halbe Stunde dauern.

Zoll-Kontrolle am Flughafen Frankfurt: Daten werden mit Rentenversicherung abgeglichen 

Die Unternehmen reagierten meist kooperativ auf solche Überprüfungen, sagt Straß: "Sie sind daran interessiert, dass alles fair abläuft und wir die schwarzen Schafe aussortieren." Beschäftige ein Unternehmen seine Arbeiter regulär, könne es mit Betrieben, die ihre Arbeitnehmer schwarz beschäftigen, auf dem Markt nicht konkurrieren. Insgesamt 328 Arbeitgeber hat die FKS im vergangenen Jahr überprüft. Die Schadensumme im Rahmen der straf- und bußgeldrechtlichen Ermittlungen belief sich auf 24,2 Millionen Euro. "Das ist Geld, das eigentlich Kranken, Rentnern, Kindern und sozial Bedürftigen zugutekommen sollte."

Nach Angaben des Zolls wurden gestern insgesamt 55 Firmen an sieben Kontrollorten am Flughafen geprüft. Ersten Ergebnissen zufolge ergaben sich zwei Verdachtsfälle der Beitragsvorenthaltung und des Leistungsmissbrauchs. Hierzu dauern die Ermittlungen der FKS noch an. In 13 weiteren Fällen wurden Ordnungswidrigkeiten wegen des Nichtmitführens von Ausweisdokumenten erhoben. Am Flughafen Frankfurt wurde ein international gesuchter Kinderschänder geschnappt. Ihm werden schreckliche Vergehen an Kindern vorgeworfen. 

  Von David Schahinian

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare