Ein Airbus ist vor der Skyline im Landeanflug auf den Frankfurter Flughafen. Foto: Arne Dedert/dpa
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Ein Airbus ist vor der Skyline im Landeanflug auf den Frankfurter Flughafen. Foto: Arne Dedert/dpa

Flughafen

Fluglärm in Frankfurt: Wann es wo wie laut ist

  • vonAstrid Kopp
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Es ist nicht zu überhören: Am Frankfurter Himmel tummeln sich ganz schön viele Flugzeuge. Aber weshalb sind sie an manchen Tagen lauter als an anderen? Und in welchem Stadtteil leiden die Frankfurter besonders unter dem Fluglärm? Ein Erklärstück.

Laut der werden täglich etwa 640 Starts und 640 Landungen am Frankfurter Flughafen abgewickelt. In der Zeit zwischen 5 Uhr und 23 Uhr sind das also ungefähr 1300 Flugbewegungen pro Tag.

Flugzeuge starten und landen immer gegen den Wind. Der Frankfurter Flughafen verfügt über vier Start- und Landebahnen. Dabei ist die Nordwestbahn eine reine Landebahn, die parallel zueinander liegenden Bahnen Center-Bahn und  Südbahn werden für Starts und Landungen genutzt und die Westbahn ist eine reine Startbahn in Richtung Süden. Die in Langen entscheidet aufgrund der Windrichtung darüber, welche Bahn in welche Richtung verwendet wird. Das wirkt sich dann auf die Flugroute und damit den Fluglärm in Frankfurt aus.

Im langjährigen Mittel bläst der Wind etwa 70 % der Zeit im Jahr aus Westen, t. Die Flugzeuge starten und landen dann von Osten nach Westen. Das ist die sogenannte Betriebsrichtung 25 (BR 25).

Durchschnittlich etwa 30 Prozent der Zeit im Jahr bläst der Wind laut Fraport aus Osten. Flugzeuge starten und landen dann von Westen nach Osten. Das ist die sogenannte Betriebsrichtung 07 (BR 07).

Das ist eindeutig der Frankfurter Süden. Sachsenhausen wird unabhängig von der Windrichtung täglich überflogen. Bei Betriebsrichtung Ost (BR 07) wird über dem Frankfurter Süden gestartet. Seit Inbetriebnahme der Nordwestlandebahn im Oktober 2011 wird der Frankfurter Süden bei Betriebsrichtung West (BR 25) zusätzlich von landenden Flugzeugen überflogen.

Karte: In rot eingefärbten Stadtteilen sind die Flugzeuge besonders bei Ostwind zu hören, in gelb eingefärbten Stadtteilen besonders bei Westwind. In den hellrot eingefärbten Stadtteilen ist die Lärmbelästigung von der Windrichtung unabhängig.

Bei Ostwind werden die Starts über das Stadtgebiet Frankfurt geleitet (Betriebsrichtung Ost BR 07). Oberrad, Ostend, Riederwald, Fechenheim und Bergen-Enkheim leiden dann besonders unter dem Fluglärm. Zwischen 5 und 23 Uhr sind 2016 an einem Durchschnittstag etwa 137 startende Flugzeuge auf dieser Route, die "07-N lang" genannt wird, über Frankfurt geflogen.

Sachsenhausen, Niederrad, Gutleutviertel, Gallus, Bockenheim und Praunheim sind ebenfalls bei Ostbetrieb vom Fluglärm geplagt. Aufgrund der dichten Besiedlung und wegen zahlreicher Sonderbauten wie Krankenhäusern darf diese Abflugstrecke "07-N kurz" aber nur zwischen 7 und 22 Uhr genutzt werden. In diesen Vierteln gibt es also drei Stunden mehr Ruhe als in jenen der Abflugstrecke "07-N lang". An einem Durchschnittstag in 2016 starteten auf dieser Route "nur" 98 Flugzeuge.

Bei Westwind (Betriebsrichtung West BR 25) leiden vor allem Sachsenhausen und Oberrad, da die  Flugzeuge  für die Landung über diese Stadtteile geleitet werden und dabei die Häuser im Frankfurter Süden in niedriger Höhe überfliegen.

Das kommt darauf an. Kommt der Wind aus Osten und starten die Flugzeuge in Betriebsrichtung 07, sind  deutlich mehr Frankfurter Stadtteile vom Fluglärm betroffen . Insofern ist die nur an 25 bis 30 Prozent der Tage pro Jahr geflogene Betriebsrichtung 07 schlechter für Frankfurt.

Allerdings sind die Flugzeuge im Landeanflug der Betriebsrichtung 25 über Frankfurt niedriger als die Flugzeuge beim Start in Ostrichtung. in Sachsenhausen haben ergeben, dass die Flugzeuge im Anflug auf die Nordwestlandebahn über Sachsenhausen noch 838 Meter über NN fliegen. Im Anflug auf die Centerbahn sogar durchschnittlich nur noch 616 Meter über NN. Beim Abflug in Richtung Osten dagegen haben die Flugzeuge über Sachsenhausen bereits eine Flughöhe von 1167 Metern über NN erreicht. Die Flugzeuge überfliegen Frankfurt bei Betriebsrichtung 25 also niedriger, was gleichbedeutend ist mit: lauter.

So lag der tagsüber auf dem Lerchesberg gemessene Schallpegel 2016 bei Betriebsrichtung 25 (Westbetrieb) bei 59 Dezibel (dB), bei Betriebsrichtung 07 (Ost) bei 56 dB. Im Durchschnitt aus beiden Betriebsrichtungen lag der Dauerschallpegel bei 58 dB. Zum Vergleich: 60 dB entsprechen ungefähr der Lautstärke einer Unterhaltung zwischen zwei Personen.

An der Messstation Hasselhorstweg liegt der Dauerschallpegel bei 56 dB. Eine Aufdröselung in BR 25 und BR 07 liegt für den Hasselhorstweg nicht vor, es kann aber davon ausgegangen werden, dass auch dort bei BR 07 weniger Lärm auftritt. Denn die Schallmess-Station Hasselhorstweg liegt östlicher als jene auf dem Lerchesberg, so dass die Flugzeuge dort noch beziehungsweise schon weiter vom Flughafen entfernt sind und damit eine größere Überflughöhe haben.

Aufgrund der Lärmmessungen ist also die zu zirka 70 Prozent des Jahres geflogene Betriebsrichtung 25 schlechter für Frankfurt - zumindest für die betroffenen Stadtteile.

Da bieten sich die Stadtteile an, die westlich des Flughafens liegen. Das sind Zeilsheim, Sindlingen, Unterliederbach, Höchst, Sossenheim, Nied, Schwanheim und Griesheim. Aber auch ganz im Norden in Nieder-Erlenbach, Nieder-Eschbach, Kalbach-Riedberg, Bonames und Harheim sind die Flugzeuge relativ leise. Sogar die Innenstadt und beliebte Viertel wie das Westend und Bornheim sind nur gering von Fluglärm betroffen. Ganz ruhig am Himmel ist es aber auch dort durch die direkte Nähe zum größten Flughafen in Deutschland nur Mitten in der Nacht.

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