+
Anflug im Morgengrauen: Vor allem das Ausfahren des Fahrwerks macht Lärm. Doch ob Piloten das über den Wohnhäusern oder erst kurz vor der Landebahn machen, soll weiterhin ihnen überlassen bleiben.

Ortsbeirat

Fluglärm: Fraport blockt Bitte ab, dass Fahrwerke später ausgefahren werden

Wenn Piloten im Landeanflug das Fahrwerk nicht früher als nötig ausfahren, mindert das den Fluglärm. Doch die Fraport will das Piloten nicht vorschreiben.

Die ungewöhnliche Initiative war aus dem Ortsbeirat 5, zuständig für Oberrad, Niederrad und Sachsenhausen, gekommen: Das Gremium hatte per SPD-Antrag den Magistrat gebeten, auf den Flughafenbetreiber Fraport einzuwirken. Der wiederum sollte die Airlines anschreiben und darum bitten, dass Piloten im Anflug das Fahrwerk nicht früher ausfahren als erforderlich, da durch das Ausfahren des Fahrwerkes die Lärmemissionen zunehmen.

Nach Informationen der SPD im Ortsbeirat hat die Fraport AG das nun abgelehnt – mit den Worten: „Da die Entscheidung, wann das Fahrwerk ausgefahren wird, von den Pilotinnen und Piloten getroffen wird, hält es die Flughafenbetreiberin nicht für angemessen, sich der Anregung entsprechend gegenüber den Airlines zu äußern.“

Dabei, so kritisiert nun die SPD-Fraktion, betone die Fraport AG öffentlich immer wieder ihr Engagement in der Region und Ihren Einsatz für eine gute Nachbarschaft. „Diese Antwort zeigt, dass der Fraport nicht an echter guter Nachbarschaft gelegen ist“, meint Ortsbeirätin Andrea Müller-Wüst. „Gute Nachbarschaft heißt für die Fraport AG offenbar nur Beruhigung der Öffentlichkeit, um den weiteren Ausbau des Flughafens voranzubringen und nicht die Verbesserung der Situation vor Ort.“

„Wer noch nicht einmal in der Lage ist, eine Bitte gegenüber seinen Kunden vorzubringen, um unnötigen Lärm zu verhindern, der kann sich nicht damit brüsten, alles für den Fluglärmschutz getan zu haben“, ergänzt ihr Kollege Jan Binger. „Hier könnte durch ein einfaches Schreiben eine Lärmminderung erzielt werden, die weder zulasten der Anzahl an Flugbewegungen geht, noch sind wirtschaftliche Nachteile für die Fraport AG zu befürchten. Durch das spätere Ausfahren des Fahrwerks könnte eine Lärmreduzierung gerade in den besonders belasteten Gebieten im Endanflug über dem Frankfurter Süden erzielt werden.“

Die SPD-Fraktion weist nun darauf hin, dass im Rahmen des jüngsten Flughafenausbaus mitgeteilt wurde, dass im Anflug auf die Nordwestbahn (25R) das Ausfahren des Fahrwerkes nach Überfliegen des Sachsenhäuser Lerchesbergs vorgesehen ist. Mittlerweile haben jedoch mehr als 30 Prozent der auf der Nordwestbahn landenden Flugzeuge ihr Fahrwerk bereits über Offenbach ausgefahren (Quelle: flugauswertung.de). „Vor diesem Hintergrund sollte die Fraport AG Maßnahmen, wie das geforderte Rundschreiben, ergreifen – auch damit nicht weiteres Vertrauen der Bevölkerung zerstört wird,“ findet Müller-Wüst abschließend.

(red)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare