Sicherheit im Bahnverkehr

Förster arbeiten für die Deutsche Bahn im Frankfurter Stadtwald

Die Deutsche Bahn AG zählt zu den größten Wald-Eigentümern in Deutschland und beschäftigt deshalb auch ein Team mit eigenen Förstern. Im Frankfurter Stadtwald zeigen die sogenannten Bahnförster, welchen Aufgaben sie sich widmen.

Ein normaler Förster arbeitet darauf hin, dass sein Wald möglichst viel Ertrag durch den Verkauf von Holz abwirft, durch nachhaltiges Wirtschaften aber trotzdem gesund bleibt. Für Gerhard Hetzels ist der Faktor Wirtschaftlichkeit aber eher zweitrangig. Seine Hauptaufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass in seinem Wald niemand zu Schaden kommt – weder Menschen noch Tier.

Mit einer Spraydose ausgerüstet schreitet Hetzel durch den Frankfurter Stadtwald in Sachsenhausen, nur wenige Meter vom Buchscheerweg entfernt. Er markiert eine Eiche, deren Stamm sich nach wenigen Metern in zwei dünne Stämme teilt. „Ich hoffe, dass niemand die Markierung entfernt. Das kommt nämlich manchmal vor“, berichtet der promovierte Forstwissenschaftler.

Wer die Markierungen entfernt, gefährdet im schlimmsten Fall sogar hunderte Menschenleben, weiß Hetzel. Er möchte den Baum roden lassen, weil in unmittelbarer Nähe die ICE-Trasse durch den Stadtwald verläuft, auf die die Eiche stürzen könnte, wenn sie unkontrolliert umfiele.

Die Deutsche Bahn hat in den Stadtwald geladen, um die Arbeit von Bahnförster Hetzel und seinem Team vorzustellen. „Als einer der größten Waldeigentümer in Deutschland müssen wir eigene Förster beschäftigen“, erklärt Rainer Bischoff, Pressesprecher der Deutschen Bahn. 50 Förster arbeiten für das Unternehmen allein in Hessen, dem waldreichsten Bundesland in der Bundesrepublik. Hetzel und seine Kollegen sorgen in ganz Hessen dafür, dass viele Bahntrassen einen gepflegten Alleencharakter haben.

Ein Abstand von sechs Metern muss zwischen den Gleisen und den Bäumen am Waldrand liegen. Diese müssen zudem in Reih und Glied stehen, wie Bahnförster Hetzel neben der Trasse im Stadtwald erklärt. Weil sich einige Bäume aber in Richtung der Gleise neigen, wird der Förster anordnen, sie vorsichtshalber fällen zu lassen.

Doch auch ein gesund wirkender Baum kann eine Gefahr darstellen: Hetzels Kollege nimmt in diesem Fall einen sogenannten Resistograf zur Hand, mit dem sich der Bohrwiderstand der Bäume messen lässt. „Je geringer diese ist, desto instabiler ist der Baum“, erklärt Hetzel.

Er und seine Kollegen müssen zudem stets einen Blick auf Äste richten, die in das Gleisbett hineinragen. Stürzt ein Ast herab, lässt dieser vielleicht noch keinen Zug entgleisen, kann den Bahnverkehr aber dennoch massiv stören. Nach Angaben von Hetzel besteht dann die Gefahr, dass der auf dem Zug liegende Ast Oberleitungen auf mehreren hundert Metern abreißt. Der Rückschnitt ist darüber hinaus notwendig, damit Bahnsignale gut sichtbar bleiben.

Die Arbeit der Bahnförster hat dazu geführt, dass im Forstjargon der Begriff „Eisenbahn-Bäume“ entstanden ist. Dazu zählt unter anderem die Rubinie, die als besonders standfester Baum gilt, der dazu beitragen kann, dass Hänge neben Gleisen stabil bleiben.

Die Expertise der Bahnförster ist auch gefragt, wenn es um den Schutz von anderen Lebewesen als dem Mensch geht. Hetzel und bundesweit rund 900 andere Forstwirte, Forstingenieure und Fahrwegpfleger der Deutschen Bahn kümmern sich gemeinsam mit Naturschutzbehörden um den Erhalt schützenswerter Biotope und lassen Lebensräume für seltene Pflanzen und Tiere entstehen.

Auch wenn die Bahn neue Gleistrassen baut, leisten ihre Förster Pionierarbeit. Sie sorgen dafür, dass Tiere umgesiedelt oder Bäume als Ausgleich gepflanzt werden, wenn andere Bäume dem Neu- oder Umbau von Bahnstrecken zum Opfer fallen.

Die Arbeit und Bedeutung der Bahnförster dürfte in den nächsten Jahren nicht weniger werden. In ganz Deutschland gehören der Deutschen Bahn etwa 20 000 Hektar Wald. Das Unternehmen hat ein Streckennetz von rund 34 000 Kilometern, viele davon verlaufen durch Waldgebiet.

Das größte Verkehrsprojekt der Bahn ist derzeit der Ausbau der Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen Nürnberg und Berlin. Hetzel und seine Mitarbeiter kommen hier zwar nicht zum Einsatz, dafür aber Dutzende andere Bahnförster. Denn die Strecke führt zu großen Teilen durch Wälder.

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