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RudolfSteinberg

Debatte in der Frankfurter Goethe-Universität

Forscher diskutieren über Burka-Verbot

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Sollen und können Burka und Niqab verboten werden? Darüber diskutierten hochrangige Forscher in der Goethe-Universität.

Eine Diskussion am Stammtisch, auf Parteitagen wie jüngst bei der CDU, eine Diskussion auch unter Philosophen und Gesellschaftswissenschaftlern: Sollte man Burka und Niqab verbieten? Unter dem Titel „Grenzen der Toleranz“ veranstaltete das Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe-Universität eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion am Montagabend. Und auch dort ging es, wie überall, ausschließlich um den Niqab und die Burka, mithin Symbole muslimischen Glaubens. Symbole, die nur von ganz wenigen Musliminnen getragen werden. Es ist, darin war sich das hochkarätig besetzte Podium einig, eine Diskussion, hinter der sich etwas anderes verbirgt.

„Man darf sich doch nicht wundern. Wenn wie in Nizza ein Attentäter mit einem Lastwagen auf einer Uferpromenade 86 Menschen tötet, dann entstehen Ängste vor dem Islam!“ sagte Prof. Rudolf Steinberg. Der Jurist, früher Präsident der Universität und Verfassungsrichter in Thüringen, hat jüngst ein Buch zum Thema geschrieben. Seine Position: Die Verschleierung des Gesichts ist inakzeptabel – zumal in der westlichen Kultur, die auf Sichtbarkeit beruht. Inakzeptabel zumindest vor Gericht, in Schulen und im Erziehungswesen, in medizinischen Räumen und überall dort, wo es um Sicherheit geht. Hinzu komme, dass jeder Arbeitgeber die Gesichtsverhüllung verbieten könne, im Rahmen des Hausrechts. „Was an öffentlichem Raum übrig bleibt, ist fast nur die Straße und der Park. Auch da könne man es verbieten. Steht die Frage, ob man es verbieten sollte, ob es sinnvoll ist.“ Oder nicht vielleicht eher das Gegenteil bewirkt, Musliminnen erst recht gegen die westliche Gesellschaft einnimmt. Er forderte allerdings von den Moslems, freiwillig auf die umstrittenen Kleidungsstücke zu verzichten.

Strikt gegen ein Verbot ist der Philosoph Prof. Rainer Forst, einer der Sprecher des Exzellenzclusters. „Tolerant sein heißt, auch dort tolerant sein, wo es schmerzt.“ So wenig Burka und Niqab uns gefallen – „mit welchem Recht sollte die Polizei einschreiten? Doch nur dann, wenn eine Gefahr für andere besteht. Die Aversion der Mehrheitsgesellschaft kann nicht genügen.“

Prof. Susanne Schröter, Ethnologie-Professorin und Leiterin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam am Exzellenzcluster, hat in Wiesbaden selbst mit Burkaträgerinnen gesprochen. „Es gab viele, die man schon an ihren Gucci-Taschen als Touristinnen erkennt.“ Meist sind es reiche Frauen aus dem Nahen Osten, die sich in der Horst-Schmidt-Klinik untersuchen lassen. „Andere, die Aldi-Tüten tragen, leben in Wiesbaden.“ Und deren Zahl, beobachtete Schröter, habe zugenommen in den vergangenen 15 Jahren. „Das ist deutlich, aber es ist immer noch eine sehr kleine Zahl.“ Viele der Burka-Trägerinnen glaubten an eine salafistische Spielart des Islam. Innerhalb des Salafismus sei die Gruppe der Gewaltbereiten eine kleine Gruppe, die Grenzen seien fließend. Schröter ist klar für ein Verbot des symbolträchtigen Kleidungsstücks.

(tjs)

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