Schöne Augen sind sein Beruf: Robert Flachenäcker hat sich auf die Fotografie von Iriden spezialisiert.
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Schöne Augen sind sein Beruf: Robert Flachenäcker hat sich auf die Fotografie von Iriden spezialisiert.

Schönheit im Blick

Fotografie in Frankfurt - Robert Flachenäcker fotografiert das menschliche Auge

  • vonSarah Bernhard
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Robert Flachenäcker knipst Iriden - und macht aus ihnen Kunstwerke.

  • Außergewöhnliche Fotografie in Frankfurt
  • Das menschliche Auge steht im Fokus
  • Fotograf Robert Flachenäcker hat sich auf die Fotografie von Iriden spezialisiert

Frankfurt - Die Blauen sehen oft aus, als ob sich nach außen hin Blitze ausbreiten. Die Brauen sind eher strukturlos. Fast alle Grünen sind gar nicht grün, sondern eine Mischung aus blau und gelb. Wirklich grüne Augen hat Robert Flachenäcker in den 16 Monaten, in denen er in seinem kleinen Laden im Ostend schon Iriden fotografiert, noch kein einziges Mal gesehen.

Flatfield, wie der 51-Jährige sein Künstler-Ich genannt hat, ist gelernter Fotokaufmann. "Ich habe niemals nicht fotografiert", sagt er, als Jugendlicher träumt er von einer Karriere als Pressefotograf. Und doch hat die Fotografie fast sein halbes Leben lang kaum eine Rolle gespielt. "Ich wurde bürgerlicher, die Kinder kamen."

Knapp 20 Jahre arbeitet Flachenäcker als Projektmanager und Coach, fotografiert nur noch sporadisch. Bis er irgendwann merkt: In seinem Leben fehlt etwas.

Kunstwerke in Frankfurt: Wie ein weißes Häkeldeckchen

2017 sieht er das erste Mal das Foto einer Iris. Es wird sein Leben verändern. "Mich hat die Faszination gepackt", sagt er. "Ich wollte das, was in Iriden drinsteckt, sichtbar machen." Eine ernstzunehmende Anleitung findet er nicht. Also fängt er an zu probieren, kauft Equipment, verkauft es wieder, baut an und um, bis er mit der Schärfe zufrieden ist, mit der sein Makroobjektiv die Augen fremder Menschen aufnimmt. "Die größte Herausforderung ist es, das technisch perfekt zu lösen." Und zwar in den wenigen Sekunden, bevor das Auge des Kunden zu tränen beginnt. Denn dann wird das Foto unscharf. Vor allem, wenn das Auge braun ist: Die fehlenden Strukturen machen es noch mal deutlich schwieriger zu fotografieren.

Seine zweite Leidenschaft: Straßen- und Landschaftsfotografie. Auf einem seiner Fotos sitzt eine Obdachlose mit Bierflasche vor einem Schaufenster, auf dem "exklusive Stilberatung" steht. Ein Pudel im Mäntelchen steht im Wind. Oder ein knorriger Baum in der Sonne. "Bei diesen Bildern habe ich Zeit zu komponieren", sagt Flatfield. Perspektive, störende Elemente, wo der Himmel am schönsten ist, alles kann er einberechnen.

Robert Flachenäcker - Jede Iris ist anders

Eine Iris hingegen ist eine Iris. Möchte man meinen. Aber nicht für Flatfield. Mit Intuition und Erfahrung, sagt er, "könne man aus dem Material immer was rausholen". Aus einem braunen Auge wird so ein Wüstenplanet, über den Stürme ziehen. Aus einem blauen ein Korallenriff. Oder etwas, das aussieht, als ob jemand ein weißes Häkeldeckchen über die blaue Iris gelegt hätte.

"Ich bringe keine neuen Strukturen ins Auge hinein, das wäre dann ja gelogen. Aber ich kann sie suchen", sagt Flatfield. Und auch Farbe hinzufügen ist für ihn tabu - im Gegensatz zur Schärfung von Kontrasten. "Was ich mache, ist nicht einfach nur ein Foto, sondern Kunst." Die Kunst, den schmalen Grat zwischen Realität und Schönheit zu finden. Oder wie Flatfield es ausdrücken würde: "Man sieht viele Dinge erst, wenn man einen zweiten oder dritten Blick darauf wirft." Auf die Iris. Auf die Straße. Aufs Leben. Auf sich selbst.

Fotograf Robert Flachenäcker: Mit Kind und Kegel

Vor knapp zwei Jahren beschließt Flachenäcker, noch einmal ganz neu anzufangen. Er gibt seine Coaching-Praxis in Wiesbaden auf, zieht nach Hofheim und eröffnet den kleinen, "verkehrstechnisch sexy gelegenen" Laden im Frankfurter Ostend. "Zum Fotografieren brauche ich ja nur die Kamera und eine Kinnstütze - dachte ich."

Mittlerweile käme ihm etwas mehr Platz sehr gelegen. "Oft kommen Leute mit Kind und Kegel oder gleich ganze Abteilungen zu mir." Die Idee, das Standard-Abschiedsfoto für den scheidenden Kollegen durch ein Iriden-Bild zu ersetzen, werde immer populärer. Manchmal müsse er die Menschen schon schichtweise bestellen.

Fotografie in Frankfurt: Das menschliche Auge - echtes Grün ist selten

"Wenn ein Tag gut läuft, habe ich so am Ende 20 schöne Werke geschaffen", sagt Flatfield. Nur ganz selten fühlten sich seine Kunden nicht getroffen, vor allem die, die vorher geglaubt hatten, grüne Augen zu haben. "Aber nur zwei Prozent der Menschen haben wirklich grüne Augen, vor allem in Irland und Schottland." Mehr als die Hälfte der Menschheit hingegen hat braune Augen, gefolgt von blauen Augen mit acht Prozent. "Aber egal welche Farbe, ich denke immer noch bei fast jedem, der hereinkommt: Oooooh, was für ein schönes Auge!"

Seine Entscheidung, als Fotograf noch mal neu anzufangen, hat Flatfield noch nicht ein einziges Mal bereut. "Ich mache etwas, das den Menschen Spaß macht, und kann damit sogar noch meinen Lebensunterhalt verdienen. Das hat mir den Mut gegeben, endlich zu meinen Bildern zu stehen." Bei manchen Fotografen, die früher Idole für ihn gewesen seien, denke er heute sogar: Das hätte ich besser gekonnt. "Schade, dass ich da nicht vor 25 Jahren schon draufgekommen bin", sagt er nachdenklich. Aber mit den eigenen Fähigkeiten ist es wie mit der Schönheit einer Iris: Manchmal erkennt man sie erst auf den zweiten oder dritten Blick. 

von Sarah Bernhard

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