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Mohamed Ahamdi (26), Student, ist einer von rund 30 freien Mitarbeitern der Olfasense, die rund um den Industriepark Höchst mit der Nase Geld verdienen: Sie schnüffeln, ob es irgendwo riecht. Das Ergebnis tippt Ahamdi direkt ins Smartphone ein. So erspart er sich Schreibarbeit.

Geruchstester sind täglich in Sindlingen und Kelsterbach unterwegs

Fragen und Antworten zur Geruchsmessung rund um den Industriepark Höchst

Manchmal riecht die Chemie. Anwohner rund um den Industriepark Höchst wissen dies aus Erfahrung. Seit zehn Jahren gibt es Daten über die Geruchsbelastung, gewonnen von Test-Riechern. Anwohner können solche Tester jetzt bei einem Rundgang begleiten. Redakteur Thomas J. Schmidt beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wie erfolgt die Geruchsmessung?

Das Prüfinstitut Olfasense GmbH (Kiel) prüft im Auftrag der Infraserv, indem es speziell geschulte freie Mitarbeiter auf die Straßen schickt. Sie müssen täglich eine Route mit bestimmten Messstellen abgehen und zu einer bestimmten Zeit an einer bestimmten Stelle atmen – sechs Mal pro Minute, zehn Minuten lang. Riechen sie etwas bei mindestens sieben dieser 60 Atemzüge, gilt die Geruchsbelästigung als festgestellt. Die Tester geben das Ergebnis der Messung direkt ins Smartphone ein. Dafür gibt es eine App, die aber nur funktioniert, wenn das GPS im Smartphone bestätigt, dass der Tester an der richtigen Stelle steht.

Kann man aus punktuellen Messungen wirklich einen jährliche Geruchsbelastung ermitteln?

Ja. Das Verfahren sei, wie Bettina Mannebeck, Geschäftsführerin von Olfasense versichert, übertragbar: Aus einem etwa einstündigen Messauftrag täglich (drei bis vier Messstellen in Sindlingen, je zehn Minuten, plus Wegezeit) lasse sich die Geruchsbelastung des ganzen Tages abschätzen und bei täglich einer Messung die eines Jahres.

Beurteilen die Tester, wie stark etwas riecht?

Nein. Die Intensität des Geruchs ist ihnen egal. Wenn sie ihn mit ihrer Nase wahrnehmen können, wird er registriert, egal wie stark er ist und wo er herkommt. So gibt es Gerüche aus Mülltonnen, der Müllabfuhr, der Kanalisation etc. Dies werten die Tester als „Sonstige Gerüche“. Andere Gerüche beispielsweise die von Lösungsmitteln, von Müll aus der Müllverbrennung (Kelsterbach), von Klärschlamm, der Bioanlage und Chemiegerüche allgemein (Sindlingen), aber auch der Geruch von Autos, von Tierhaltung, Bäckereien und Restaurants und der Duft von Blüten wäre zu identifizieren und anzugeben.

Wo wird gerochen?

Die Geruchsproben werden in Sindlingen und in Kelsterbach angrenzend an den Industriepark genommen. Sindlingen ist dabei in acht Flächen unterteilt, an deren Eckpunkten die Tester messen. Es seien, wie Guido Schmitt, Bereichsleiter Umweltschutz des Industriepark-Betreibers Infraserv, sagt, die Straßenzüge und Wohngebiete, in denen Geruchsbelastungen auftreten können.

Seit wann misst der Industriepark?

Die Infraserv überprüft den Geruch bereits seit 2007. Dabei kostet die tägliche Messung „einen mittleren fünfstelligen Betrag pro Jahr“, so Schmitt. Es ist nicht geplant, diese Geruchsmessungen einzustellen.

Was ist seitdem geschehen, um den Geruch zu bekämpfen?

Schmitt zufolge hat Infraserv in den vergangenen zehn Jahren rund fünf Millionen Euro investiert, vom Bau höherer Schornsteine in der Klärschlamm-Presse über eine Abluft-Reinigungsanlage bis hin zu kleineren Maßnahmen wie der Abdichtung von Kanaldeckeln.

Stinkt es seitdem weniger?

Ja. 2007 hat es viel häufiger nach Klärschlamm gerochen als derzeit. In Sindlingen, direkt neben der Kläranlage, riecht es inzwischen häufiger nach Chemie allgemein als nach Klärschlamm.

Wie oft beschweren sich Anwohner?

Unterschiedlich. 2016 gab es im Gesamtjahr 70 Beschwerden, 2014 waren es 200. Schmitt versichert: „Wir gehen jeder Beschwerde nach.“ Ein Mitarbeiter kommt dann nach Sindlingen, riecht dort, wo der Anwohner den Geruch festgestellt hat, und recherchiert, wo er hergekommen ist. „Manchmal klemmt einfach ein Hallentor“, so Schmitt. In jedem Fall wird der Beschwerdeführer über das Ergebnis der Recherche informiert.

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