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Rettungssanitäter gehen über das Gelände der Süwag, in deren Umspannwerk es gestern Vormittag gebrannt hatte. Foto: DPA

Stromausfall

Frankfurt: 100 000 Menschen über Stunden ohne Strom

  • Holger Vonhof
    vonHolger Vonhof
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Feuer im Umspannwerk des Energieversorgers Süwag in Höchst legt stundenlang den Frankfurter Westen lahm.

Frankfurt -Plötzlich gehen alle Lichter aus, die Bildschirme werden schwarz: Kurz nach 10 Uhr ist gestern im Frankfurter Westen großflächig der Strom ausgefallen. Betroffen waren Höchst, Unterliederbach, Sossenheim, Teile von Nied und Griesheim, Zeilsheim und ein paar Sindlinger Straßenzüge. Grund war ein Feuer in einem Umspannwerk des Energieversorgers Süwag in Höchst. Dort war eine 100 Kilovolt-Anlage in Brand geraten. Die Feuerwehr war mit einem Großaufgebot an Ort und Stelle. Laut Angaben der Wehr wurde niemand verletzt. Der Bereich um die Ludwigshafener Straße war zeitweise für den Verkehr gesperrt.

"Im Rahmen eines Schaltvorgangs kam es zu einer technischen Störung in einer Umspannanlage", teilte die Süwag gestern als Grund mit. Von dem Stromausfall betroffen waren nach Schätzungen rund 100 000 Menschen. Bis klar war, wie lange der Stromausfall andauern würde, holte die Feuerwehr ihre Notfallpläne aus der Schublade, um zu klären, welche kritische Infrastruktur, etwa Krankenhäuser oder Pflegeheime, betroffen ist und was zu tun ist, um deren Betrieb sicherzustellen.

Auch das Klinikum Höchst war betroffen. Doch man sei für solche Fälle gewappnet, sagte Sprecherin Petra Fleischer auf Anfrage dieser Zeitung: "Über Notstromaggregate haben wir die Stromversorgung sensibler Bereiche, die auf eine Stromversorgung zwingend angewiesen sind, sofort sichergestellt." Als Beispiele nannte sie die Frühchenstation, die OP-Säle und die Intensivbereiche. Nach etwa 20 Minuten sei der reguläre Stromanschluss des Klinikums wieder hergestellt gewesen.

Im Altenhilfezentrum Victor-Gollancz-Haus an der Kurmainzer Straße in Sossenheim blieb der Stromausfall nach Worten von Leiter Martin Credé ebenfalls ohne schlimme Folgen: "Bei uns dauerte er zwei Stunden, etwa von 10 bis 12 Uhr. Ein echtes Problem hätten wir nur bei längeren Ausfällen, und wenn unser Notstromaggregat versagen würde oder wir keinen Diesel mehr hätten." Das mobile Sauerstoffgerät, das ein Bewohner des Hauses zusätzlich zur normalen Atemluft derzeit benötige, sei während des Ausfalls über das Notstromaggregat des Hauses versorgt worden. Ansonsten habe das Mittagessen einfach etwas länger warm gehalten werden müssen. "Aber auch das klappte gut", stellte Credé fest, der die gute Kommunikation mit der Frankfurter Feuerwehr lobte: "Die haben uns sofort informiert - auch nachher, dass der Strom wieder da ist."

Trotz des Ausfalls aller Ampeln lief der Verkehr recht flüssig - es war zu der Zeit kein Berufsverkehr. An den großen Kreuzungen, etwa am Leunakreisel oder an "Nied-Kirche", tasteten sich die Verkehrsteilnehmer in die Kreuzungen hinein. Tankstellen hatten ihre Einfahrten gesperrt, weil die Zapfsäulen nicht funktionierten, keine Waschanlage lief. Wer die Mainzer Landstraße stadteinwärts befuhr, stellte fest, dass die Ampeln erst ab Griesheim wieder Saft hatten.

Auf vielen Baustellen im Frankfurter Westen ruhten die Arbeiten, etwa im Bolongaropalast: "Die Handwerker haben zum Teil auf Handarbeit umgestellt oder auf Werkzeuge mit Akku", sagte Henning Brandt, Leiter der Verwaltungsstelle Höchst, beim Inspektionsgang durch die Palast-Baustelle. In den Amtsstuben "läuft kein PC. Da fängt man an, etwas Ablage zu machen." Auch elektronische Nachrichtendienste wie E-Mail, WhatsApp oder Messenger streikten: "Kein Datennetz verfügbar", meldeten viele Geräte.

Doppelt schlimm traf es Gaststätten, die derzeit versuchen, vom Außer-Haus-Verkauf zu leben: Ohne Strom läuft so gut wie keine Küche; selbst wenn der Gasherd oder der mit Holz beheizte Pizzaofen funktioniert, bringt das nichts, wenn es in der Küche dunkel ist. Keine Probleme gab es im Industriepark: "Der Anschluss des Industrieparks Höchst an das öffentliche Versorgungsnetz ist ein anderer als der des Stadtteils Höchst", erklärt Michael Müller, Sprecher der Betreiberfirma Infraserv Höchst. "Grundsätzlich ist der Industriepark in Bezug auf die Stromversorgung autark, d.h. am Standort kann theoretisch ausreichend Strom produziert werden, um den Bedarf der Unternehmen zu decken." Holger Vonhof, Michael Forst

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