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Ein Mitarbeiter eines Test-Teams steht in der Tür eines Corona-Testmobils des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Es kommt immer dann zum Einsatz, wenn flächendeckende Tests etwa in Alten- und Pflegeheimen notwendig werden.

Corona-Pandemie

Großer Corona-Ausbruch in Frankfurt: 145 Senioren in Heimen positiv getestet

  • Thomas J. Schmidt
    vonThomas J. Schmidt
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In Frankfurt wurden 145 Senioren in Heimen positiv auf Corona getestet. Vier Bewohner sind inzwischen gestorben. Ein Arzt wird klären, ob mit oder wegen Corona.

Frankfurt ‒ In Frankfurt gab es am Dienstag (03.11.2020) 145 Bewohner von Altenheimen, die positiv auf Corona getestet worden sind. Dies sagte Kirsten Gerstner, Sprecherin von Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne), am Dienstag. Alleine 63 Bewohner des Johanna-Kirchner-Altenhilfezentrums im Gutleutviertel sind betroffen. Wie berichtet, ist es dort zu einem Ausbruch von Covid-19 gekommen. Am Dienstag war dort von sieben Bewohnern im Krankenhaus die Rede, von denen vier gestorben seien. Zwei davon hatten schwerwiegende Vorerkrankungen, einer befand sich in der Palliativ-Betreuung. „Die Frage, ob sie mit Corona oder an Corona gestorben sind, muss der Arzt klären“, sagte Mathias Rosenberger vom Leitungsteam des Altenhilfezentrums.

Positiv getestet sind auch insgesamt 75 Mitarbeiter in 19 Alten- und Pflegeheimen, davon 31 im Johanna-Kirchner-Altenhilfezentrum. Sie befinden sich jetzt in Quarantäne. Die betroffenen Bewohner seien isoliert worden und würden „unter Vollschutz“ weiterhin in der Einrichtung gepflegt, so Johannes Frass, Sprecher der Arbeiterwohlfahrt (Awo), die das Heim betreibt. Besuche sind derzeit in diesem Altenhilfezentrum nicht möglich. Am Mittwoch (04.11.2020) nimmt das Gesundheitsamt noch einmal bei den Bewohnern und Betreuern Tests vor.

Corona in Pflegeheimen in Frankfurt: Isolation und Besuchsverbote

Im Seniorenheim Agaplesion Oberin Martha Keller-Haus in Frankfurt-Sachsenhausen wurden alle Bewohner und Mitarbeiter am Montag (02.11.2020) vom Arbeiter-Samariterbund (ASB) getestet, die Ergebnisse lagen am Dienstag aber noch nicht vor. Zuvor war dort bei drei Bewohnern und acht Pflegekräften eine Covid-19 Infektion bestätigt worden. Sie seien bislang nur leicht erkrankt. Allerdings bestehe die Gefahr, dass andere Bewohner und Mitarbeiter sich angesteckt haben könnten, deswegen die Reihentestung.

In enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt wurden im Martha Keller-Haus umgehend alle erforderlichen Maßnahmen veranlasst, um die Weiterverbreitung der Infektionen zu verhindern. „In allen Wohnbereichen werden die Bewohner isoliert versorgt“, teilte Hannelore Rexroth, Geschäftsführerin der Agaplesion Markus Diakonie, mit. Im Haus wohnen 71 Bewohner, die derzeit nicht besucht werden können.

Corona-Ausbruch in Pflegeheimen in Frankfurt: „Können nicht einmal die Mitarbeiter testen“

Bei einem Antigen-Schnelltest wurden auch im Agaplesion-Haus Saalburg zwei Beschäftigte und drei Bewohner positiv getestet. Diese Ergebnisse müssen jedoch noch durch einen PCR-Test bestätigt werden. Alle erforderlichen Maßnahmen seien veranlasst worden, hieß es. Infektionen in Alten-und Pflegeheimen würden auf unterschiedliche Weisen entdeckt, so Kirsten Gerstner. „Dies kann durch eine Testung bei Krankheitssymptomen erfolgen oder im Rahmen der Kontaktnachverfolgung bei Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Mitarbeitenden.“ Auch der Einsatz sogenannter Schnelltests könne sinnvoll sein.

Frédéric Lauscher, Leiter des Frankfurter Verbandes, berichtete: „Wir hatten bislang nur Einzelfälle, etwa, wenn jemand aus dem Krankenhaus gekommen ist und es sich dort eingefangen hat. Oder Verdachtsfälle mit Erkältungssymptomen.“ Allerdings sei dies reines Glück. Eine große Infektion ließe sich mit den Mitteln, die die Heime hätten, kaum vermeiden. „Wir können bislang nicht einmal unsere Mitarbeiter testen“, so Lauscher. Zwar sei ein entsprechender Antrag gestellt, aber noch nicht positiv beschieden. „Schnelltests können jedoch auch nur im Verdachtsfall gemacht werden“, sagte er.

Im Johanna-Kirchner-Zentrum gab es schon vor etwa zwei Wochen die erste Corona-Infektion: Ein Bewohner war mit der Diagnose Corona aus dem Krankenhaus gekommen. „Daraufhin mussten die Besucher zu ihrem eigenen Schutz draußen bleiben“, so Awo-Sprecher Frass, „und die Reihenuntersuchungen begannen.“ Mit dem bis jetzt bekannten Ergebnis. „Im Frühjahr hatten wir schon einmal einen Ausbruch, im August-Stunz-Zentrum“, so der Sprecher. Damals ging die Infektion jedoch mit Symptomen einher. „Unser Eindruck: Diesmal ist es anders. Bis auf die Bewohner, die ins Krankenhaus kamen, sind alle fast ohne Symptome.“ (Thomas J. Schmidt)

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