Das Flanieren war ein beliebter Zeitvertreib der betuchten Bürgerschaft. Das Gesellschaftshaus wurde am 16. März 1871 mit einem eigens komponierten Walzer eröffnet. Der preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm besichtigte das Palmenhaus tags darauf. Fotos: Palmengarten
+
Das Flanieren war ein beliebter Zeitvertreib der betuchten Bürgerschaft. Das Gesellschaftshaus wurde am 16. März 1871 mit einem eigens komponierten Walzer eröffnet. Der preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm besichtigte das Palmenhaus tags darauf.

Jubiläum

Frankfurt: 150 Jahre blühendes Leben in grüner Oase

  • vonUte Vetter
    schließen

Der Palmengarten feiert sich und seine schöne Flora mit einem ganzjährigen Traum-Programm

Frankfurt -Im Palmenhaus, also "standesgemäß", gab Palmengarten-Direktorin Katja Heubach gestern das Programm zum Jubelfest des Palmengartens bekannt. Auf den Tag genau heute, 16. März, wird die Oase, die die Stadt ihren Bürgern verdankt, 150 Jahre alt. Und man sieht es ihr nicht an.

"Wir haben uns trotz der Pandemie ein schönes Programm ausgedacht", sagte Heubach. Und ja, so soll im Sommer das seit 2009 geplante Blüten- und Schmetterlingshaus endlich eröffnen mit der Ausstellung "Abgestaubt! Von Blüten und ihren Besuchern". Dazu passt das Motto "No Bees, no Bembel", denn ohne Biene, die die Apfelblüte bestäubt, kein Apfel und ergo kein Apfelwein im Bembel. Das Zusammenspiel von Insekten und Pflanzen (Blüten- und Bestäuberökologie) hat der Palmengarten zum neuen Leitthema erkoren.

Ende Juni beginnt die große Jubiläumsausstellung, sie ist in der Galerie am Palmenhaus und im Freien zu sehen. Neben einer Zeitreise durch 150 Jahre Palmengarten-Geschichte gewährt sie Einblicke in die Gartenkunst, die botanischen und gärtnerischen Sammlungen im Wandel der Zeit, Glanz und Gastlichkeit, Musik im Palmengarten, Sport und Spiel sowie Bildung und Engagement.

Eine Zukunftswerkstatt wagt einen Blick in die kommenden 150 Jahre. Im Freiland verdeutlichen historische Sichtachsen, wie der Palmengarten sich gewandelt hat: An markanten Punkten laden Stationen mit historischen Bildern zum Vergleich mit heutigen Sichtachsen ein. Klanginstallationen von Lasse-Marc Riek ("Transformationen") bieten akustische Einblicke in die Welt der Tiere und Pflanzen, auch Walgesänge sollen ertönen. Auf der Spielwiese entsteht ein Pavillon "imd_plant transistor" in Kooperation mit dem Institut für Materialdesign der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach.

Im Juli startet die Musiksaison, und ab November spielen Schmetterlinge wieder die Hauptrolle. Die Fotoausstellung von Ingo Arndt: "Hochstapler, Trunkenbolde und Schnüffler - verrückte Schmetterlinge", hält Geheimnisse und Geschichten bereit.

"Kunst und Kultur hat im Palmengarten von jeher eine große Rolle gespielt", erinnerte Heubach. Eine neue Spendenaktion "Ihr Stück Kunst im Palmengarten" hat die Restauration der etwa 40 Statuen im Blick, die überall im Palmengarten das Auge erfreuen. Den Anfang macht die Palmengarten-Gesellschaft, sie zahlt die Restaurierung des Brunnens im Eingangsschauhaus mit der Figur ,Junge mit speienden Fischen' und die Restaurierung der Siesmayer-Büste. Pate werden kann man unter anderem, indem man auf der Homepage des Palmengartens sein Interesse bekundet. "Dort stellen wir alle restaurierungsbedürftigen Werke und Kosten, ihre Geschichte und ihre Urheber vor", warb Heubach.

Wer sich in die Historie des Palmengartens vertiefen möchte, der kommt am Jubiläumsband "Der Palmengarten. Wo Frankfurts grünes Herz schlägt" nicht vorbei, der Anfang April erscheint (etwa 25 Euro). Darin beleuchtet Autorin Sabine Börchers die Anfänge des Gartens und das heutige Selbstverständnis. Das Jubiläums-Magazin "Das blühende Leben" (etwa 8 Euro) berichtet kurzweilig über Gartengeschichte und -geschichten, Themen im Jubiläumsjahr und widmet sich denjenigen, die den Palmengarten gärtnerisch und inhaltlich gestalten. Zudem ist pünktlich zum Jubiläum die neue Homepage www.palmengarten.de online gegangen. "Und auch die U-Bahn-Station Westend heißt jetzt ,Westend (Palmengarten)' - das ist ein tolles Geschenk der Stadt", dankte Heubach auch im Namen der rund 170 Mitarbeiter, die den Palmengarten tagtäglich mit ihrer Arbeit zum Refugium machen.

Übrigens wird auch das Historische Museum den Palmengarten mit einer Schau würdigen: "Die Stadt und das Grün - Frankfurter Gartenlust" eröffnet am 25. März. Dazu übergab Heubach eine original "Palmengarten-Actie" von 1869 als Leihgabe an Wolfgang Cilleßen, stellvertretender Direktor des Historischen Museums. Das geniale System der Finanzierung durch betuchte Bürger hatte sich Palmengarten-Gründer Heinrich Siesmayer erdacht, um seinen Plan umzusetzen. Ute Vetter

Das Tropicarium war ein exotischer Treffpunkt auch in den 1980er Jahren - und es steht noch immer.
Undatiert ist das Bild vom Wasserfall und dem Schweizer Haus.
Auch tropische Riesen wie diese Palme sind hier zuhause.
Katja Heubach leiht Wolfgang Cilleßen vom Historischen Museum eine Palmengarten-"Actie" von 1869.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare