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Das Schild "Tempo 30" an der Nibelungenallee (Alleenring) gilt seit gestern vor dem Haus Nummer 51 - wie auch an 30 anderen Stellen. 

Zone 30

Tempolimit bringt Anwohnern im Alleenring Ruhe

Seit der vergangenen Nacht gilt auf einer der wichtigsten Frankfurter Durchgangsstraßen nachts Tempo 30. Das soll den Lärm für die Anwohner reduzieren. 

Frankfurt - Wieder nachts durchlüften können: Das ist in der Wohnung von Martina Lansky (37) an der Rothschildallee nun möglich. Als sie mit ihrer Familie Ende 2016 her zog, ging das auch schon.

Damals ging gerade ein Verkehrsversuch mit nächtlichem Tempo 30 auf der Hauptstraße zu Ende. "Im folgenden Frühjahr haben wir die Fenster wieder geöffnet, aber es war so laut, dass man nicht mehr schlafen konnte", sagt sie.

Mit rund 20 Nachbarn tat sie sich zur Arbeitsgruppe "Tempo 30 bei Nacht" zusammen. Ziel: Was nur Versuch war, sollte dauerhaft kommen. Vor allem die Grünen setzten sich in der Politik ebenfalls dafür ein.

So freut sich der grüne Chef des Verkehrausschusses des Stadtparlaments, Wolfgang Siefert, auch am meisten, als Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) am Dienstag die Klebestreifen von den Tempo-30-Schildern herunterzieht. Damit gilt seit gestern auf der Rothschild- und Nibelungenallee nun das reduzierte Tempolimit von 22 bis 6 Uhr.

Frankfurt: Tempo-30-Zone am Alleenring gegen Verkehrslärm

Zusammen mit der schon länger auf "30" begrenzten Höhenstraße wächst die Langsamfahrstrecke von bisher 350 Meter auf 1,6 Kilometer an.

Der Alleenring ist nicht irgend eine Straße: Er gehört zur Bundesstraße 8, die über 690 Kilometer vom Niederrhein bis Passau quer durch Deutschland verläuft. Weil auf so wichtigen Straßen nicht einfach so das Tempo reduziert werden darf, musste das Land sein Okay geben. Das gibt es nur, weil der Schutz der Anwohner Vorrang hat.

Frankfurt: Tempo-30-Zone am Alleenring - ADAC warnt vor Verdrängen

Dass Tempo 30 dies hier effektiv erreicht, habe der Testlauf nachgewiesen, erinnert Wolfgang Siefert. Spürbar sei der Lärm zurückgegangen, ohne dass Verkehr "in nennenswertem Maß" in Nebenstraßen verdrängt werde, betont Klaus Oesterling.

Genau davor warnt der ADAC. Im konkreten Fall befürwortet der Automobilclub zwar das Tempolimit, sagt Sprecher Oliver Reidegeld. "Bei Tempo 30 auf Hauptstraßen besteht aber immer die Gefahr, dass Schleichverkehr durch Wohngebiete fährt."

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Dauere ein Umweg über die Hauptstraße durch ein neues Tempolimit länger, steige die Gefahr, dass mehr Fahrer den kürzeren Weg durch Wohnstraßen wählten, warnt der Experte. Grüne Welle sei auch nötig, damit nicht neuer Lärm entstehe: Wenn Autos öfter vor Ampeln bremsen und anfahren müssten. "Die hohen Drehzahlen beim Anfahren verursachen den meisten Lärm", so Reidegeld.

Frankfurt: Tempo-30-Zone am Alleenring - "Kann nur Einzelfall sein"

Deshalb ist für Frank Nagel, den Verkehrsexperten der Stadt-CDU klar: "Das kann nur ein Einzelfall sein." Beide Probleme will die Stadt verhindern:

Die Ampelschaltungen seien für grüne Welle bei Tempo 30 angepasst worden, sagt Dorothee Allekotte, Abteilungsleiterin im Straßenverkehrsamt. Darauf werde man auch auf den Infotafeln an den Stadtzufahrten hinweisen, ergänzt Rainer Michaelis, Leiter der Abteilung Verkehrssicherheit dieses Amts.

Dass die Autos nicht in Wohngebiete ausweichen, ist auch Frank Nagel wichtig. Es sei über die grüne Welle hinaus notwendig, dass die Stadt endlich alle Ampeln ins Verkehrsleitsystem integriere und sie dabei synchronisiere. Wenn Autofahrer flüssiger durchkämen, "würde das für Disziplin und Akzeptanz" für solche Regelungen sorgen, sagt der Christdemokrat.

Frankfurt: Tempo-30-Zone am Alleenring - kaum jemand zu schnell

30 Schilder haben die Stadt-Mitarbeiter in den vergangenen Tagen aufgestellt. Wie jedes andere Tempolimit werde auch der Alleenring per Blitzer überwacht, kündigt Rainer Michaelis an. Wann und wo, verrät er aber nicht.

Auf starken Ertrag stellt man sich im Straßenverkehrsamt aber nicht ein. Laut Messungen von Januar bis August sind hier nur 5,7 Prozent der Fahrer bis zu 20 Stundenkilometer schneller unterwegs. Und gar nur 0,01 Prozent haben 21 Stundenkilometer oder mehr auf dem Tacho. "Das", sagt Rainer Michaelis, "ist nicht so viel."

Anders als die CDU sehen die Grünen das nächtliche Tempo auf dem Alleenring aber nicht als Einzelfall. "Das kann nur ein Einstieg sein", sagt Wolfgang Siefert. Überall, wo Menschen an vielbefahrenen Straßen lebten, solle nachts Tempo 30 gelten. Als nächstes wolle man das für die Eschersheimer Landstraße in Angriff nehmen. 

Ein Unfalltod entfacht die Diskussion über eine Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit auf dem Darmstädter Cityring neu.  2017 kamen die Ergebnisse des Modellversuchs „Tempo 30 bei Nacht“ in Frankfurt heraus. Sie waren eindeutig. Die Industrie- und Handelskammer in Frankfurt ist gegen eine Verkehrsberuhigung.

dpg

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