+
Auf drei Ebenen wird der Verkehr künftig durchs Autobahndreieck Erlenbruch fließen. Das gigantische Beton-Brückenbauwerk im Frankfurter Osten ist nun fertig geworden. Ab Anfang 2021 soll der Verkehr der A661 auf der obersten Ebene rollen.

A661-Ausbau bis Anfang 2021

Riederwaldtunnel: Autobahndreieck Erlenbruch von A66 und A661 ist fertig

Eine weitere Etappe beim Großprojekt Riederwaldtunnel ist geschafft: Das Brückenbauwerk fürs künftige Autobahndreieck Erlenbruch ist fertiggestellt. Hier werden A661 und A66 miteinander verknüpft. Dafür ist im Frankfurter Osten ein enormer Beton-Gigant entstanden.

Frankfurt - Die unvollständige Frankfurter Osttangente hat seit fünf Jahren ein besonderes Nadelöhr. Zwischen den Anschlussstellen Friedberger Landstraße und Frankfurt-Ost müssen Auto- und Brummilenker in einer engen, gefährlichen S-Kurve eine Großbaustelle umkurven. Langsam ist hier ein Brückenbauwerk gewachsen. Das Herzstück des künftigen Autobahndreiecks Erlenbruch ist dieser Tage fertig geworden. Doch es dauert noch lange, bis dieses voll in Betrieb geht.

Im Vorbeifahren wirkt der Stahlbetonbau unscheinbar. Warum nur hat das Bauen hier satte fünf Jahre gedauert? "Das ist ein integrales Bauwerk und technisch sehr anspruchsvoll", erklärt Jürgen Semmler, Leiter des Großprojekts Riederwaldtunnel bei der Landesbehörde "Hessen Mobil". Das Autobahndreieck schließt sich westlich an den Riederwaldtunnel der A 66 an, wird diese mit der A 661 verknüpfen.

Riederwaldtunnel: Technisch anspruchsvoll

Die Brücke auf der Grenze zwischen den Stadtteilen Bornheim und Seckbach ist ein technisch überaus anspruchsvolles Projekt. Allem voran, weil das Dreieck extra platzsparend geplant wurde, um nicht unnötig Gelände am Rand des Erlenbruchs zu verbrauchen. Dafür jedoch müssen die Verbindungsfahrbahnen auf engstem Raum übereinander geführt werden.

Lesen Sie auch: Busfahrer rettet Rollstuhlfahrer aus brennendem Reisebus

"Es wurden drei Rahmen aufeinander gesetzt", erklärt Steffen Rütenfrans, Sprecher von "Hessen Mobil". Auf der untersten Ebene, 8,50 Meter unter Bodenniveau, soll der Verkehr von der A661 aus Bad Homburg zur A66 in den Tunnel rollen. In der Mitte kann der Verkehr von der A66 zur A661 nach Offenbach fahren. 6,70 Meter weiter oben verläuft die Fahrbahn der A661. In alle Richtungen soll der Verkehr auf je zwei Fahrspuren fließen.

Als komplizierter als gedacht hätten sich die Bauarbeiten seit Anfang 2014 entpuppt, erklärt Fachmann Semmler. Anfangs kostete die Erkundung nach Weltkriegsbomben viel Zeit. Zusätzlich mussten zwei wichtige Abwasserrohre, der Seckbach-Sammler und der Nordsammler, erst umverlegt, dann ins Brückenbauwerk integriert werden.

Grundwasser ist die größte Herausforderung für den Riederwaldtunnel

Die wohl größte Herausforderung: "Das Bauwerk steht frei im hier sehr hoch stehenden Grundwasser", erklärt Steffen Rütenfrans. Deshalb liegt der Bau in einer Betonwanne, wird durch sein Eigengewicht in Position gehalten und muss zugleich in sich steif bleiben. Das sollte dem Beton-Koloss mit seinem Gewicht von 58 300 Tonnen gelingen: Das unscheinbare Brückenbauwerk wiegt so viel wie 104 der Riesenflieger Airbus A380.

Lesen Sie auch: A661 am Offenbacher Kreuz wird voll gesperrt

Während der Arbeiten aber musste das Grundwasser draußen gehalten werden: Auf einer Länge von 680 Metern mussten Bohrpfahlwände bis zu knapp 20 Meter in den Boden getrieben werden. Als letzter Arbeitsschritt sind in den vergangenen Tagen die Bohrpfahlwände wieder herausgezogen worden, damit sich das Grundwasser wieder seine Wege suchen kann. Dabei zeigte sich, wie stark die Kräfte im Boden wirken: Bei einer der ersten Wände riss der Stahl oberhalb der Halterung durch, als die Bauarbeiter die Stahlwand herausziehen wollten, erzählt Rütenfrans. So massiv hielt der schluffige Boden die Wand fest.

In nächster Zeit wird nun zunächst Ruhe auf der Baustelle herrschen. "Wir bereiten derzeit die Ausschreibung für die Bauarbeiten zur Rückverlegung der A661 vor", erläutert Jürgen Semmler. Im ersten Quartal 2020 sollen diese beginnen. Wohl ab Anfang 2021 kann dann der A661-Verkehr auf seinen finalen Fahrspuren rollen - auf der obersten Ebene des Autobahndreiecks.

Mit der "Rückverlegung" von der Baustellen- auf die Originaltrasse wird die A661 bis hinauf zur Talbrücke Seckbach auf 900 Metern Strecke auf ihre finale Ausbaubreite gebracht. Im Bereich des Autobahndreiecks bekommt sie vier Spuren. Nördlich und südlich davon werden es acht: je Fahrtrichtung zwei Hauptspuren sowie jeweils zwei Ein- und Ausfädelspuren.

Riederwaldtunnel: Fertig erst ganz am Schluss

Die Ein- und Ausfädelspuren werden im Bereich des Dreiecks aber noch viele Jahre lang gesperrt bleiben. "Erst ganz am Schluss", wenn die A66 und der Riederwaldtunnel fertig sind, werde das Autobahndreieck gänzlich in Betrieb genommen, erklärt Semmler.

In der Zwischenzeit werden die Verbindungsrampen aber bereits genutzt: Über sie soll der Baustellenverkehr zum Tunnel abgewickelt werden. Wegen der zu- und abfahrenden Baulaster bleibe es auf der A661 auch bei einer Baustellenbeschilderung sowie Tempo 80, erklärt Steffen Rütenfrans.

Baustelle bleibt das Dreieck noch, bis die A661 bis Ende nächsten Jahrzehnts zwischen Friedberger Landstraße und Frankfurt-Ost voll ausgebaut wird. Bis dahin rollt der Verkehr auf der Talbrücke Seckbach und nördlich davon weiterhin nur auf der seit 1995 fertigen, östlichen Richtungsfahrbahn.

In diesem letzten Bauschritt werden auch erst die Lärmschutzwände gebaut, bis zu acht Meter hoch. Damit bleibt der Blick auf die Baustelle frei. Und die Fahrzeuglenker können weiter Blicke schweifen lassen und davon träumen, dass Frankfurts schlimmster Verkehrsengpass aufgelöst wird.

von Dennis Pfeiffer-Goldmann

Info:

58 300 Tonnenwiegt das Stahlbetonbauwerk ohne Ausstattung (Lärmschutzwände, Geländer etc.)

22 600 KubikmeterBeton wurden verbaut

4000 TonnenStahl wurden verbaut

680 MeterSpundwände waren rund um die Baugrube notwendig

19,3 Metertief reichte die Baugrube

101 900 Fahrzeugewerden pro Tag von der A66 aus dem Riederwaldtunnel zum Autobahndreieck rollen

134 500 Fahrzeugesollen später auf der A661 zwischen Autobahndreieck und Frankfurt-Ost pro Tag rollen - ein Drittel mehr als heute. dpg

Lesen Sie auch:

A66 wird gesperrt: „Wiesbadener Kreuz meiden“

Die A66 bei Wiesbaden wird am Wochenende gesperrt. Die Verkehrsbehörde Hessen Mobil empfiehlt, das Wiesbadener Kreuz zu meiden.

Nach Attacke auf Pinguin-Gehege: Zoo Frankfurt handelt sofort

In der Pinguin-Anlage im Frankfurter Zoo sorgten Steinewerfer für Unruhe und beschädigten die Panzerglasscheibe des Geheges.

Tödlicher Unfall am Feldberg - Wie es zu dem Unglück kam

Wende: Bei einem tödlichen Unfallnahe der Applauskurve im Taunus setzte der Autofahrer zum Überholmanöver an. Er liegt nun im Krankenhaus.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare