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Zugeparkte Rad- und Fußwege in Frankfurt sind ein großes Problem. Die „Abschleppgruppe“ macht auf die Gefahren aufmerksam. (Symbolbild)

Gefahr für Radfahrer

Im Kampf gegen Falschparker: „Abschleppgruppe“ kontrolliert Rad- und Fußwege in Frankfurt

Zugeparkte Rad- und Fußwege in Frankfurt sind ein großes Problem. Die „Abschleppgruppe“ macht auf die Gefahren aufmerksam.

  • Abschleppgruppe“ macht auf zugeparkte Wege aufmerksam
  • Stadt hat Probleme mit der Verkehrsüberwachung in Frankfurt
  • Es geht um Verkehrssicherheit aller Beteiligter

Frankfurt-Die dunkelblaue Limousine parkt auf dem Radweg. "Das ist gefährlich", sagt Ansgar Hegerfeld und wählt mit seinem Handy die Nummer der städtischen Verkehrspolizei. Radfahrer könnten so nicht sicher zur nahe liegenden Kreuzung im Frankfurter Nordend gelangen. Routiniert gibt der 27-Jährige die nötigen Angaben durch und stellt sich auf einige Wartezeit ein. Hegerfeld gehört zur Frankfurter "Abschleppgruppe", einem lose organisierten Netzwerk, das gegen Falschparken mobil macht.

Erst vergangene Woche hatte das Oberlandesgericht die Stadt Frankfurt mit deutlichen Worten für ihre Praxis gerügt, beim Verteilen von Knöllchen Leiharbeiter einzusetzen. Dies sei sofort gestoppt worden, erklärte das Verkehrsdezernat. Die Kontrollen übernähmen nun städtische Bedienstete, die zuletzt 18 Leiharbeiter seien von der Aufgabe abgezogen worden. Seit Jahren hat die Stadt Probleme, genügend Personal für die Verkehrsüberwachung zu finden. Derzeit seien 108 Mitarbeiter für den ruhenden Verkehr zuständig, vorhanden seien insgesamt 130 Stellen, teilt das Dezernat mit.

Frankfurt: Es geht um alle Verkehrsteilnehmer

Es geschehe viel zu wenig, kritisiert die "Abschleppgruppe", ein loser Verbund von 15 bis 20 Radfahrern und Fußgängern. Auch Autofahrer sind darunter; Falschparker blockierten schließlich alle möglichen Wege und nähmen freie Sicht. Es gehe um die Verkehrssicherheit aller Beteiligten. "Man kommt in Frankfurt durch Straßen, in denen kein Auto richtig geparkt ist", sagt Dirk Reinhart, der ebenfalls zur Gruppe gehört. Seine Forderung: "Einmal alle abschleppen, und die würden sich alle Gedanken machen."

Die Gruppe ruft dazu auf, Falschparker zu melden und so "Wege zu befreien". Allerdings sei dies gar nicht so einfach. Denn die städtische Verkehrspolizei sei schon vor der jüngsten Gerichtsentscheidung völlig unterbesetzt gewesen; samstags sei nur eine Streife für das gesamte Stadtgebiet im Dienst.

Es sei unstrittig, dass eine wachsende Metropole wie Frankfurt nicht umhin kommen werde, nachzujustieren, sagt der Leiter der städtischen Verkehrspolizei, Rainer Michaelis. Weitere Stellen würden derzeit geschaffen. Im Tagesschnitt seien vergangenes Jahr 46 städtische Bedienstete im Einsatz gewesen, sie seien allerdings auch für die Verkehrsregelung sowie Kontrollen von Gefahrguttransportern und Baustellen zuständig. Auch die Landespolizei könne eingreifen, sagt Michaelis.

Deren Beamte erklärten sich oft für nicht zuständig, sagt Claudia Fischer von der "Abschleppgruppe". Was sich dem entgegenhalten lässt, haben die Aktivisten auf mehreren Internetseiten mit Tipps zusammengetragen. Sie bieten auch Hilfe bei Beschwerden an. Über den Kurznachrichtendienst Twitter ist die Gruppe verbunden mit Initiativen aus anderen Städten. Gemeinsam werden Fotos verbreitet von zugeparkten Radwegen, Bürgersteigen, Bushaltestellen und Straßenbahnschienen. Die Gruppe muss sich auch Kritik stellen. Sie überlege sich inzwischen gut, welche Falschparker sie vor Ort anspreche und welche nicht, sagt Fischer.

Im Nordend naht nun auf Hegerfelds Anruf hin ein Mitglied der neuen städtischen Fahrradstaffel. Die Limousine ist zwar bereits weggefahren, doch der Verkehrspolizist kann gerade noch einen Lieferwagen fotografieren, dessen Fahrer auf dem Radweg nebenan angehalten hatte und nun rasch weiterfährt. "Das gibt eine Anzeige und kostet 35 Euro", sagt der uniformierte Mann - und macht sich auf den Weg zum nächsten Einsatz.

Frankfurt: Städte verweisen auf Personalmangel

Die Einrichtung der Fahrradstaffel sei sehr zu begrüßen, sie gehe auf die Einigung der Stadt mit den Initiatoren des Bürgerbegehrens Radentscheid zurück, sagt Hegerfeld, der auch im Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) aktiv ist. Das Bewusstsein in der Politik steige langsam, dass Radfahrer und Fußgänger stärkeren Schutz bräuchten. "In den Köpfen der Autofahrer hat sich aber noch nichts getan."

Falschparker auf Radwegen seien landesweit ein großes Ärgernis, sagt der Geschäftsführer des ADFC Hessen, Norbert Sanden. Dies zeigten auch die Reaktionen auf die Entscheidung des Oberlandesgerichts, nach der unter anderem Darmstadt, Wiesbaden und Offenbach ihre Leiharbeiter aus der Verkehrsüberwachung abzogen. "Die Städte sagen, 'Wir haben kein Personal, regt Euch mal nicht so auf'." Doch wer nicht einmal die vorhandenen Wege für Radfahrer frei halte, könne in Sachen Verkehrswende nicht glaubwürdig sein, sagt Sanden.

Isabell Scheuplein

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