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Krach im Umweltparadies: Das Naturschutzgebiet Schwanheimer Düne in Frankfurt war im September drei Tage lang Schauplatz eines Festivals, das laut Umweltamt niemals hätte stattfinden dürfen.

Es hätte nie stattfinden dürfen

Gestank und Krach im Naturschutzgebiet - Ärger nach Festival in den Schwanheimer Dünen

Ein dreitägiges Festival in den Schwanheimer Dünen in Frankfurt sorgte Anfang September für großen Ärger bei Anwohnern. Nun stellt sich heraus: Es hätte nie stattfinden dürfen.

Frankfurt - Workshops zu Selbstverteidigung und Meditation, Basteln und Camping für die ganze Familie, aber auch DJs mit Elektro- und Techno-Musik: Es klingt nach einer ausgelassenen Sause für Jung und Alt, was der gemeinnützige Verein Playground seinen Besuchern beim Festival Anfang September auf einem Privatgrundstück in der Schwanheimer Düne anbot. 

Doch die Party brachte viele Anwohner auf die Palme: "Es war ein Riesenlärm auf dem Gelände", schildert die Schwanheimer CDU-Ortsbeirätin Ilona Klimroth. Sie berichtet zudem von Plumpsklos in ausgehobenen Erdlöchern, teils "uralten Autos und Campingwagen", die auf dem angrenzenden Acker parkten. "Du sahst unten das Öl raustropfen." Für eine Naturschutzzone 2 - solche Flächen genießen "besonderen Schutz" - habe es auf dem Gelände "außerirdisch" ausgesehen. Viele Schwanheimer hätten sich bei ihr über die Party beklagt. Der zuständige Ortsbeirat 6 forderte in seiner jüngsten Sitzung, dass dort keine Festivals mehr veranstaltet werden dürfen.

Frankfurt: Schwanheimer Düne - Streit um eine E-Mail

"Diese Veranstaltung hätte nie stattfinden dürfen", sagt Martin Müller, Sprecher des Umweltamts. Denn schon 2018, als das Playgarden-Festival am selben Ort illegal und begleitet von Anwohner-Beschwerden gefeiert wurde, hätte das Umweltamt den Verantwortlichen nachträglich die rote Karte gezeigt. "Wir haben ihnen klar gesagt: Das war das letzte Mal. Beim nächsten Mal wird's teuer."

Offenbar fruchtete der Platzverweis wenig. Der Verein stellte diesmal zwar einen Antrag auf Genehmigung - aber laut Müller erst wenige Tage vor der Veranstaltung. Dies sei viel zu kurzfristig gewesen, um den Antrag angemessen zu bearbeiten, erklärt Müller. "Dennoch haben wir den Verantwortlichen sofort und noch vor Beginn des Festivals per E-Mail mitgeteilt, dass es keine Genehmigung geben wird."

Frankfurt: Dreitägige Veranstaltung in Schwanheimer Düne - Antrag an Umweltamt geschickt

Das bestreitet Bernhard R. Appel, Vorsitzender des Vereins Permakultur Schwanheimer Düne, der dem Verein Playground das Gelände zur Verfügung gestellt hat, schriftlich auf Anfrage dieser Zeitung: "Nachdem der Bescheid des Ordnungsamtes für die Veranstaltung ergangen war, schickten die Veranstalter mehr als zwei Wochen vor der Veranstaltung einen Antrag mit allen Details ans Umweltamt. 

Dieser blieb bis zum Veranstaltungstag ohne offizielle Antwort. Erst am Freitag bekam die Vereinsvorsitzende eine E-Mail, in der das Umweltamt mitteilte, dass die Veranstaltung wahrscheinlich nicht genehmigt werden könne, dass es dem Amt aufgrund von Zeitmangel jedoch nicht möglich sei, einen Bescheid zu erstellen."

Schwanheimer Dünen: Verein weiß nichts von Beschwerden - Ordnungsamt vor Ort

Nach Rücksprache mit seinen Anwälten habe der Verein entschieden, dass es nicht sinnvoll sei, die Veranstaltung wegen einer viel zu spät eingetroffenen E-Mail, die keine amtliche Benachrichtigung darstelle, abzusagen. Von Beschwerden wegen Lärms wisse er nichts, viele Schwanheimer und Höchster hätten das Festival besucht und "ihre Begeisterung zum Ausdruck gebracht", so Appel.

Hätte man das Festival, als es schon im Gange war, nicht stoppen können? "Dafür fehlen uns die personellen Kapazitäten", erklärt Müller. Wie diese Zeitung aus anderen Quellen erfuhr, waren Mitarbeiter des Ordnungsamtes vor Ort, um sich eine Genehmigung zeigen zu lassen. Die Organisatoren präsentierten ihnen eine vom Ordnungsamt ausgestellte Beschallungsverfügung - worauf die Beamten wieder abzogen.

Frankfurt: Festival in Schwanheimer Dünen - Bußgeldverfahren eingeleitet

Tatsächlich, bestätigt Sprecher Michael Jenisch, habe das Ordnungsamt eine solche Verfügung erteilt. Es handele sich dabei jedoch um "keine klassische Genehmigung, sondern um eine Festsetzung von Schallpegelwerten zum Schutze der Anwohner und der Umwelt." Für die Macher des Playgarden-Festivals könnte es nun teuer werden: Laut Martin Müller hat das Umweltamt bereits ein Bußgeldverfahren gegen den Verein eingeleitet.

Appel ist dagegen sicher, dass die Veranstalter, wie im letzten Jahr, all ihren Pflichten nachgekommen seien, alle Auflagen eingehalten und mit allen Stellen stets kooperiert und den Kontakt gesucht hätten.

Von Michael Forst

Alexandra Schanz aus Frankfurt ließ ihre Hunde im Naturschutzgebiet Schwanheimer Düne von der Leine. Ein Fehler, wie sie heute weiß. Für das Auftreten der Stadtpolizei hat sie jedoch kein Verständnis. 

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