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Nichts mit Stock und Stein: Über Schlamm und Pfützen müssen die Frauen der Laufgruppe in Bergen-Enkheim (Frankfurt) balancieren.

Miserabler Zustand

Ärger über schlechten Weg: Wenn nur dieser Matsch nicht wäre

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Seniorinnen in Frankfurt-Bergen-Enkheim gehen täglich im Wald spazieren, sie ärgern sich über die schlechten Wege.

  • Schlechte Wege in Frankfurt
  • Senioren klagen über Matsch in Bergen-Enkheim
  • Senioren-Gruppe geht trotzdem bei jedem Wetter raus

Frankfurt – Die Bergen-Enkheimer Seniorinnen würde das Regenwetter im Wald am Riedteich eigentlich gar nicht stören. Über die matschigen Wege allerdings ärgern sie sich. Jeden Werktag treffen sich die Frauen um 8 Uhr auf dem Parkplatz neben dem Vereinsgelände des FC Germania und gehen gemeinsam spazieren. Wegen der Gesundheit und so. "Überall heißt es ja, Bewegung ist das A und O, wenn man im Alter fit bleiben möchte", sagt Karin Müller-Kinet und erklärt damit, warum die Frauen selbst bei Regen nicht Zuhause bleiben.

Stattdessen ziehen sie wasserdichte Jacken an, bürsten sich die Matsch-Flecken des Vortages von den Hosenbeinen, wohl wissend: In zwei Stunden sind sie wieder dreckig. Ihre tägliche Wanderroute beginnt und endet am unteren Ende des Parkplatzes, führt an der Sportanlage vorbei hinein in den Wald.

Frankfurt: Ärger über schlechte Wege in Bergen-Enkheim – Balancieren wie Hochseilartisten

Zehn Seniorinnen sind heute gekommen, manchmal sind es bis zu 20 Frauen. Neben der Anlage ist der Weg allerdings in einem miserablen Zustand. Wie Hochseilartisten mit Regenschirmen balancieren die Seniorinnen über die etwa 20 Meter lange Matsch-Strecke. Mit den Zehenspitzen treten sie auf die Stellen, die zumindest so aussehen, als wäre die Schlammschicht etwas dünner. Aber rund um die großen Pfützen ist fester Tritt kaum zu finden.

Nun könnte man fragen: "Wer geht denn auch bei Regen im Wald spazieren und beschwert sich dann über Schlamm?" Aber abgesehen von dem Weg neben der Sportanlage sind die Waldwege asphaltiert, da haben die Frauen keine Probleme. Sie fordern also nur, das kleine Wegstück auszubessern. Außerdem gehört Regen für Müller-Kinet und ihre Freundin Johanna Rieckmann dazu. Müller-Kinet ist überzeugt, "dass es die Abwehrkräfte stärkt, wenn man bei Wind und Wetter rausgeht".

Frankfurt: Morgendliche Runde ist zum Bestandteil des aktiven Lebens geworden

Für die Frauen ist die morgendliche Runde Bestandteil ihres aktiven Lebens geworden. "Ich bin nach der Wanderung um neun Uhr wieder zu Hause und habe das Gefühl, schon etwas geschafft zu haben", sagt die 81 Jahre alte Johanna Rieckmann. Mit diesem Gefühl startet sie in den Tag. "Wenn ich mal nicht gehe, habe ich ein schlechtes Gewissen."

Dass die Rundgänge tatsächlich fit halten, hat Müller-Kinet am eigenen Leib erfahren. "Dreimal musste ich mich nach Erkrankungen zurückkämpfen." Kaum habe die 76 Jahre alte Frau nach der letzten Operation mit den anderen mithalten können und auch von ihnen sind viele über 80 Jahre alt. Die kleine Steigung zwischen Parkplatz und Waldweg würden die meisten Spaziergänger gar nicht wahrnehmen. Müller-Kinet habe sie aber fix und fertig gemacht.

Heute hält sie bei der Laufgeschwindigkeit ihrer Freundinnen problemlos mit. Eine Geschwindigkeit, die man wohl neu-deutsch "walken" nennen würde. Etwas schneller als spazieren, aber noch nicht schnell genug, um "laufen" genannt zu werden. Für Müller-Kinet ist sie kein Problem mehr. Regelmäßige Bewegung ist eben das A und O, wenn man im Alter fit bleiben möchte.

Frankfurt-Bergen-Enkheim: Die Gruppe ist für alle offen

Unabhängig vom Matsch-Problem ist die bloße Existenz der Gruppe erstaunlich. Sie trifft sich seit über 20 Jahren und mittlerweile ohne jede Organisationsstruktur. Sie entstand aus einem gemeinsamen Angebot des Turnvereins Bergen-Enkheim und der Sportgemeinschaft Enkheim. Nun kommen die Frauen nur wegen ihres Interesses am Waldspaziergang zusammen- ohne vorherige Absprache, ohne Organisator. Dafür ist die Gruppe nun für alle offen. Dass das funktionieren kann, wundert die Frauen nicht. Sie konzentrieren sich mehr auf die Natur um sie herum. Das Scharbockskraut wird bald blühen, sagt Müller-Kinet. "Und die Wildkirsche ist in diesem Jahr aber früh dran."

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VON FRIEDRICH REINHARDT

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