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„Schlechtester Deal“ für Stammkunden: Mann über Rabattaktionen bei Bus und Bahn verägert

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Viele Fahrgäste können in Frankfurt zu verbilligten Preisen U-Bahn fahren, auch Gelegenheitskunden - das hat OB Peter Feldmann vorangetrieben. Just die treuesten Kunden im städtischen Nahverkehr aber erhalten die geringsten Rabatte.
Viele Fahrgäste können in Frankfurt zu verbilligten Preisen U-Bahn fahren, auch Gelegenheitskunden - das hat OB Peter Feldmann vorangetrieben. Just die treuesten Kunden im städtischen Nahverkehr aber erhalten die geringsten Rabatte. © Hannes P. Albert/dpa

Stadt und Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) kämpfen mit Rabatten um neue Kunden. Doch die Stammkunden zahlen weiter den vollen Preis. Das sorgt für Ärger.

Frankfurt -Mit Rabatten und Flatrate-Tickets für diverse Kundengruppen versuchen die Stadt und der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), Fahrgäste anzulocken. Doch ausgerechnet die treuesten Fahrgäste zahlen seit Jahren stets die vollen Preise: die Jahreskarteninhaber. Das ärgert viele Stammkunden.

Trotz Pandemie fährt Patrick K. noch etwa für jede zweite Woche zur Arbeit ins Büro im Gallus. So richtig ideal eignet sich das eigene Wohnzimmer nicht als Homeoffice in Coronazeiten. Die Jahreskarte hat er daher trotz Heimarbeit behalten. 926,10 Euro wird er in diesem Jahr dafür bezahlen. Allerdings ärgert sich Patrick K. seit einigen Jahren, wenn er immer wieder Werbung für alle möglichen Fahrkartenrabatte sieht. "Als Inhaber einer Jahreskarte scheint man den schlechtesten Deal abgeschlossen zu haben", sagt der IT-Mitarbeiter. "Jeder bekommt Rabatte, Rabatte, Rabatte - und ich zahle voll."

Zahl der Jahres-Abos trotz Corona stabil

Seit Spätsommer 2020 können Fahrgäste via Handyticket bei Einzelkarten sparen: Der Prepaid-Rabatt macht die Fahrten 20 Prozent günstiger. 2023 will der RMV eine Rabattkarte nach dem Bahncard-Prinzip einführen. Schüler fahren schon seit 2017 im Jahr für 365 Euro durch den ganzen RMV, Senioren seit 2019. Und in Frankfurt wird noch mehr reduziert: Die Stadt senkte 2018 die Preise für Einzel- und Tageskarten deutlich, machte später RMV-weite Preiserhöhung nicht mit. Heute kosten Einzelfahrkarten nur 2,75 statt 3,40 Euro sowie Tagestickets lediglich 5,35 statt 6,65 Euro.

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), Aufsichtsratschef des RMV, bewirbt die Preissenkungen und Rabatte stets intensiv, auch weil damit das Umsteigen vom Auto attraktiver werde. Doch sind viele Menschen wegen Corona und Homeoffice inzwischen weniger als früher unterwegs. Deutschlandweit führte das zu massiven Kündigungen bei den Jahres-Abos. Und in Frankfurt?

ÖPNV in Frankfurt: Zahl der Zeitkarten-Abos laut RMV trotz Pandemie stabil

Auf eine konkrete Frage dazu äußern sich weder RMV noch OB direkt. Der RMV gibt allgemein Entwarnung: "Über die Pandemie hinweg ist die Zahl der RMV-Zeitkarten-Abonnenten insgesamt weitestgehend stabil geblieben", sagt Sprecherin Vanessa Rehermann. Andere Verbünde hätten teils deutliche Einbrüche verzeichnet. Beim RMV geht man davon aus, dass die Abo-Pause und Dank-Aktionen wie die kostenfreie verbundweite Nutzung der Tickets im Sommer 2020 die Kunden bei der Stange hielten.

Für Peter Feldmann zeigen diese Zahlen, dass die Rabatte für Gelegenheitskunden mitnichten die regelmäßigen Nutzer vergraulen. "Stammkunden des RMV erhalten die Fahrleistung immer günstiger als Selten- und Gelegenheitsfahrer", betont der Oberbürgermeister. Zeitkarten würden ja ebenfalls subventioniert und seien auch eine Flatrate: "Je stärker sie genutzt werden, desto preiswerter wird die einzelne Fahrt."

Rabatte im ÖPNV: Stadt Frankfurt überweist Millionen-Betrag an RMV

Der Rabatt, den die Kunden im Portemonnaie spüren, fällt jedoch in Frankfurt bei der Jahreskarte spartanisch aus. Die Stadt senkt ihren Preis um 0,5 Prozent, also 4,70 Euro im Jahr, das sind 1,3 Cent je Tag. Den Preis der Tageskarte hingegen reduziert die Stadt um 19,5 Prozent, nämlich 1,30 Euro. Die Stadt muss laut OB-Büro allein für den Frankfurt-Rabatt bei Einzel- und Tagestickets jährlich 2,9 Millionen Euro extra an den RMV überweisen.

Und das bezieht sich noch auf 2020: Die jüngeren RMV-Preiserhöhungen von 2021 und Anfang 2022 haben die Kluft zwischen dem von der Stadt subventionierten Fahrpreis und dem tatsächlich vom RMV aufgerufenen Standardtarif weiter vergrößert. Somit steigt auch der Subventionsbedarf. Aus der Verwaltung heißt es hinter vorgehaltener Hand, dies koste die Stadt mittlerweile acht Millionen Euro im Jahr.

Bus und Bahn in Frankfurt: Dezernent will „besonders auf die Zeitkarten schauen“

Dass die Stadt damit nur jene unterstützt, die hin und wieder den Nahverkehr nutzen, kritisierte von Anfang an die Römer-CDU - wie auch die regelmäßigen Werbeauftritte des OB für die diversen Rabatte. Mobilitätsdezernent Stefan Majer (Grüne) teilt auf Anfrage über seinen Büroleiter Wolfgang Seifert mit: „Unsere Leitschnur ist, dass wir besonders treuen Kunden entgegenkommen wollen.“ Dafür müsse man „besonders auf die Zeitkarten schauen“.

Skeptisch sieht auch der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD) das vom Oberbürgermeister vorangetriebene Vorgehen der Stadt. "Wir fordern seit Jahren günstige Tickets für alle Nutzer, damit möglichst viele Menschen umsteigen in den Nahverkehr", sagt VCD-Landesvorsitzender Mathias Biemann aus Frankfurt. Dafür müsse die öffentliche Hand ganz generell viel mehr Geld für den öffentlichen Verkehr bereitstellen.

Kunden mit Dauerkarten sicherten dem ÖPNV die Basisfinanzierung, erinnert Fahrgastlobbyist Biemann. Er warnt daher nachdrücklich davor, nur einzelnen Nutzergruppen Rabatte einzuräumen. "Sonst verprellt man die soliden Grundkunden." (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

Im Vergleich zu anderen Städten sind die Preise für den ÖPNV in Frankfurt moderat, wie der ADAC herausgefunden hat.

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