Längst ein gewohntes Bild in Frankfurt – trotz Corona: volle Gassen in Sachsenhausen.
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Längst ein gewohntes Bild in Frankfurt – trotz Corona: volle Gassen in Sachsenhausen.

Corona-Regeln in Frankfurt

Corona-Kontrollen am Party-Hotspot: Alt-Sachsenhausen im Fokus von Ordnungsamt und Polizei

  • vonSabine Schramek
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Wer an Wochenenden nachts im Frankfurter Stadtteil Alt-Sachsenhausen ist, sieht vor allem ein enormes Polizeiaufgebot und endlose Taxi-Schlangen. Je später es wird, desto ausgelassener wird die Stimmung.

  • Am Wochenende kontrollieren Ordnungsamt und Polizei in Frankfurt verstärkt die Einhaltung der Corona-Regeln.
  • Gerade Alt-Sachsenhausen ist ein Party-Hotspot für Feiernde aus Frankfurt und Umgebung.
  • Wirte dort reagieren zum Teil verärgert auf die Kontrollen.

Frankfurt – Glasscherben knirschen auf Kopfsteinpflaster unter Sneakern, offenen Sandalen und High-Heels. Shishas dampfen durch die Gassen, aus einigen Fenstern scheinen wechselnde Lichter in ein Gewirr von lauter Musik und Gegröle. Schnaps ist günstig in Alt-Sachenhausen. Ob Junggesellenabschied oder Youngster aus Offenbach, die nach Frankfurt wegen der dortigen Corona-Sperrstunde flüchten, heizt sich nach und nach die Stimmung auf.

Auf dem verlassenen Paradiesplatz parken vor dem leerstehenden Paradieshof 14 Einsatzwagen der Polizei und einige Fahrzeuge des Ordnungsamts. Ein Gefühl der Sicherheit und der Verunsicherung mischt sich unter die Besucher. "Es ist schon gut, wenn die Polizei aufpasst", sagt ein junges Pärchen und wünscht einen "ruhigen Dienst". "Hoffentlich hauen die nicht drauf", kommentiert kurz darauf ein anderes Paar mit Blick auf die Männer und Frauen in Uniform, die an jeder Kreuzung zwischen Fachwerkhäusern stehen oder auf Streife durch die Gassen gehen.

Frankfurt: Gastronomen in Alt-Sachsenhausen setzen aufs Wochenende

Die Gastronomen in Alt-Sachsenhausen setzen vor allem auf die Wochenenden, was ihre Umsätze angeht. Dass zwischen den Polizeieinsatzkräften das Ordnungsamt Frankfurt unterwegs ist und die Lokale kontrolliert, löst keine Begeisterung aus. "Am Freitagabend wurden wir aufgefordert, die Musik leise zu machen und dafür zu sorgen, dass niemand auf den Barhockern wippt", sagt ein Kneipier. "Das könnte ja zum Tanzen einladen".

Er ist sauer, weil die Sicherheitsleute sich schon um Einlass, Adresszettel, Desinfektion und Masken kümmern müssen. "Man kommt sich komisch vor, wenn Wippen und Singen auf Stühlen als Gefahr dargestellt wird", meint er, zuckt die Schultern und hält sich an die Auflagen.

Ordnungsamt Frankfurt kontrolliert in Alt-Sachsenhausen in Begleitung der Polizei

In Restaurants werden Küche, Personal und die Corona-Regeln kontrolliert. Ordnungsamts-Einsatzleiter Frank Weber dirigiert seine beiden Teams à sechs Leute. Dabei sind Spezialisten für Lebensmittelkontrolle und Immissionsschutz. Sie fallen den Gästen kaum auf - wohl aber die uniformierten Polizeikräfte, die sie begleiten. "Am Freitag sind Gäste, die reserviert haben und bei uns essen wollten, weitergegangen. Ihnen gefiel das nicht", sagt ein Lokalbetreiber. "Die Kontrollen sind ja gut und nötig, aber es ist nicht gut fürs Geschäft, wenn dabei Gäste durch Uniformen vergrault werden." Bei ihm ist auch am Samstagabend alles in Ordnung. Er ist erleichtert. Ebenso der Betreiber einer Eintrachtkneipe in der Klappergass. "Vorbildlich" lautet das Urteil.

Ein lauter Pfiff der Polizei löst zu enge Schlangen vor einer Disco in Alt-Sachsenhausen auf. "Keine Gruppen bilden und Abstand einhalten, sonst wird zugemacht", wird freundlich, aber bestimmt gesagt. Die Leute murren und verziehen sich. Ein paar Häuser weiter ist es dunkel. Das Lokal ist bereits geschlossen worden.

Corona-Regeln nicht eingehalten: Ordnungsamt Frankfurt schließt Bars in Alt-Sachsenhausen

Frankfurts Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) ist bei den Kontrollen in Alt-Sachsenhausen dabei. "Die Landespolizei begleitet uns, wenn wir überprüfen, ob die Gästelisten stimmen und die Hygieneauflagen eingehalten werden", kommentiert er. Sieben Clubs und eine Shisha-Bar wurden geschlossen. "Dort wurde getanzt. Jetzt nicht mehr", sagt der Ordnungsdezernent und deutet auf ein Lokal, vor dem sich lange Schlangen bilden. Um Mitternacht ist auch hier Schluss. Der Laden wird zugemacht.

Ein Türsteher im schwarzen Anzug versteht die Welt nicht mehr. "Wir hatten 90 Reservierungen. Da gehen uns bestimmt 5000 bis 6000 Euro durch die Lappen und die Miete muss auch bezahlt werden." Er bestreitet, dass getanzt wurde und auch, dass die Hygieneregeln nicht eingehalten wurden. Der Mann steht noch Stunden später vor der verschlossenen Tür und beobachtet das Treiben. Gegenüber dröhnt aus Lokalen Musik, Discokugeln tanzen und leuchten, hinter offenen Fenstern wird getanzt. Immer wieder hört man Glas klirren. Betrunken werfen Leute achtlos ihre Flaschen weg, manche streiten lautstark.

"Wenn da einer ein Messer dabei hat, kann es richtig gefährlich werden", sagt ein Wirt. "In Hamburg gibt es in manchen Vierteln Glas- und Waffenverbot. Das wünschen wir uns hier auch. Dann gäbe es deutlich weniger Stress im Viertel. Das haben wir schon lange vor Corona gesagt. Da sollte sich die Stadt mal für einsetzen. Das schützt uns, die Gäste und die Polizei." (Von Sabine Schramek) Alle Infos zum Thema Corona in Hessen gibt es in unserem aktuellen News-Ticker. In Sachsenhausen ist ein weiterer Club dem Coronavirus zum Opfer gefallen: Der „Clubkeller Frankfurt“ schließt.

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