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Shisha-Bars kämpfen nach dem Anschlag in Hanau mit einem Kunden-Rückgang. (Symbolbild)

„Das gab es noch nie“

Nach Anschlag in Hanau: Shisha-Bars und Kiosks kämpfen mit Kunden-Rückgang

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Dort, wo sich sonst viele vergnügen, ist es leer. An diesem Wochenende warten Betreiber auf Gäste. Der rassistische Anschlag in Hanau hinterlässt Spuren im Frankfurter Alltag.

  • Shisha-Bars leer in Alt-Sachsenhausen
  • Hanau-Anschlag hinterlässt Spuren im Alltag
  • Alt-Sachsenhausen durch Polizei „gut gesichert“

Sachsenhausen -Es ist Samstagnacht in der Paradiesgasse. Die Bänke unter den großen Arkaden sind leer. Wirte und Köche stehen vor der Tür, warten auf Kundschaft. Normalerweise drängen sich am Wochenende hier Ausgehwütige, um Hummus, Falafel oder Pizza zu essen. An diesem Wochenende ist es anders.

"Am Freitagabend waren so gut wie keine Ausländer bei uns", erzählt Mohammed Jaber, von L'Amir Sandwich. "Wir hatten in den letzten beiden Tagen einen Umsatzeinbruch von 70 bis 80 Prozent. Das gab es noch nie", sagt er leise und ohne jeden Vorwurf in der Stimme.

Zwischen drei und fünf Uhr morgens ist sonst die Zeit mit den höchsten Umsätzen. "Es waren 50 Euro, die wir umgesetzt haben." Die Leute hätten wohl Angst, seien verunsichert durch die "katastrophale Tat des Grauens in Hanau. Wir sind doch alle Menschen und der Anschlag in Hanau ist schrecklich", sagt Jaber.

Alt-Sachsenhausen Frankfurt: Leere nach Anschlag in Hanau

Gegenüber bei Köylü Döner stehen ein paar Leute Samstagnacht um Mitternacht. "Wenn so etwas passiert, sind die Straßen leerer", sagt ein Mitarbeiter. "Und wir haben auch Ende des Monats, da sitzt das Geld nicht so locker. Die Situation wird sich wieder beruhigen", hofft der Verkäufer.

Durch die Gassen in Alt-Sachsenhausen laufen Touristen, die Apfelwein und Handkäs' genießen wollen, und junge Leute, die Feiern möchten. Es ist warm genug, um unter Heizstrahlern draußen zu sitzen. Einige sind angetrunken. Im Oberbayern feiern als Monster und Hasen verkleidete Männer und Frauen ruhig den Karneval. Es ist noch Platz. "Die Sache in Hanau ist schlimm. Auswirkungen auf das Lokal spüren wir nicht", sagt Frank Reichenbach von der Initiative "Alt-Sax Neu". "Wir haben ohnehin hohe Sicherheitsmaßnahmen mit Kameras, Security und gut geschulten Mitarbeitern." Im O'Dwyer's Irish Pub fließt das Bier zügig. "Es sind weniger Leute da, aber das liegt wohl eher am Karneval", sagt Betreiber Erin. "Im Februar ist es traditionsgemäß ruhiger."

"Das gab es noch nie": Mohammed Jaber von "L'Amir Sandwich" ist erschrocken darüber, wie wenig Kundschaft derzeit nach Alt-Sachsenhausen kommt. 

Die Polizei ist präsent. "Wir sind nicht mehr Einsatzkräfte als sonst hier", sagt einer der Beamten. "Natürlich sind wir noch aufmerksamer als sonst und kontrollieren verstärkt." Immer wieder werden sie von Besuchern angesprochen. Die Einsatzkräfte sind freundlich und hilfsbereit, geben Auskunft, wenn Leute etwas suchen. Die Augen aller beobachten jede Bewegung im Viertel.

Frankfurt Alt-Sachsenhausen: „Zum Glück gut gesichert durch die Polizei“

Die Stadtpolizei lässt Autos abschleppen, Besucher gehen von Tür zu Tür. Das Hooters ist menschenleer, auf einem schmiedeeisernen Schild in einer Seitengasse steht "I was at Home last Night" - gestern Abend war ich zu Hause.

Die Tanzclubs füllen sich langsam, die Billigbars sind leerer als sonst. Auch Sportbars sind leerer als sonst am Wochenende. "Bei den vielen Spekulationen über die Tat in Hanau ist das auch kein Wunder", sagt ein Mitarbeiter. "Jeder behauptet etwas anderes. Das kann ja nur verunsichern. Ich hoffe, es hört bald auf damit."

In der Shisha-Bar Phoenix dampft es in sanft-lila Licht. Nur zwei Tische sind besetzt mit Paaren, die Wasserpfeife rauchen. "Seit eineinhalb Jahren sind wir hier. So leer wie am Freitag und Samstag war es noch nie." Die Brüder Kamy und Pujan Ghadirian betreiben die Bar und Lounge.

Frankfurt Alt-Sachsenhausen: „Am Freitag war kaum ein Gast hier“

"Am Donnerstag war alles noch normal. Am Freitag war kaum ein Gast hier. Alle sind schockiert. Letztes Jahr an Fasching konnten wir uns vor Gästen kaum retten. Heute haben vier Gruppen ihre Reservierung abgesagt", sagt Pujan. "Meine Freundin wollte nicht, dass ich arbeiten gehe", ergänzt Kamy. "Aber verstecken aus Angst ist auch keine Lösung. Zum Glück ist Alt-Sachsenhausen gut gesichert durch die Polizei."

Müssen mit Absagen von Reservierungen kämpfen: Pujan (links) und Kamy Ghadirian, die Inhaber der Shisha-Bar Phoenix. Foto: Schramek

Wie viele Wirte und Mitarbeiter schütteln die Brüder ihre Köpfe. "Wir sind doch alle nur Menschen, die friedlich miteinander leben wollen." Einige Läden überlegen, ob sie mehr Sicherheitspersonal einstellen sollen, erzählt ein Mitarbeiter. "Es wird darüber gesprochen und im Laufe der nächsten Woche entschieden."

In der Passage der kleinen Straßenlokale ist wenig los in der Nacht auf Samstag. "Es wird wieder besser", sagt Mohammed Jaber. "In ein paar Wochen ist hoffentlich wieder alles wie immer."

von Sabine Schramek

Währenddessen gab es in Frankfurt am Mainkai einen Messerangriff, dabei ist ein 29-Jähriger schwer verletzt worden.

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