Gastronom Olli Thies klebt einen Aufruf auf ein Weinfass
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Barbesitzer Olli Thies bringt ein Verbotsschilder an. Insgesamt wollen er und seine Frankfurter Kollegen 50 Stück verteilen.

Zu viel Vandalismus

„Seid wenigstens keine Arschlöcher“ – Wirte aus Frankfurt starten deftigen Aufruf

  • vonSabine Schramek
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Gastronomen im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen starten eine gemeinsame Plakataktion. Sie fordern zahlreiche Verbote, um Vandalismus vorzubeugen. Auf Unterstützung der Stadt warten die Barbesitzer bisher vergeblich.

Frankfurt - Wer jetzt nachts nach in den Frankfurter Stadtteil Alt-Sachsenhausen kommt, findet sich in dunklen, stillen und menschenleeren Gassen wieder. Kein Grölen, kein Feiern, kein Tanzen und kein Gedränge. Die Nächte ohne Gäste haben die Barbetreiber konstruktiv genutzt, um das Amüsierviertel in Zukunft sicher für alle zu machen. "Immer wieder kommt unser Viertel in Verruf wegen sturzbetrunkener und aggressiver Leute, die sich auf den Gassen prügeln, Menschen verletzen und auch vor Angriffen auf die Polizei nicht zurückschrecken. Das wollen wir nicht. Das liegt weder im Interesse von uns Gastwirten, noch in dem von den allermeisten Besuchern", sagt Olli Thies, der seit elf Jahren die "Klapper 33" betreibt.

Unter dem Arm trägt der Gastronom 50 laminierte Schilder, die er an Lokalen aufhängt. "Keine Flaschen, Gläser, Waffen und Alkohol auf unserer Straße!" steht auf Deutsch und Englisch darauf.

Frankfurt: Sachsenhausens Gastronomen von der Stadt enttäuscht

"Seid exzellent zueinander. Wenn Ihr das nicht könnt, seid wenigstens keine Arschlöcher" prangt unter den Verbotszeichen für Flaschen, Gläser und Messer. Bereits seit 2018 schlagen Wirte, Bar- und Clubbetreiber der Stadt Frankfurt vor, ein generelles Glasverbot in den Gassen durchzusetzen. Ohne Erfolg. Auch eine Petition führte nicht weiter. Bis heute gab es keinen runden Tisch mit Anliegern, Stadt und Polizei. "Wir wollen keine Glasscherben auf dem Boden, keine verletzten Polizisten, keine verärgerten Anwohner und keine Aggressionen in Alt-Sachs", stellt auch Metin Yildirim von der Bar Shots fest.

An 22 Lokalen, Clubs, Bars und Geschäften im Viertel hängen jetzt die Schilder, um für die Zeit nach dem Lockdown vorzubauen. "Seit zwei Jahren versuchen wir alles, um die Unterstützung der Stadt in Sachen Glasverbot zu bekommen", sagt Thies. Stattdessen gab es ein Gespräch zwischen Ordnungsamt und Landespolizei zu "Maßnahmen der Entschärfung der Situation". Bei der Stadtverordnetenversammlung am 5. November sollte über eine frühere Sperrstunde entschieden werden. Auf Anfrage sei wiederholt von Markus Frank darauf hingewiesen worden, dass wegen "der vielen Sommergärten auf den Straßen ein Alkohol- und Glasverbot nicht zielführend ist", so Thies.

Frankfurt: Gastronomen in Alt-Sachsenhausen wollen Verbote selbst durchsetzen

Die Gastronomen wundern sich umso mehr, da wegen Corona "ohne Probleme Alkoholverbotsschilder inklusive Bildern von Flaschen und Gläsern" aufgehängt wurden.

"Den Unterschied zwischen Terrassen und Straßen zu erkennen, kann ja nicht so schwer sein", regt sich auch Mirko Ferenczy vom O'Dwyers Irish Pub auf. "Wenn die Stadt uns partout nicht helfen will, machen wir es eben selbst." Auch im benachbarten Brückenviertel unterstützen Läden wie das "Swea" die Aktion. Einige haben Geld für den Druck der Schilder gegeben, andere hängen sie selbst auf. Die Betreiber von "Druckkultur" sind so beeindruckt von der Aktion, dass sie den Frankfurter Gastronomen einen Nachlass gegeben haben. Lasse Johansson vom "Swea" ist sicher, "dass es allen hilft, wenn die, die aggressiv sind, nichts in der Hand haben, womit sie andere verletzen können."

Frankfurter Gastronomen in Alt-Sachsenhausen sehen steigende Gewaltbereitschaft mit Sorge

Yildirim und Thies beobachten die Szene genau. "Die, die so aggressiv werden, kommen nicht hierher, um gemütlich zu feiern. Sie kommen, um Randale zu machen und sich die Hörner abzustoßen. Erst kaufen sie in Supermärkten und Wasserhäuschen günstig ein und lassen sich dann im Viertel volllaufen." Die wachsende Zahl der Polizeimeldungen über Messerangriffe in ganz Frankfurt macht den Gastronomen ebenso große Sorge, wie Verletzungen durch abgebrochene Glasflaschen. "Wer kein Glas und kein Messer zur Hand hat, kann damit kein Unheil anrichten", sind sie sich einig. "Wir sind das Apfelweinviertel überhaupt", sagen sie.

Schlechte Nachrichten über Alt-Sachsenhausen sollen so harmlos sein wie am 12. November 1929, als der Grafiker Kurt Eugen Strouhs die Geschichte von der "Fraa Rauscher aus de Klappergass, die hot e Beul am Ei, ob's vom Rauscher, ob's vom Alde kimmt, des klärt die Bolizei" erstmals vortrug. (Sabine Schramek)

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