Diese Bewohnerin eines Frankfurter Seniorenheims hat Glück mit der Reihenfolge gehabt. Ein Mitarbeiter des mobilen Impfteams der Stadt verabreicht ihr Ende Dezember den begehrten Schutz gegen Covid-19. foto. michael schick
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Diese Bewohnerin eines Frankfurter Seniorenheims hat Glück mit der Reihenfolge gehabt. Ein Mitarbeiter des mobilen Impfteams der Stadt verabreicht ihr Ende Dezember den begehrten Schutz gegen Covid-19.

Covid-Schutz

Corona-Impfung wird in Altenheimen zur Geduldsprobe – „Tropfen auf den heißen Stein“

  • vonSylvia Amanda Menzdorf
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Viele Bewohner von Pflegeheimen in Frankfurt gehen bei der Corona-Impfung erst einmal leer aus. Am Montag kommt die nächste Lieferung.

Frankfurt – Diesem Tag, sagt Katrin Grote (Name von der Redaktion geändert), habe sie "entgegengefiebert". Es ist der Tag, an dem ihre 85 Jahre alte Mutter gegen Covid-19 geimpft werden soll. Die alte Frau lebt in einem Seniorenheim. Die Einrichtung gehört zu den ersten in Frankfurt, die ihre Türen für das mobile Impfteam öffnet: am 29. Dezember.

Corona-Impfung in Frankfurt: Wann es weitergeht, ist unklar

Am Ende dieses Tages sei dann doch alles ganz anders gewesen, so Grote. Ihre Mutter sei nicht geimpft worden. Die Heimleitung habe mitgeteilt: Von den lediglich 60 zur Verfügung stehenden Impfdosen seien zur Hälfte Bewohner, zur anderen Hälfte Mitarbeiter des Hauses geimpft worden. Wann es für die übrigen 70 Heimbewohner mit der Impfung weitergeht, vermochte die Heimleitung nicht zu sagen. Alles hänge ab von der nächsten Impfstofflieferung an das Land Hessen, angekündigt für den 11. Januar. Ob ihre Mutter dann berücksichtigt wird, weiß Grote nicht. Die Kommunikation mit der Heimleitung empfinde sie als intransparent und in der Sache spärlich. "In anderen Häusern", vermutet sie, "läuft es besser."

Im Johanna-Kirchner-Altenhilfezentrum der Arbeiterwohlfahrt (Awo) ging es später los, am Neujahrsmorgen. Mit 40 Impfdosen sei das mobile Team ins Haus gekommen, berichtet Jörg Wilhelm, Geschäftsführer der Johanna-Kirchner-Stiftung. Die Vorbereitungen für die Impfaktion hätten bereits vor Weihnachten begonnen. "Wir haben erfasst, welche Bewohner impfwillig sind, wer aufgrund seiner Erkrankungen nicht geeignet ist für eine Impfung, wer bereits eine Covid-Infektion durchlaufen hat", so Wilhelm.

Corona-Impfdosen für Altenzentrum in Frankfurt zu wenig

Für das Haus mit insgesamt 205 Bewohnern seien 40 Impfdosen wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Bei so geringen Zuteilungen müsse das mobile Impfteam sehr häufig ins Haus kommen, für das diese Einsätze stets einen großen Aufwand darstelle. Wilhelm hätte sich gewünscht, dass die 56 stationären Altenpflegeeinrichtungen in der Stadt nacheinander jeweils komplett durchgeimpft worden wären. So werde etwa in Dreieich vorgegangen.

Das Gesundheitsamt verfolge die Idee einer möglichst gerechten Verteilung der aktuell noch knappen Vakzine, erklärt Antoni Walczok, Infektiologe im Gesundheitsamt. Zunächst müssten neben den über 80-jährigen in Heimen lebenden Menschen auch das dortige Pflegepersonal sowie ärztliches und Pflegepersonal auf Intensivstationen der Frankfurter Kliniken bedacht werden. Dass mobile Impf-Teams mehrmals dieselben Adressen anfahren müssten, sei unvermeidbar. Wer als Erstes in den Einrichtungen geimpft werde, entscheide nicht das Gesundheitsamt. "Wir suchen nicht aus, wir gehen nicht alphabetisch vor", so Walczok.

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Voraussetzung für Corona-Impfung in Frankfurt: „Stoff muss da sein“

Es gebe lediglich zwei Voraussetzungen: "Der Stoff muss da sein, und die Person, die geimpft wird, muss berechtigt sein und ihn wollen." Eine Impfpflicht gebe es nicht. Es werde aber auch niemand vergessen. Für Menschen, die selbst nicht einwilligungsfähig sind, weil sie etwa an fortgeschrittener Demenz litten, erkläre der gesetzliche Betreuer deren Wunsch.

Als unverantwortlich bezeichnete Walczok als Nachricht verbreitete Gerüchte, wonach Impfungen "verlost" würden. Das entbehre jeglicher Grundlage und untergrabe das Vertrauen der Menschen.

Am kommenden Montag (11.01.2021) soll Nachschub des begehrten Stoffs kommen. Wie viel genau Frankfurt zugeteilt werde, sei noch nicht klar, so Walczok. Klar sei aber, dass die mobilen Impfteams sofort wieder ausschwärmten, um die besonders Verwundbaren zu immunisieren. (enz)

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