1. Startseite
  2. Frankfurt

Park-Ärger, Müll und Stau: Die Altglascontainer-Leerer in Frankfurt brauchen starke Nerven

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Sabine Schramek

Kommentare

Knappe Kiste: Am Bahnhof Nied in Frankfurt ist für Fahrer Kosmetschke beim Entleeren des Containers Fingerspitzengefühl gefragt.
Knappe Kiste: Am Bahnhof Nied in Frankfurt ist für Fahrer Kosmetschke beim Entleeren des Containers Fingerspitzengefühl gefragt. © Maik Reuß

Das Leeren der Altglascontainer in Frankfurt ist ein Knochenjob. Geduld, Nervenstärke und Fingerspitzengefühl sind unabdinglich.

Frankfurt – Mit einem 15 Meter langen und zwischen 21 und 40 Tonnen schweren Laster manövriert Kevin Kosmetschke regelmäßig durch Straßen, Gassen und enge Kurven. In den Bauch des Aufliegers leert er Altglascontainer. Eine Aufgabe, die viel Fingerspitzengefühl benötigt.

Das scheppernde Klirren ist unverkennbar. Es kann aus dem Schlaf, aus der Konzentration und aus der Ruhe bringen. "Wo Glas ist, gibt es Scherben", sagt Kevin Kosmetschke (32) leise und lenkt sachte mit einem Kran den Entleerer, an dem drei dicke Haken an beweglichen Gliedern baumeln. Es wirkt wie ein übergroßes Angelspiel für Kinder, wenn er die schwankenden Haken Millimeter genau in die Ösen der Glascontainer lenkt. Meist klappt es beim ersten Versuch. Dann lächelt der freundliche Mann hoch oben auf dem Kran, während die Container scheinbar federleicht wie von Geisterhand gesteuert in die Höhe schweben. Weißes, grünes und braunes Glas wird in die entsprechenden Abteile des Aufliegers entleert. Jedes Mal scheppert und klirrt es.

Das Leeren der Glascontainer in Frankfurt ist Millimeterarbeit

Noch schwieriger als diese Millimeterarbeit, abgerundete blaue Altglascontainer aus Kunststoff oder eckige Container aus Metall zu angeln und zu manövrieren, ist die Fahrt mit dem brummenden und piepsenden Gefährt. Um 7 Uhr morgens wiegt der 15 Meter lange Laster 21 Tonnen. Wenn er voll ist, bis zu 40 Tonnen.

"Es kann ganz schön eng werden. Vor allem, wenn schlecht geparkt wird, die Straßen schmal sind oder wenn Gegenverkehr kommt", so Kosmetschke, der seit dem Sommer vor Corona als Fahrer bei Remondis, der Partnerfirma der FES, am Steuer des riesigen Gefährts sitzt. Seit Corona ist die Menge an Altglas sehr stark angestiegen. "Wir fahren auch zu zweit, dann kann der Kollege mich einweisen, um rückwärts zu fahren. Wenn ich alleine bin, muss ich anders agieren. In Schwanheim wollte er eigentlich in eine enge Straße zur ersten Leerstation fahren, aber da ein LKW entgegenkam, ließ er ihn passieren und fuhr einen Umweg. "Das ist besser", sagt er. "Früh morgens sind Kinder auf dem Schulweg im Dunklen unterwegs, da muss man ganz besonders aufpassen."

Frankfurt: Immer wieder Ärger mit Autos vor Containern

Besonders ärgerlich findet er Autos, die sich vor Container stellen. "Dann kann niemand passieren, wenn ich parke und es gibt Stau." Er hat zwar Verständnis dafür, dass aus Parkplatznot nicht überlegt wird, aber das macht seinen Job schwierig. Zwischen 50 und 70 Container von mehr als 1600 im Stadtgebiet fährt er am Tag in Frankfurt an. "Das passt genau in die Zeit, wenn alles glatt läuft und nicht zu viel Verkehr ist."

An ein Angelspiel erinnert das Manöver an der Dürkheimer Straße.
An ein Angelspiel erinnert das Manöver an der Dürkheimer Straße. © Maik Reuß

"Die Goldsteiner denken noch mit. Da parkt keiner kreuz und quer und ich habe nur ganz selten Hindernisse", sagt er. "Da sieht es auch an den Containern ordentlich aus." In Griesheim nicht. Massenweise Müllsäcke stehen um die Container, Pizzakartons, undefinierbare Essensreste und ausgestreutes Vogelfutter. "Das ist jedes Mal so", sagt er dort, wo es einen großen Supermarkt gibt und ein Hotel. Er macht Fotos und schickt sie ab, damit die FES den Unrat abholt. Dann räumt er klaglos die Müllsäcke aus dem Weg, bevor er wieder auf den Kran klettert und die Haken in die Ösen einrasten lässt. Kaum hebt sich einer der Container, huschen blitzschnell Mäuse und Ratten unter den Nachbarcontainer.

Große Unterschiede in den Frankfurter Stadtteilen

"In Griesheim ist es an vielen Stellen schlimm. Wilder Müll ist hier fast immer zu finden." Am nächsten Container liegt eine große Glasschale obendrauf. Kosmetschke versucht sie zu zerbrechen, damit sie in das Einfüllloch passt. "Da darf nur rein, was auch reinpasst". Auch Flaschen, die rund um die Container stehen, wirft er rein. "Da ist noch jede Menge Platz, aber es gibt Leute, die sich lieber bücken, als Glas in die Container zu werfen und dann machen es die nächsten nach, weil sie denken, sie seien voll."

Mit dem FNP-Newsletter alle Frankfurt-News direkt in Ihr Postfach

Noch mehr News aus Frankfurt erhalten Sie mit unserem Newsletter!

An manchen Stellen staut es sich. Lauten Ärger gibt es in der Frankenallee im Gallus. Ein Busfahrer regt sich auf, weil Kosmetschke am Container geparkt hat. Er hupt, steigt aus und brüllt Kosmetschke mit hoch erhobenen Armen an. "Ich muss weiter", keift er. "Ich auch", sagt Kosmetschke ruhig und entleert die Container. Am nächsten Container ist der Bus wieder dahinter. Er fährt unsicher los, streckt den Arm aus und klappt wütend und fluchend durch das Fenster den Seitenspiegel des LKW ein. Ein entgegenkommender Bus hat keine Schwierigkeiten, um den Laster herum zu lenken, obwohl das Manöver schwieriger ist. "Hätte mich der Busfahrer nicht angeschrien, hätte ich ihm gezeigt, wie er ganz leicht um die Kurve kommt. Diskutieren hätte aber viel länger gedauert, darum habe ich nichts gesagt."

Frankfurt: Wer Altglascontainer leert, muss Ruhe bewahren

Auch Radfahrer im Gallusviertel, die sich an keine Verkehrsregeln halten, quittiert er nur mit Kopfschütteln. "Viele achten überhaupt nicht auf Vorfahrtsstraßen, rote Ampeln oder Warnblinklichter. Das ist leichtsinnig und kann richtig gefährlich werden." Aus der Ruhe lässt er sich nicht bringen. Konzentriert lässt er die Container schweben, leert sie, platziert sie zurück - und versucht dabei, so viel Rücksicht wie möglich auf andere zu nehmen. (Sabine Schramek)

Nicht nur das Leeren der Altglascontainer ist für die Fahrer der Entsorgungsautos stressig. Auch die reguläre Müllabfuhr in Frankfurt hat Probleme mit Falschparkern.

Auch interessant

Kommentare