FDer Blick vom Musikzimmer ins Pelikanzimmer in der Goldenen Waage sind beeindruckend.
+
Der Blick vom Musikzimmer ins Pelikanzimmer in der Goldenen Waage sind beeindruckend.

Neue Museumsräume in der Altstadt

Prunkstück der Frankfurter Altstadt ist fertig

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
    schließen

In der Goldenen Waage können Besucher sich jetzt gehobene Wohnkultur aus vergangenen Zeiten anschauen.

Frankfurt - Das Prunkstück der neuen Frankfurter Altstadt kann nun auch in den oberen Etagen bestaunt werden. 15 Monate nach der offiziellen Eröffnung des Dom-Römer-Areals erhält die Öffentlichkeit ab kommendem Dienstag Zugang zu den Museumsräumen der Goldenen Waage.

Frankfurt: Die Geschichte des Prunkstücks in der Altstadt

Damit wird das Anfang des 17. Jahrhunderts erbaute Haus wieder der Bestimmung zugeführt, die es zwischen 1928 und 1944 hatte: als Teilausstellung des Historischen Museums, in der Möbel und Ausstellungsgegenstände aus früheren Jahrhunderten gezeigt werden. Museumsdirektor Jan Gerchow spricht vom „Schlussstein der neuen Altstadt“ und betont: „Es ist ein besonderer Moment für uns.“

Die Geschichte des Prunkstücks begann mit einem Nachbarschaftsstreit. Der wohlhabende Gewürzhändler Abraham van Hamel war aus Glaubensgründen aus den Spanischen Niederlanden (heutiges Belgien) nach Frankfurt geflohen und erwarb im Jahr 1600 das Grundstück am Alten Markt. Das darauf stehende Haus ließ er abreißen und plante einen größeren, höheren und prunkvollen Neubau – die Goldene Waage. 

Frankfurt Altstadt: Das Prunkstück hat seinen eigenen Bewohnerstammbaum 

Was heute Touristen aus aller Welt in Staunen versetzt, begeisterte die damaligen Nachbarn wenig. Sie fanden, es gezieme sich nicht für einen Glaubensflüchtling, so prunkvoll zu bauen. Es folgten jahrelange Rechtsstreitigkeiten. 

Schön für Frankfurt, dass der Gewürzhändler so hartnäckig blieb. Doch richtig glücklich wurde er in seinem Neubau nicht, er lebte nur von 1619 bis 1623 in dem Haus.

Doch auch die nachfolgenden Bewohner des Hauses bis zum Ankauf durch die Stadt Frankfurt im Jahr 1899 sind bekannt. In einer eigens aufgelegten Broschüre zur Goldenen Waage (8 Euro, 64 Seiten) ist daher auch ein „Stammbaum der Bewohner“ enthalten.

Altstadt Frankfurt: Gehobene Wohnkultur hautnah

Während der Rekonstruktion der neuen Altstadt regte der Architekt Jochem Jourdan an, die Obergeschosse der Goldenen Waage wieder als Museum zu nutzen. „Ich bin ihm sehr dankbar für diese Anregung“, so Gerchow. Vier Jahre lang hat das Historische Museum geplant, wie die sechs Räume ausgestattet werden. 

Verantwortlich dafür war Maren Christine Härtel, die Leiterin der Restaurierungswerkstätten des Historischen Museums. „Ziel war es, ein Gebäude zu rekonstruieren, das einen gehobenen Wohnstandard versinnbildlicht“, so Härtel. Das ist eindrucksvoll gelungen, auch wenn viele Einrichtungsgegenstände aus einer späteren Zeit als der des einstigen Erbauers stammen. Das wäre etwas zu kostspielig gewesen, räumt Härtel ein. 

Stattdessen sichtete das Museum sein Depot und stieß auf einen Schrank, den es bereits 1902 von der Familie Rothschild erworben hatte. Doch erst jetzt wurde das antike Möbelstück aufwendig restauriert. „Durch dieses Projekt wurde der Schrank aus dem Dornröschenschlaf geholt“, freut sich Härtel. Der Schrank ist nun in der Hinteren Stube erstmals für die Öffentlichkeit zu sehen.

Die neue Altstadt lockt viele Touristen an: Das neue Quartier in der Altstadt in Frankfurt ist erfolgreicher, als es die Kommune gehofft hatte. Trotzdem gibt es noch viele Probleme.

Frankfurt: Große Stube und Pelikanzimmer – Ausstellung hat beeindruckende Stücke

Der repräsentativste Raum des Gebäudes ist die Große Stube im ersten Stock. Besonders eindrucksvoll ist die als Wimmelbild angelegte Stuckdecke mit exotischen Früchten, Vögeln, Musikinstrumenten und Putten. Ebenso eindrucksvoll ist der doppelgeschossige Fassadenschrank, der um 1620 entstand. Er könnte damit auch im Wohnzimmer der Familie van Hamel gestanden haben. Nur der Ausblick dürfte seinerzeit ein anderer gewesen sein. Wer heute vor dem Schrank steht und aus dem Fenster schaut, blickt direkt die Rolltreppe zur U-Bahn-Station Römer hinunter.

Im zweiten Obergeschoss beeindruckt das Pelikanzimmer. Benannt ist es nach dem Wappen der Familie Barckhaus, das ein Pelikan schmückt. Der Tuchhändler Franz von Barckhaus hatte das Haus im 17. Jahrhundert mit seiner Frau Antoinette Elisabeth bewohnt und dort seinen Tuchhandel betrieben.

Im Pelikanzimmer steht eines der Möbelstücke, die eigens für die neue Ausstellung angekauft wurden: ein Kabinettschrank aus dem Besitz der Familie von Gans. Der Frankfurter Industrielle Friedrich Ludwig von Gans war im 19. Jahrhundert einer der Mitbegründer der Cassella-Werke. 

Neue Museumsräume in der Altstadt: Bilder aus der Goldenen Waage

Frankfurt: Neue Museumsräume in der Altstadt – Bilder aus der Goldenen Waage
Frankfurt: Neue Museumsräume in der Altstadt – Bilder aus der Goldenen Waage © Peter Jülich
Frankfurt: Neue Museumsräume in der Altstadt – Bilder aus der Goldenen Waage
Frankfurt: Neue Museumsräume in der Altstadt – Bilder aus der Goldenen Waage © Peter Jülich
Frankfurt: Neue Museumsräume in der Altstadt – Bilder aus der Goldenen Waage
Frankfurt: Neue Museumsräume in der Altstadt – Bilder aus der Goldenen Waage © Peter Jülich
Frankfurt: Neue Museumsräume in der Altstadt – Bilder aus der Goldenen Waage
Frankfurt: Neue Museumsräume in der Altstadt – Bilder aus der Goldenen Waage © Peter Jülich
Frankfurt: Neue Museumsräume in der Altstadt – Bilder aus der Goldenen Waage
Frankfurt: Neue Museumsräume in der Altstadt – Bilder aus der Goldenen Waage © Peter Jülich
Frankfurt: Neue Museumsräume in der Altstadt – Bilder aus der Goldenen Waage
Frankfurt: Neue Museumsräume in der Altstadt – Bilder aus der Goldenen Waage © Peter Jülich
Frankfurt: Neue Museumsräume in der Altstadt – Bilder aus der Goldenen Waage
Frankfurt: Neue Museumsräume in der Altstadt – Bilder aus der Goldenen Waage © Peter Jülich
Frankfurt: Neue Museumsräume in der Altstadt – Bilder aus der Goldenen Waage
Frankfurt: Neue Museumsräume in der Altstadt – Bilder aus der Goldenen Waage © Peter Jülich

Altstadt Frankfurt: Höhepunkt Belvederchen

Der Schrank aus Edelhölzern, Elfenbein und Perlmutt stammt aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts aus Flandern. Ebenfalls im zweiten Stock befinden sich eine Spielekammer, ein Wirtschaftsraum und ein Musikzimmer. Im Hause van Hamel dürfte das Zimmer aber eher als Schlafkammer oder zu geschäftlichen Zwecken gedient haben, heißt es in der Broschüre zur Goldenen Waage.

Der Höhepunkt des Hauses im Wortsinne ist das Belvederchen. So nannten Frankfurter einst Dachpavillons, von denen sich auch Abraham van Hamel einen anlegen ließ. Mit seinem golden verzierten Brunnen, einer überdachten Laube und dem Ausblick auf den in dieser Höhe fast zum Greifen nahen Dom galt dieses Belvedere als das schönste in Frankfurt. 

Die Decke der Laube soll einem Schriftstück zufolge mit Musikinstrumenten und Ranken verziert gewesen sein und ist es auch jetzt wieder. Das steinerne Treppenhaus zum Belvedere verbindet die Goldene Waage übrigens mit dem Hinterhaus, dem Stoltze-Museum.

Von Oliver Teutsch

Aktuell sieht man nicht mehr allzu viele Touristen in der neuen Altstadt – dafür spazieren immer mehr Frankfurter durch die Sehenswürdigkeit.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare