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Er hatte viel zu leichtes Spiel. Stabiles Fensterglas sollte man mindestens haben. Insgesamt gilt: Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Aber da die meisten Einbrecher auf schnelle Beute aus sind, geben sie an widerständigen Fenstern und Türen schnell auf.

Sicherheit

Angst vor Einbrechern? Frankfurter Polizei gibt wertvolle Tipps

Dieser Tage informierten Beamte im Polizeiladen auf der Zeil einmal mehr Bürger darüber, wie sie sich schützen können. FNP-Redakteur Mark Obert war dabei - und fasst die wichtigsten Fragen und Antworten zusammen.

Gibt es Wohnungen und Häuser, die besonders gefährdet sind?

Ja! Und zwar alle, die eben nicht gut gesichert sind. Und das sind nach wie vor viele. Die wenigsten Einbrecher sind Profis, die es gezielt auf hochwertige Beute abgesehen haben und mit langer Vorplanung in Häuser oder Wohnungen eindringen und sich dort lange aufhalten. Die meisten Einbrecher wollen schnelle und gut zu verkaufende Beute machen, zum Beispiel Laptops oder Spielekonsolen. Sie sind meist nur wenige Minuten im Objekt. Sie ergreifen also, wann immer es geht, die Gelegenheit für einen schnellen Bruch. Und schlecht gesicherte Fenster und Türen bieten die beste Gelegenheit dazu.

Was sind schlecht gesicherte Türen und Fenster?

Schlicht gesagt: Alle, die nur über ein herkömmliches Schloss oder eine herkömmliche Verriegelung verfügen. Nur sehr selten schneiden Einbrecher Fensterglas oder schlagen die Fenster ein - in den allermeisten Fällen hebeln sie auf. Einbrecher brauchen dafür oft nur Sekunden für eine ungesicherte Tür, ein ungesichertes Fenster. Ein 10er-Schraubendreher reicht. Aber auch teure Sicherheitsschlösser, wie sie Schlüsselfirmen gerne anbieten, nutzen allein zu wenig. Auf die Gesamtkonstruktion kommt es an.

Wie erkennen Einbrecher von außen, dass Türen und Fenster leicht aufzuhebeln sind?

Gar nicht. Sie probieren's einfach aus - und dann spielt ihnen der Zufall in die Hände. Die Erfolgsaussichten sind nach wie vor groß, weil viele Leute ihren Wohnraum eben nicht ausreichend sichern.

Schutz vor Einbrechern: Mechanische Sicherung ist das A und O

Wie kann ich mich sichern?

Mechanische Sicherung ist das A und O, vor allem zusätzliche Verriegelungen. Elektronische Überwachung, vor allem sichtbare Kameras, mag zwar tatsächlich manche Einbrecher abschrecken. Aber wie wirkungsvoll sie abschreckt, ist statistisch nicht nachweisbar. Im dümmsten Fall hat man ein Video davon, wie ein Einbrecher einsteigt. Auch Alarmsysteme empfiehlt die Polizei nur zusätzlich zur mechanischen Sicherung. Nur eine stabile Tür, ein stabiles Fenster, ein stabiles Gitter sorgen dafür, dass ein Einbrecher zu viel Zeit braucht, zu viel Lärm macht - und aufgibt.

Was ist eine sichere Tür?

Zusatzriegel oben und unten, Schutzbeschlag oder ein von außen abschließbarer Querriegel vermiesen Einbrechern die Tour. Wieder: Die Gesamtkonstruktion macht's.

Welche Produkte sind gut?

Nur Produkte, die das Zertifikat des Verbands der Sachversicherer (VdS) auf der Verpackung haben, sind von den Sicherheitsprofis geprüft und für stark erachtet worden. Die Fachleute teilen Produkte in Widerstandsklassen ein. Die Abkürzung ist WK oder auch RC für englisch "Resistance Class". WK 2 oder RC 2 ist für Privathaushalte, so Sie nicht Juwelier oder Kunstsammler sind, ausreichend. Tipps zu Herstellern hat unter anderem die Polizei.

Haben alle neuen Türen dieses Sicherheitsniveau?

So sollte es sein. Wer neu baut oder umbaut, sollte eine Tür erhalten, die nach DIN EN 1627 die Norm für Einbruchshemmung erfüllt. Diese Norm weist mindestens Widerstandsklasse (WK) 2 auf. Auch ältere Türen, die nach der alten Norm DIN V ENV 1627 gesichert sind, bieten diesen Schutz. Wichtig ist: Achten Sie also in jedem Fall auf die DIN-Normen und die Widerstandsklassen. WK 2 sollte es sein. Sie gewährleisten, dass es in der bereits erwähnten Gesamtkonstruktion (Türblatt, Zarge, Schloss und Beschlag) keinen Schwachpunkt gibt.

Kann man alte Türen aufrüsten?

Klar. Schon Einsteckschlösser nach DIN 18251 ab Widerstandsklasse 4 sind eine große Verbesserung. Schlösser mit Mehrfachverriegelung empfiehlt die Polizei ab der Klasse 3 - mit Profilzylinder und Schutzbeschlag nach DIN 18257. Es gibt neben Querverriegelungen noch weitere Möglichkeiten, fast jede Tür wirkungsvoll nachzurüsten.

Wann sind Fenster nicht sicher?

Das Glas muss einwurfsicher sein. Kaum vorstellbar, dass jemand heute noch Einfachverglasung hat, die keinem Wackerstein standhält. Aber schon viele Doppelfenster, die 20 Jahre und älter sind, machen einem Vorschlaghammer oder einem Wackerstein wenig Probleme. Ist das Glas nicht einbruchhemmend, nutzt auch ein abschließbares Fensterschloss wenig. Deshalb: Mit festem Glas fängt's an. Abschließbare Fenster sind dann zusätzlich gut der Schlüssel allerdings sollte abgezogen sein. Gut auch: Sogenannte Pilzköpfe zur Verriegelung sind gut, sie sind widerständiger als herkömmliche Stifte, weil sie, salopp gesagt, tiefer gehen. Diese Pilzköpfe sollten an mehreren Stellen des Fensters greifen. Einfache Fensterbeschläge haben keine Wirkung. Fensterbeschläge sollten DIN 18104 haben. In Verbindung mit abschließbaren Fenstergriffen erschweren sie das Hebeln enorm. Auch Sicherheitsexperten brauchen dann bis zu 30 Minuten, um das Fenster zu knacken. Wie gesagt: Den allermeisten Einbrechern dauert das viel zu lange - und es ist laut.

Kann man denn alte Fenster aufrüsten?

Ja, kein Problem.

Schutz vor Einbrechern: Einbruchhemmendes Fenster kostet ungefähr 200 Euro

Was kosten einbruchhemmende Türen und Fenster, was die Nachrüstung?

Hier kann man nur schätzen. Die Polizei sagt, dass ein neues einbruchhemmendes Fenster ungefähr 200 Euro mehr kostet als eines, das geübten Ganoven keinerlei Schwierigkeiten bereitet. Aber natürlich hängt das auch von der Größe der Fenster ab. Eine umfassende Nachrüstung, die also das Fenster systematisch und rundum stärkt, kann schon teurer sein. Voraussetzung wie gesagt: einbruchhemmendes Glas, das selbst nach vielen Hieben allenfalls berstet, aber nicht nachgibt. Bei Türen liegen die Preisunterschiede bei Neueinbauten und Nachrüstungen höher. Voraussetzung ist hier, dass die Türen massiv sind und nicht mit Leichtmaterial gefüllt. Das nämlich gibt nach.

Gibt's denn eine besondere Empfehlung?

Ja, die Polizei empfiehlt bei Fenstern abschließbare Querstangen. Tatsächlich lassen die sich mit zwei Dübelbohrungen selbst montieren. Ist man zu Hause, kann man die Querstange bequem aus den beiden Halterungen nehmen, sie stört dann nicht den Anblick. Verlässt man das Haus, sind die Stangen im Handumdrehen wieder eingesetzt. Ein Beamter, der im Frankfurter Polizeiladen berät, benutzt diese Variante auch bei sich zu Hause. Die Querstangen haben noch einen Vorteil: Da es eben nur zwei Bohrungen braucht, benötigt man als Mieter nicht das Einverständnis des Vermieters.

Man braucht das Einverständnis des Vermieters?

Ja, in den meisten Fällen braucht man es, da man ja bauliche Veränderungen am Vermietereigentum vornimmt. Das betrifft vor allem Türen. Hier sollte man mit dem Vermieter eine einvernehmliche Lösung finden.

Wo sind noch potenzielle Schwachstellen?

Kellerfenster sollten vergittert sein. Bodengitter vor Kellerfenstern sollten fest verankert sein. Gitter, auch vor Türen und normalen Fenstern sind deshalb empfehlenswert, weil sie den durchschnittlichen Einbrecher auf schneller Beutetour abschrecken.

Welche Verhaltenstipps gibt es?

Briefkästen im Urlaub von vertrauten Bekannten leeren lassen. Jemanden während meines Urlaubs ab und zu bei mir das Licht ein- und ausschalten lassen (automatische Lichtsteuerung ist deshalb gut). Rollläden nicht unten lassen. Das ist eine Einladung. Schon gar nicht sollte man Fenster gekippt lassen. Besondere Vorsicht ist in den dunklen Jahreszeiten zwischen 16 und 20 Uhr geboten. Da haben die Einbrecher sozusagen Jagdsaison.

Schutz vor Einbrechern: Polizei berät Bürger

Berät mich die Polizei? Sogar bei mir zu Hause?

Ja. Der "Polizeiladen", Zeil 33, ist dafür da. Er ist Montag, Mittwoch und Freitag von 8 bis 12 Uhr, donnerstags von 16 bis 19 Uhr geöffnet. Die Beamten kommen auch zu Ihnen. Einfach anrufen unter (0 69) 7 55 55 55; oder mailen: beratungsstelle.ppffm@polizei.hessen. de. Im Polizeiladen gibt es auch jede Menge ausführliche Broschüren zu allen Sicherheitsthemen.

Und noch ein toller Service der Polizei:

Im Polizeiladen gibt es eine Liste mit Handwerkern, die auf Einbruchsicherung spezialisiert sind, also gut beraten und fachgerecht einbauen. Sie sind von der Polizei eingehend gecheckt worden.

Was findet man im Internet?

Unter www.polizei-beratung.de auch Tipps zum Thema Einbruch-Vorbeugung. Speziell zum Thema gibt es eine Internetseite mit Tipps zu Mechanik, Material und allen DIN-Normen: www.k-einbruch.de

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