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Auf den Neuanfang: Wirt Konstantinos Laios stößt mit einem Schoppen an. Über ihm an der Wand das Bild der ehemaligen Wirtsleute Frank, die dem Lokal den Namen gaben.

Schoppen kehrt zurück

„Apfelwein Frank“ im Nordend öffnet wieder - Neuer Chef ist alter Bekannter

Der Apfelwein Frank im Nordend öffnet wieder: Die Stammgäste können sich auf Wiedereröffnung freuen.

Frankfurt - Frisch rasiert mit nur einem ganz kleinen Unterlippenbärtchen sitzt Konstantinos Laios (44) zwischen alten Fotos und einer Wasserwaage am Tisch. Er atmet auf. "Der Bart ist ab. Neustart." Seit der Schließung der Apfelweinwirtschaft Frank an der Ecker Weber-/ Glauburgstraße vor neun Monaten hatte er sich nicht mehr rasiert. "Der sollte schon im März ab. Zur Wiedereröffnung. Aber wie es so ist, hat es länger gedauert", sagt Laios uns streicht sich übers glatte Gesicht.

Der "Frankfurter Grieche", wie er sich selbst bezeichnet, wurde in Sachsenhausen geboren. Sein Vater, der 2005 gestorben ist, hatte ein Pelzgeschäft im Bahnhofsviertel. Laios lernte Koch, führte ein Lokal in Sprendlingen und hat die vergangenen drei Jahre vor Ablauf des Vertrags als Koch in der Apfelweinwirtschaft Frank gearbeitet.

Apfelwein Frank: Schnell reagiert

Als er das Angebot bekam, das Lokal zu übernehmen, "habe ich nicht lange gezögert", sagt er lachend. Es stellte sich heraus, dass die gesamte Elektronik, die Wasserleitungen und die Küche komplett erneuert werden mussten. Neue Fliesen, neue Geräte, neue Sanitäranlagen mussten her. "Es war wie eine Komplettentkernung", sagt der Mann, der ein goldenes und ein hölzernes Kreuz an Ketten um den Hals trägt. Die Fassade wurde neu in zartem Gelb gestrichen, das lange Schild "Apfelweinwirtschaft Frank" über der Tür restauriert, die Decke im Gastraum neu gestaltet, die historischen Butzen-Fenster komplett renoviert, das Parkett abgeschliffen, die Holztäfelungen überarbeitet und geölt. Sogar die goldfarbenen Garderobenhaken an den Tischen haben wieder ihren alten Glanz.

Apfelwein Frank: Bembel, Blech und Bänke

"Wenn schon, denn schon", war sein Motto für das Lokal, das 1949 vom Ehepaar Frank eröffnet wurde. Ein riesiges Foto zeigt die beiden, wie sie in der Mini-Nische neben der Bar sitzen. Auch die Nische gibt es noch. Seit 2004 ist der "Frank" ein Apfelweinlokal. "Die gesamte Technik und alles im Hintergrund ist nagelneu. Das Lokal selbst ist so, wie man es kennt. Nur komplett aufbereitet." 50 Sitzplätze gibt es unter Bembeln, Blech-Eintracht-Tafel und historischen Fotos an gemütlichen Holztischen und Bänken. Im Garten sind es 40 Plätze. "Ich hoffe, die Möbel kommen rechtzeitig. Sie sind beim Transport gestohlen worden und müssen neu gemacht werden", so der Wirt.

Für die Eröffnung am Montag hat er notfalls noch Bierbänke und Tische. "Aber die richtigen Möbel sind dann schon viel gemütlicher. Hoffentlich sind sie rechtzeitig da." Laios wird tatkräftig von seiner Mutter Vaia unterstützt. "Ich helfe überall", meint sie schmunzelnd. In der Küche, an der Bar und im Hintergrund ist sie dabei. "Das macht mir Spaß, Erfahrung habe ich und ich freue mich, dass jetzt endlich alles fertig ist." Vier bis sechs Personen werden mitarbeiten.

Die Küche wird ähnlich wie zuvor. Handkäs, Schneegestöber, Vesperteller, Rippchen mit Kraut, Grüne Soße und Ei und viele andere Frankfurter Gerichte. Der Ebbelwei kommt wieder von der Griesheimer Kelterei Nöll. Bier wird es künftig nicht mehr von Binding geben, sondern von Glaabsbräu aus Seligenstadt. "Hefe, Pils und Helles kommen vom Fass", freut sich Laios. "Das ist eine kleine Brauerei und es geht alles familiär zu", erklärt er den Wechsel. Immer wieder schauen neugierige Nachbarn rein, fragen, wann es endlich wieder losgeht.

Sie sind erleichtert. Eine junge Frau kommt vorsichtig rein, schaut sich um und strahlt. "Toll, dass Sie alles so urig gelassen haben. Ich hatte schon totale Panik, dass hier alles verschlimmbessert wird." Sie und ihre Nachbarn hatten jahrelang einen Freitagsstammtisch im Lokal.

Apfelwein Frank: Wieder Stammtisch

"Die Wartezeit war schlimm für uns. Wir sind jetzt eine Whatsapp-Gruppe geworden und kein richtiger Stammtisch mehr. Ab nächsten Freitag kommen wir auf jeden Fall wieder", sagt sie und tippt die News in ihre Gruppe. "Hier gibt's ja auch die besten Bratkartoffeln überhaupt", meint sie. Laios freut sich. "In den vergangenen Tagen kommen dauernd Leute rein und gucken. Sie reagieren positiv und erzählen wohl weiter, dass wir wieder da sind. Allein dafür hat sich der Totalumbau gelohnt."

Sabine Schramek 

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