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Lässt sich vom Umweltamt nicht gern Vorschriften machen: Edgar Knebel steht in seiner Werkhalle am Frankfurter Berg.

Rechtsstreit

Arbeitsplätze oder Umweltschutz - Streit über ungenehmigte Werkhalle im Frankfurter Grüngürtel 

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Edgar Knebel hat im Frankfurter Grüngürtel ohne Genehmigung eine Werkhalle gebaut. Nun ist er im Streit mit dem Umweltamt. Die streitenden Parteien haben grundlegend verschiedene Ansichten zum Thema Umweltschutz.

  • Ein Frankfurter baut eine Werkhalle ohne Genehmigung
  • Der Bau steht im Frankfurter Grüngürtel
  • Umweltamt und Bauherr interpretieren den Umweltschutz unterschiedlich

Frankfurt - Edgar Knebels Ärger mit dem Umweltamt hat eine lange Geschichte. Im Stadtteilrand des Frankfurter Bergs hat er seine Firma „Knebel Metalltechnik“ am Walnußweg. Sie steht auf der grünen Wiese, zwischen Wohnhäusern, dem Lachegraben und der Autobahn 661. 

In den überraschend leisen Werkshallen stellt das Unternehmen etwa für Fraport seit 40 Jahren die Rollen her, auf denen das Gepäck zum Flugzeug transportiert wird. Es produziert Gehäuse für die Geräte, mit denen Metzger ihr Fleisch luftdicht verpacken. Auch baut die Firma Werkzeugkisten für Lufthansa.

Frankfurt: Arbeitsplätze wichtiger als Naturschutz?

Knebel läuft langsam durch die Werkshallen. Mit einem jungen Mitarbeiter wechselt er in strengem Ton zwei Sätze und geht weiter. „Das ist ein guter Mann“, sagt er. Der Mitarbeiter habe bei ihm seine Lehre gemacht und wurde übernommen. „Der Junge hat es begriffen.“

85 Festangestellte und fünf Leiharbeiter verdienen derzeit ihr Geld bei „Knebel Metalltechnik“. Diese Zahl ist wichtig für den 81 Jahre alten Geschäftsführer. Denn in seiner Vorstellung lassen sich Arbeitsplätze und Naturschutz nur schlecht gegeneinander abwägen. Das Argument „Arbeitsplätze“ sticht für ihn immer - egal was das Umweltamt sagt.

Knebel sieht sich als einen Macher. Er erzählt etwa die Geschichte, wie er einmal einen Auftrag mit jährlich 15 Millionen Euro Umsatz an Land gezogen habe. Dafür habe er zwei Maschinen und eine neue Werkshalle gebraucht - und das in nur zwei Wochen. Der Maschinenhersteller fand das utopisch. Aber Knebel machte Druck. „Wo willst du die überhaupt hinstellen?“, soll der Hersteller gefragt haben. Für Platz hat Knebel dann gesorgt. Noch in derselben Woche habe er begonnen, das Fundament für eine neue Halle zu gießen. Zwei Wochen später habe sie gestanden, die Maschinen seien geliefert worden und die Produktion konnte beginnen.

Frankfurt: Langer Rechtsstreit mit dem Frankfurter Umweltamt

Eine Baugenehmigung habe er für die Werkhalle nicht eingeholt. Auch etwa der Parkplatz für seine Mitarbeiter war nicht genehmigt. Knebel hat mit Schotter auf der Wiese den Untergrund befestigt. „Irgendwo müssen meine Mitarbeiter ja ihre Autos abstellen“, argumentiert Knebel. Eine Baugenehmigung hätte er wohl auch nicht bekommen. Das Grundstück ist Teil des Grüngürtels.

Schon 2003 ordnete das Verwaltungsgericht Frankfurt an, die Werkshalle zu entfernen, den Schotterparkplatz zu beseitigen und „das Grundstück von allen Ablagerungen zu säubern und brach liegen zu lassen“. Knebel kam dem nicht nach. Deshalb befindet er sich noch immer mit dem Umweltamt in Rechtsstreitigkeiten. Aus diesem Grund könne das Amt zu dem Fall nicht Stellung nehmen, sagt Peter Dommermuth, Leiter des Umweltamts. In dem Fall stehen sich aber zwei Verständnisse von Naturschutz gegenüber.

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Es ist die „Verordnung über das Landschaftsschutzgebiet 'Grüngürtel und Grünzüge in der Stadt Frankfurt am Main'“, die die Wiese an der A661 zur schützenswerten Grünfläche erklärt. Genauer gesagt, definiert die Verordnung die Fläche als Schutzzone II - die Zone mit den strengeren Auflagen. „Die Zone II umfasst ökologisch bedeutsame Wiesen, Streuobstbestände, Brachen, Auenbereiche und Feuchtgebiete“, heißt es in der Verordnung. Sie soll etwa die „nachhaltige Entwicklung der natürlichen Vegetation und der vielfältigen Biotopstrukturen als Lebensstätten und Standort zahlreicher Tier- und Pflanzenarten“ erhalten. Auch sollen die Flächen der Zone II auch zukünftig für „Kalt- und Frischluftentstehung“ sorgen.

„Wir sind hier direkt neben der Autobahn“, sagt Knebel dazu. „Was hier im Boden wächst, würde ich nicht essen wollen.“ Es sei wegen der Schnellstraße absurd, von einer schützenswerten Grünfläche zu sprechen, ihn deshalb zu zwingen, seine Werkshalle abzureißen und folglich Mitarbeiter entlassen zu müssen. „Meine Leute arbeiten in einer Branche, in der gerade viele Betriebe kaputt gehen, weil die Autoindustrie in der Krise steckt.“

Frankfurt: Ein Teich in Frankfurter Landschaftsschutzgebiet angelegt

Knebel glaubt, selbst im Sinne der Umwelt zu handeln. Zumindest sagt er das. Bei dem Schotterparkplatz könne das Wasser versickern. Außerdem hat er auf dem Gelände einen kleinen Teich mit Fischen angelegt. Blumen stehen da und eine Bank. „Deswegen sind hier jetzt Insekten und Vögel.“

Knebel scheint eine Checkliste im Kopf zu haben. Manches ist gut für die Umwelt, etwa für Sickerflächen zu sorgen oder Raum für Insekten zu schaffen. Anderes ist schlecht, etwa den Boden zu versiegeln.

Wenn es um Zone II geht, ist das zentrale Wort in der Grüngürtel-Verordnung aber „erhalten“. Darum ist in ihrem Sinne Knebels Teich wohl ein weiterer Eingriff in das Landschaftsschutzgebiet. Insekten hin oder her. „Völlig ungenutztes Brachland kommt unter Naturschutzgesichtspunkten insbesondere im Stadtgebiet eines Ballungszentrums wie dem Rhein-Main-Gebiet große Bedeutung zu“, heißt es im Beschluss des Verwaltungsgerichts 2003. Doch auch der Richter nennt den Bau der Autobahn 661 „höchst problematisch“.

von Friedrich Reinhardt

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