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Ein Polizist in Frankfurt

Frankfurt: Wo Asphalt-Toreros das Ampel-Chaos stoppen

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Polizisten beweisen im Berufsverkehr gute Nerven und Fingerspitzengefühl

Frankfurt -Mal fallen Ampeln aus, mal werden sie gewartet. Dann ist Einsatzzeit der Verkehrspolizisten des Straßenverkehrsamtes der Stadt Frankfurt. Mitten in Abgasen und nah dran an den Fahrzeugen regeln sie den Verkehr so, dass möglichst wenig Stau entsteht und ihre eigene Sicherheit an erster Stelle steht.

"Ausser Betrieb" steht in altmodischer Schrift auf länglichen dünnen Brettern an den Ampelanlagen an der Ecke Leunastraße und Emmerich-Josef-Straße in Höchst. Siemens-Servicetechniker Thomas Fuxa steigt auf eine Klappleiter und hängt die Lichtscheiben an sechs Ampeln damit ab. Es ist Zeit für die "große Inspektion" der Verkehrssignalanlage. Alle zwei Jahre wird so jeder Schaltgang kontrolliert . Dafür müssen ältere Ampelanlagen für mehrere Stunden abgeschaltet werden. "Diese Anlage hier ist 30 Jahre alt", so Fuxa. "Wir kontrollieren sie alle halbe Jahre und machen so etwas wie den TÜV alle zwei Jahre."

Während er zwischen Leitern und Schaltkasten pendelt, bewegen sich zwei Männer mit weißen Mützen, weißen Handschuhen und neongelb-orangenfarbenen Jacken und Trillerpfeife mitten auf den Fahrspuren. Einen Schritt vor, einen zurück, Hände ausgestreckt oder winkend. Julio Gonzales steht mit dem Rücken zu den Fahrzeugen, deren Fahrer es eilig haben. Die Arme ausgestreckt und den Blick auf seinen Kollegen Mario Lagona auf der gegenüberliegenden Seite stoppt er so den Verkehrsfluss.

Wie Dompteure und wilde Tiere

Wären die Autos, Motorräder, Lastwagen und Traktoren Löwen oder Tiger, könnte man die beiden Verkehrspolizisten als Dompteure bezeichnen. Jede Bewegung hinter, vor und neben sich beobachtend, bewegen sie sich grazil und setzen darauf, dass die Fahrer sich daran halten, was sie per Handzeichen vorgeben.

"Manche fahren einfach weiter", berichtet Lagona. "Die verstehen das offenbar nicht", vermutet er. Er ist konzentriert und doch entspannt, obwohl er schon einmal angefahren worden ist und auf einer Motorhaube landete. "Zum Glück ist nicht viel passiert, aber ein Schreck war es schon", so Lagona.

"Angst darf man nicht haben. Respekt muss sein", ergänzt Gonzalez lachend, während direkt hinter seinem Rücken ein mit dampfendem Mist vollgeladener Traktor fährt und direkt vor seinem Bauch ein Mercedes passiert. Er steht quer zwischen zwei Fahrstreifen und bewegt sich geschickt. "Man nimmt alles wahr, wenn man ausreichend Erfahrung hat", sagt er, während er seinem Kollegen zunickt und noch zwei Motorräder durchwinkt.

"Man sieht weit aus den Augenwinkeln und hört jedes Geräusch. Motoren, Reifen und Schritte von Fußgängern. Es ist so ähnlich, als ob man spürt, dass man angestarrt wird, obwohl man es nicht sieht", beschreibt er das Empfinden mitten im Verkehr. Er lässt die Fahrer auf beiden Geradeausspuren anhalten und die Linksabbieger abbiegen. Manche Fahrer nicken und lächeln, andere fahren winkend einen Bogen um ihn und einige Wartende trommeln mit den Fingern auf dem Lenkrad.

Je stärker der Verkehr, desto mehr machen die Männer den Eindruck von Toreros auf Asphalt. Minimale Ausweichmanöver mit den Körpern und maximal klare Handzeichen. Dennoch kommt es vor, dass Leute einfach weiterfahren, obwohl ihnen Halten angezeigt wird.

"Wir sind hier, um den Verkehr zu regeln", so Gonzalez. "Aber in solchen Fällen schreiben wir dann schon mal ganz schnell mit dem Kugelschreiber das Kennzeichen und die Uhrzeit auf das Handgelenk. Dann wird es teuer. Richtig teuer. Teurer, als bei Rot weiterzufahren. Da kommt eben noch dazu, dass sie auf Menschen losfahren", meint er schulterzuckend.

Lärm und Abgase stören die Verkehrspolizisten nicht so sehr. Nervig seien eher Insekten im Sommer, die "wie magisch von den Neonfarben auf unseren Jacken angezogen werden. Das kann schon irritieren, denn Wegscheuchen mit der Hand würden Verkehrsteilnehmer falsch verstehen."

Hagel, Glätte, Schnee und Starkregen

Auch Hagel, Schnee, Glätte und Starkregen seien "nicht so prickelnd. Hagel tut richtig weh", sind sich Gonzalez und Lagona einig. "Bei Glätte, Schnee und Starkregen kommen noch die längeren Bremswege der Lastwagen und Autos dazu."

Sich selbst in Gefahr bringen würden sie sich nicht. Da beide trotz 17 und 20 Jahren Dienstzeit als Verkehrsbändiger noch fröhlich und gesund sind, stockt der Atem weniger, wenn Fahrzeuge fast spürbar an ihnen vorbeifahren.

"Wenn das Wetter zu heftig ist und Kreuzungen für uns zu unsicher sind, stellen wir den Streifenwagen mit Blaulichtsignal hin. Dann wissen die Verkehrsteilnehmer frühzeitig, dass etwas Ungewöhnliches ist", so Gonzales.

Fuxa prüft, putzt und testet. Nach einigen Stunden nickt er zufrieden, klettert auf seine Leiter und hängt die Wartungsschilder ab. Die Stadtpolizisten ziehen ihre weißen Kappen und weißen Handschuhe aus und überlassen den Ampelmännchen den Verkehr. Sabine Schramek

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