+
Thomas Reiter, Ex-Astronaut und heute in führender Position bei der Esa beschäftigt, im Gespräch mit dem Chefredakteur dieser Zeitung, Matthias Thieme. 

Weltraum

Zu Gast auf dem roten Sofa: Ehemalige Astronaut Thomas Reiter schwelgt in Erinnerungen

  • schließen

Der gebürtige Hesse Thomas Reiter war schon zwei Mal als Astronaut im All. Auf dem "Roten Sofa", einer Veranstaltung der FNP und der Sparkasse Frankfurt, erzählte er von seinen Erinnerungen an unendliche Weiten.

Frankfurt - Völlig losgelöst von der Erde schwebt das Raumschiff, völlig schwerelos. So heißt es schon in dem Lied "Major Tom" von Peter Schilling. In dem "Neue Deutsche Welle"-Hit geht es um einen Astronauten, der die Erde beobachtet. Peter Schilling selbst war aber nie im Weltraum, hat nie unendliche Weiten erlebt.

Der Neu-Isenburger Thomas Reiter allerdings schon. Gestern Abend saß der ehemalige Astronaut, der als erfahrenster Raumfahrer Europas gilt, als Talk-Gast auf dem Roten Sofa, einer Veranstaltung dieser Zeitung und der Frankfurter Sparkasse in den Räumen des Physikalischen Vereins, der zwei Sternwarten betreibt. 140 geladene Gäste darunter Max Rempel, Geschäftsführer der Mediengruppe Frankfurt, der Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Sparkasse, Robert Restani, PR-Fachmann Steffen Ball, Primus- Linien-Chefin Marie Nauheimer, der Intendant vom Fritz-Rémond-Theater, Claus Helmer, und viele mehr waren gekommen, um dem Gespräch zwischen Thomas Reiter und Matthias Thieme, Chefredakteur dieser Zeitung, zu lauschen.

PR-Fachmann Steffen Ball und Claus Helmer, Intendant des Fritz-Rémond-Theaters.

Frankfurt: Astronaut Thomas Reiter auf "Rotem Sofa"  -  Ein Brief und ein Fax

Der heute 61-Jährige erzählte, dass er schon als Kind Astronaut werden wollte. Das schrieb er sogar, als er elf Jahre alt war, 1969 in einem Brief an Neil Armstrong, der damals als erster Mensch den Mond betrat. Darin schilderte er auch, dass er gerne dabei gewesen wäre, die Liveübertragung aber immerhin im Fernsehen verfolgen konnte.

Maßschneider Stephan Görner mit Apfelwein-Erbin Johanna Höhl. 

Jahrzehnte später war Reiter selbst Astronaut. Im November 1995 flog er zur russischen Raumstation Mir. Dort erreichte ihn ein Fax von Neil Armstrong. "Ich schicke meine aufrichtig besten Wünsche für den Erfolg Ihres Fluges, für die Erledigung sämtlicher Flugziele und Ihre erfolgreiche Rückkehr zur Erde", stand darin. Der Brief, 26 Jahre zuvor, hatte den US-Amerikaner gar nicht erreicht. Doch es gab eine Kopie, und die hatte Reiters Frau einem Nasa-Kollegen zugesteckt. Der hatte ihn an das Büro Armstrongs weitergeleitet. "Ich war wirklich gerührt. Damit hatte ich nicht gerechnet", sagt Reiter.

Die Primus-Linien-Chefin Marie Nauheimer mit dem wissenschaftlichen Direktor des Physikalischen Vereins, Bruno Deiss. 

Veranstaltung in Frankfurt mit Astronaut Thomas Reiter - Raumfahrt im Alltag

Doch wie ist es, im Weltall zu schweben? "Atemberaubend", sagt der Raumfahrer. Der Blick auf die Raumstation von außen, dahinter geht gerade die Sonne auf, die vielen Sterne, die Erde von oben. "Das alles nimmt einem den Atem. Man kann es schlecht erklären, weil es einfach mit nichts zu vergleichen ist", sagt Reiter, der als erster Deutscher eine Raumstation verlassen hatte. Im Juli 2006 flog er erneut ins All, diesmal zur internationalen Raumstation ISS. Insgesamt war Reiter 350 Tage im Weltraum.

"Das All hat seit jeher eine Anziehungskraft auf die Menschen", sagt Robert Restani (rechts), Chef der Frankfurter Sparkasse. Max Rempel (links im Foto), Geschäftsführer der Mediengruppe Frankfurt und Chefredakteur dieser Zeitung, hingegen war damals noch nicht geboren. 

Inzwischen ist Reiter Esa-Koordinator für internationale Agenturen und Berater von Generaldirektor Jan Wörner. "Die Raumfahrt bestimmt unseren Alltag viel mehr, als uns bewusst ist", sagt der Experte. So würden uns die Satelliten im Weltall die Daten für unsere Navigationsgeräte im Auto liefern, Informationen für die Erdbeobachtung und die Städteplanung. Zudem könnten mit Hilfe der Bilder aus dem All die Ausmaße nach Naturkatastrophen und die des Klimawandels erkannt werden.

Auch die beiden Leserinnen Rosemarie Deister (links) und Ingrid Leisse hörten Thomas Reiter zu.

Frankfurt: Tomas Reiter im Gespräch - "Es gibt keinen Planeten B"

"Wir können das Leben auf der Erde verbessern", sagt Reiter. "Es gibt keinen Planeten B. Wir dürfen unsere Erde nicht abwirtschaften." Auch wenn der ehemalige Astronaut hofft, dass in 20 oder 30 Jahren die Menschen auf den 75 Millionen Kilometer entfernten Mars fliegen können. "Weil wir den Planeten erforschen wollen, weil wir da viel über uns selbst lernen können." Er selbst würde dann gerne mit auf diese Reise gehen, die gut sechs Jahre dauern kann. "Das wird kein Zuckerschlecken, wäre aber ein weiterer Traum von mir."

Von Julia Lorenz

Schon als Kind wollte der gebürtige Hesse Thomas Reiter ins Weltall fliegen. Sein Traum wurde wahr. Er ging sogar als erster Deutscher im Weltraum spazieren – aber trotz aller Begeisterung sieht er auch die Kehrseiten des Berufs.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare