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Die Fallzahlen in Frankfurt zeigen es: Der Spitzenwert vom Frühjahr ist deutlich überschritten. Grafik: FNP

Corona-Pandemie

Frankfurt: Auf der Suche nach den größten Virenschleudern

  • vonMark-Joachim Obert
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Wo und wie ist Corona am wirkungsvollsten abzubremsen? Heute berät der Krisenstab der Stadt.

Frankfurt -Die Zahl der mit dem Sars-Cov-2-Virus Infizierten steigt in Frankfurt weiter rasant, 172 registrierte Fälle kamen laut Robert-Koch-Institut am Dienstag hinzu, zwei Menschen starben. Die 7-Tage-Inzidenz gab das Institut auch gestern mit 71 auf 100 000 Einwohner an. Das Gesundheitsamt hatte vorgestern nach einem Übertragungsfehler den Wert auf 74,8 korrigiert, knapp unterhalb der nächsten Warnstufe.

Die Uniklinik Frankfurt hatte bereits am Dienstag dieser Zeitung mitgeteilt, dass wieder vermehrt Patienten eingeliefert würden. Genaue Zahlen konnte die Klinik gestern auf Nachfrage nicht liefern. Der NDR fasst auf tagesschau.de jedoch Daten zusammen, die er von der Stadt erhalten habe. Danach seien zwischen Mai und September etwa zehn Prozent der Infizierten ins Krankenhaus eingeliefert worden. In den ersten beiden Oktoberwochen sei dieser Wert sprunghaft angestiegen, auf 37 Prozent.

Angesichts solcher Trends rechnet die Epidemiologische Gesellschaft damit, dass die Intensivstationen in manchen Metropolen bereits in den kommenden Wochen an ihre Grenzen geraten könnten. Grund für diese Befürchtung sei die zeitliche Verzögerung zwischen Infektion und schwerem Krankheitsverlauf. Die Epidemiologen vermuten zudem, dass sich unter den Herbst-Infizierten bereits viele ältere Menschen und Risikopatienten befinden - anders als bei den Fällen im Sommer, die überwiegend jüngere Menschen betrafen. Auch dazu konnte die Uniklinik Frankfurt gestern keine Angaben machen. Zurzeit seien noch ausreichend Betten vorhanden, hieß es vorgestern.

Heute will der Krisenstab der Stadt darüber beraten, inwiefern die bisherigen Maßnahmen der aktuellen Entwicklung angepasst werden sollten. Die Bundesregierung hat gestern in der Bund-Länder-Konferenz mit einem Beschlussvorschlag deutlich gemacht, wie sie sich einen wirkungsvollen Katalog vorstellt: Sperrstunden bereits ab einer 7-Tage-Inzidenz von 35, Ausweitung der Maskenpflicht, Schließung von Bars und Clubs, starke Einschränkung privater Partys. In Hessen sollen Bars und Clubs ab nächstem Montag wieder öffnen dürfen - mit Tanzverbot, also quasi als Gaststätten. Die Frankfurter Clubszene hat darauf unterschiedlich reagiert. Ein Argument der Kritiker wie auch der Kritiker der Sperrstunde lautet: Vertreibt man Leute aus Orten mit überwachten Hygienekonzepten, organisieren besonders die Feierwütigen Privatpartys ohne jede Vorsicht.

Das Verwaltungsgericht Frankfurt folgte dieser Argumentation gestern nicht und wies die Eilanträge von Clubbetreibern gegen die Sperrstunde ab 23 Uhr ab. Die Verordnung der Stadt werde dem "öffentlichen Bedürfnis" gerecht, urteilte das Gericht, die Antragsteller hingegen verkennten den Ernst der Lage. Tatsächlich aber legen Nachverfolgungen und entsprechende Auswertungen nahe, dass private Veranstaltungen in geschlossenen Räumen die weitaus stärksten Infektionstreiber sind. Nicht auszuschließen, dass Frankfurt hier schärfere Regeln beschließt.

Wichtig sei so oder so, dass die Stadt die Einhaltung ihrer Regeln stark kontrolliert und notfalls schmerzhafte Bußgelder verhängt, hieß es gestern seitens des Hotel- und Gaststättenverbandes. Es müsse endlich verhindert werden, dass einige schwarze Schafe die Lage für alle verschlimmerten. mjo

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