Die Radfahrer freut's, den Autofahrern stinkt's: Die neue Radspur auf der Hochleistungsachse Friedberger Landstraße verursacht Staus. Und in dem stecken auch Straßenbahnen und Busse. Die Abgase bleiben und dreiste Motorradfahrer freuen sich über den roten "Teppich".
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Die Radfahrer freut's, den Autofahrern stinkt's: Die neue Radspur auf der Hochleistungsachse Friedberger Landstraße verursacht Staus. Und in dem stecken auch Straßenbahnen und Busse. Die Abgase bleiben und dreiste Motorradfahrer freuen sich über den roten "Teppich".

Mobilität

Neue Fahrradwege in Frankfurt: Autofahrer müssen dafür länger im Stau stehen

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    vonDennis Pfeiffer-Goldmann
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Neue Fahrspuren in Friedberger Landstraße zwingen Autos, Trams und Busse in den Stau. Verkehrsdezernent rechnet mit Verspätungen von bis zu zwei Minuten.

  • Fahrradwege in Frankfurt bringen einen Paradigmenwechsel im Stadtverkehr mit sich
  • Autofahrer müssen laut Verkehrsdezernat mit mehr Stau rechnen
  • Weitere Fahrradwege sind geplant

Frankfurt - Mit neuen, knallroten Fahrspuren bekommen Radfahrer auf der vielbefahrenen Friedberger Landstraße jetzt Vorrang eingeräumt. Was die Pedalisten freut, ärgert nicht nur Autofahrer, die fortan wohl länger im Stau stehen. Sondern ausgerechnet die Nutzer anderer sauberer Verkehrsmittel bekommen nun ebenfalls Anlass, sich zu ärgern.

Frankfurt: Aufschwung des Radverkehrs hinterlässt Spuren

Der Aufschwung des Radverkehrs hinterlässt überall in der Republik Spuren. Wo in anderen Städten mit der Corona-Pandemie temporäre Pop-up-Radspuren gelb markiert werden, ist Frankfurt meist nachhaltiger unterwegs. Hier werden Autospuren gleich dauerhaft zu breiten Radspuren ummarkiert. Beschlossen hatten das die Stadtverordneten bereits 2019 mit einem großen Ausbauprogramm für den Radverkehr.

Frankfurt als Fahrradstadt: Es kommen weitere Radwege hinzu

Als wichtigstes erstes von vielen Projekten läuft aktuell das Markieren der knallroten Radstreifen auf einer der wichtigsten Nord-Süd-Straßenachsen: von Alt-Sachsenhausen über den Main und die Konstablerwache bis zum Friedberger Tor rollen die Zweiräder bereits auf eigenen Spuren. In den Osterferien war die rote Farbe nördlich der Battonstraße aufgebracht worden. Seit Sonntag leuchtet der Radstreifen auch zwischen Friedberger Tor und Friedberger Platz rot - außer einer 200 Meter langen provisorisch markierten Lücke in Höhe Bethmannpark. Diesen Sonntag soll die Signalfarbe letztlich auf der Stadteinwärtsfahrbahn aufgebracht werden, kündigt Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) an.

Fahrradstadt Frankfurt: "Wie es wirkt, werden wir sehen"

Weniger Platz für Autos? Natürlich werde das zu "einem Rückstau-Problem" führen, räumt der Dezernent ein. Doch das hat Folgen: Nördlich des Friedberger Platzes teilen sich Autos und Straßenbahn eine Fahrspur. Stehen diese dann mit im Stau?

Ampelphasen würden angepasst, um das möglichst zu verhindern, erklärt Oesterling. Doch: "Wie es wirkt, werden wir sehen", sagt der Dezernent. Denn Autofahrer verhielten sich nicht immer so, wie Fachleute und Modelle das prognostizierten. "Das sieht man ja in Sachsenhausen." Dort fahren seit vorigem Sommer viele Autos und Lastwagen durch den Stadtteil, weil sie nicht mehr über den versuchsweise gesperrten Mainkai fahren können.

Frankfurt: Neue Fahrradwege führen zu Autostaus

Will man die Straßenbahngleise auf der Fahrbahn staufrei halten, müsste spätestens die Ampel am Nibelungenplatz wie eine Pförtnerampel den Zufluss von Norden her stark dosieren. Das aber würde den Stau weit durchs Nordend nach Norden verlagern - wohl so weit, dass er sogar auf die A 661 übergehen könnte. Davor hat das Straßenverkehrsamt intern offenbar bereits gewarnt. Denn zum Nibelungenplatz sind es von der Autobahnabfahrt nicht einmal zwei Kilometer. Und auf dieser Strecke gibt es schon heute oft in großen Abschnitten lange Staus.

Gegen Rückstau bis auf die A 661 aber hat die Landesstraßenbehörde "Hessen Mobil" als Hüterin des flüssigen Verkehrs auf Autobahnen etwas: "Es gibt die klare Vorgabe, dass ein Rückstau oder eine Verlängerung des Rückstaus auf die A 661 zu vermeiden ist", erinnert "Hessen Mobil"-Sprecher Andreas Mehring. Die Verkehrssicherheit auf der Autobahn dürfe nicht beeinträchtigt werden.

Frankfurt: Ein bis zwei Minuten Verspätung erwartet

Daher sei auch das Ziel, dass "die Stausituation nicht über die Rat-Beil-Straße nach Norden bestehen sollte", betont Oesterling. Womit es wohl doch Staus auch auf der von Autos und Tram gemeinsam genutzten Fahrbahn geben dürfte. Mit "ein bis zwei Minuten Fahrzeitverzögerungen" für die Straßenbahnen der Linien 12 und 18 sowie die Buslinie 30 rechnet der Dezernent. Das sei aber nur das "Worst-Case-Szenario".

Entsetzt reagiert Bettina Wiesmann darauf: "Die Fahrbahnmarkierungen sind notwendig, der Radverkehr besonders wichtig - allerdings muss dieser sorgsam integriert werden, sonst wird's eng", erklärt die CDU-Bundestagsabgeordnete aus dem Nordend. Daher müssten die Radspuren planerisch in den Verkehrsfluss integriert werden. "Es kann nicht sein, dass drei ÖPNV-Linien ausgebremst werden, die wir doch eigentlich fördern sollten."

Rückstaus führten nicht nur zu schlechteren Luftwerten und damit einer Belastung für die Umwelt, sondern auch für die Anwohner, warnt die Abgeordnete. Deshalb müsse die Ampelschaltung an den neuen Verkehrsfluss angepasst werden.

Zudem fordert Bettina Wiesmann, dass auf der A 661 auch auf andere Zufahrten zur Stadtmitte aufmerksam gemacht wird, statt - wie bisher - nur über die Friedberger Landstraße. "Da bieten sich beispielsweise die Anschlussstellen Eckenheim und Ost an, um das Nordend zu entlasten." (Von Dennis Pfeiffer-Goldmann)

In Frankfurt wird Fahrrad fahren übrigens immer beliebter. Zufußgehen und öffentlicher Nahverkehr sind weniger gefragt.

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