Illegales Autorennen auf A66 bei Hofheim: Feuerwehr- und Polizeifahrzeuge stehen nach dem Unfall auf der A66.
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Nach einem illegalen Autorennen auf der A66 passiert ein schwerer Unfall. Gefühlt nehmen die waghalsigen Rennen zu - ein Autobahnpolizist erzählt.

Illegale Autorennen

Ein Autobahnpolizist zu Rasern und Rennen rund um Frankfurt: „Wie ein Computerspiel“

  • Isabel Wetzel
    vonIsabel Wetzel
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Raser, Rennen, Rücksichtslosigkeit. Ein Autobahnpolizist erzählt wie sich die Raser-Situation auf den Autobahnen rund um Frankfurt entwickelt – und wie Sie sich schützen können. 

  • Rund um Frankfurt finden immer wieder illegale Autorennen statt, bei denen oft auch Unschuldige verletzt werden.
  • Ein Autobahnpolizist erzählt, wie sich die Raser-Situation im Rhein-Main-Gebiet entwickelt.
  • Außerdem gibt er Tipps, wie man sich selbst in einer solchen Situation schützen kann.

Frankfurt - Er war vor kurzem erst wieder auf der Autobahn nach Frankfurt unterwegs. Mit einem älteren Wagen, er fuhr nicht besonders schnell, aber auch nicht außergewöhnlich langsam. Gerade überholt er ein anderes Auto. In einem Moment, der nur wenige Sekunden dauert, schießt plötzlich rechts ein weiteres Fahrzeug an ihm vorbei. Er hat es kaum kommen sehen und konnte gerade so erkennen, dass es ein Audi A7 gewesen sein musste. Das Kennzeichen? Keine Chance.

„Wäre ich einen Moment früher wieder rechts rübergefahren, wäre ich jetzt vermutlich mausetot“, erzählt er. Er selbst ist Autobahnpolizist: Autobahnen, Raser und Verkehrssünder sind sein tägliches Geschäft. Trotzdem geht es oft so schnell, dass die gefährliche Situation schon wieder vorbei ist, bis man sie überhaupt erkannt hat. Der Autobahnpolizist erzählt uns, wie sich die Situation mit Rasern und illegalen Rennen auf den Autobahnen rund um Frankfurt aktuell entwickelt und wie man sich selbst schützen kann. Er möchte nicht namentlich genannt werden.

Autobahnen rund um Frankfurt: Die Zahl illegaler Autorennen nimmt zu

„Es geht einfach super schnell“, erklärt er. Und solange noch nichts Schlimmes passiert ist, ist es oft sehr schwierig, die Raser zu erwischen. Oft gehen die gefährlichen Überholmanöver so schnell, dass nicht einmal das Modell des Autos erkannt wird, geschweige denn ein Kennzeichen. Daher wird die verhängnisvolle Fahrweise vergleichsweise selten angezeigt. Und doch hat man das Gefühl, es ständig in den Nachrichten zu lesen. Die Polizeiautobahnstation Frankfurt ist auf den Autobahnen und allen mehrspurigen Bundesstraßen rund um die Mainmetropole Frankfurt im Einsatz. Die Beamten betreuen eine Gesamtstrecke von 101 Kilometern, fünf Autobahnkreuze und drei Autobahndreiecke.

Auf diesen Strecken haben es die Polizistinnen und Polizisten immer wieder mit Rasern und illegalen Autorennen zu tun. Gefühlt nimmt die Zahl der Rennen zu – man hört es immer wieder. Die Polizei hat auch das Gefühl es würde mehr, genaue Daten hat sie keine. Betrachtet man nur die letzten vier Wochen auf der A66 zwischen Wiesbaden und Frankfurt lässt sich das Gefühl besser fassen:

Und das sind nur die extremen Fälle auf der A66, die in den Medien Wellen geschlagen haben und die Konsequenzen nach sich ziehen werden.

Illegale Autorennen auf der A66 – Warum hier?

Die A66 macht den Eindruck, als Rennstrecke besonders attraktiv für die Raser zu sein. Der Autobahnpolizist glaubt daran allerdings nicht. Die A66 sei zu schmal, es gebe kaum gerade Streckenabschnitte, dafür viele Baustellen. Die A3 sei da deutlich reizvoller. Von Frankfurt in Richtung Würzburg ist die Autobahn teilweise vier- bis fünfspurig ausgebaut, „wie eine Rennstrecke“. Der erfahrene Polizist glaubt, dass es hier gehäuft zu illegalen Autorennen kommt, hängt eher mit der Region zusammen. Frankfurt am Main, Wiesbaden, Bad Homburg – hier gibt es einfach viele schnelle Autos.

Raser und illegale Autorennen – „Das ist für sie wie ein Computerspiel“

Das scheint auch oftmals der Grund zu sein, warum es überhaupt zu illegalen Autorennen kommt: viele schnelle Autos. Häufig kennen sich die Täter nämlich gar nicht und verabreden sich nicht extra für ein Rennen. Die Situatioen entwicklen sich eher dynamisch Entwicklung, erklärt der Beamte: „Man ist mit einem Lamborghini unterwegs, plötzlich rast ein Porsche 911 Turbo an einem vorbei. Da muss man sich vergleichen ‚Mein Lambo kann mehr. Zeig mal, was der 911 drauf hat.‘“ So schaukeln sich die Fahrer gegenseitig hoch und schon entsteht ein Rennen.

Doch nicht immer gehören zwei oder drei Fahrer dazu. Für viele sei es auch einfach der Kick, die Lücken zu finden und zu nutzen, schnell voranzukommen obwohl viel los ist, „Lückenspringen“, nennt sich das. „Das ist für sie dann wie ein Computerspiel“, sagt der Autobahnpolizist. Die Fahrer würden ohne Rücksicht auf Verluste den Adrenalinkick suchen, hätten keinen Schimmer was sie tun oder was passieren kann. Genau das macht vielleicht auch die A66 attraktiv. Eine stark befahrene, schmale Autobahn, die Lücken sind klein. Wenn man sie findet und trotzdem schnell vorankommt, gibt das erst den richtigen Kick. Aber das ist alles eher Spekulation.

Was kann die Polizei gegen die illegalen Rennen tun?

Was aber lässt sich gegen die Raserei tun? Wenig – so fühlt es sich an. 2017 wurde das Gesetz geändert. Paragraf 315d „Verbotene Kraftfahrzeugrennen“ wurde angepasst. Illegale Autorennen wurden von einer Ordnungswidrigkeit in eine Straftat hochgestuft. Täter können dafür jetzt ins Gefängnis gehen. Und der Paragraf 315f „Einziehung“ wurde zusätzlich ergänzt. Außer dem Führerschein der beteiligten Fahrer können nun auch ihre Autos von der Polizei eingezogen haben.

„Das ist auf jeden Fall eine ganz gute Maßnahme“, sagt der Autobahnpolizist, „das tut schon weh, wenn der neue BMW weg ist.“ Vor allem kann das Fahrzeug auch dann eingezogen werden, wenn es dem Raser nicht gehört. Da überlegt sich der ein oder andere sicherlich zweimal, wann, wem und zu welchem Zweck er sein Auto verleiht. Der Einzug muss allerdings gerichtlich bestätigt werden und das passiert nicht immer. Oft bekommen die Raser dann doch ihr Auto zurück – ansonsten wird er dann für amtliche Zwecke verkauft.

Wer... Strafenkatalog
...ein illegales Autorennen veranstaltet, durchführt oder daran teilnimmtBis zu zwei Jahre Gefängnis (oder Geldstrafe)
...mit grob verkehrswidrig und rücksichtslos fährt um möglichst hohe Geschwindigkeit zu erreichenBis zu zwei Jahre Gefängnis (oder Geldstrafe)
...dabei andere Menschen oder Gegenstände von bedeutendem Wert gefährdetBis zu drei Jahre Gefängnis (oder Geldstrafe)
...dabei vorsätzlich handeltBis zu fünf Jahre Gefängnis (oder Geldstrafe)
...damit verursacht, dass Menschen schwer verletzt oder getötet werdenBis zu zehn Jahre Gefängnis

Illegale Straßenrennen rund um Frankfurt – Den Rasern auf der Spur

Die Polizei ist eigentlich zufrieden mit den gesetzlichen Handlungsmöglichkeiten. Trotzdem sei es schwierig, die Rasereien und Autorennen allumfassend rechtlich zu ahnden. Oft fehlten Beweise. Die wichtigste Quelle der Polizei bleiben auch hier die Zeugen. „Wenn wir einen Raser aus dem Verkehr ziehen, hält häufig schon mal ein Auto mit an, sodass der Fahrer direkt befragt werden kann“, erklärt der Polizist. Oft helfe auch ein Zeugenaufruf im Nachhinein, meist falle eine rasante Fahrweise sehr vielen Autofahrern auf. Die Autobahnpolizei selbst arbeite auch viel mit Videoaufzeichnungen. Wenn die Beamten nicht selbst filmen können, sind auch Zeugenvideos der sogenannten „Dashcams“ hilfreich. Hier ist die rechtliche Lage allerdings sehr speziell, daher werden die Videos häufig nicht als Beweis akzeptiert.

In Frankfurt gibt es neben der Autobahnpolizei, die sich um Rennen und Raser kümmert, auch noch eine spezielle Ermittlungsgruppe „KART“ - Die Kontrolleinheit Autoposer, Raser, Tuner. Die Einheit wurde im März 2018 gegründet – als Reaktion auf zunehmende Anwohnerbeschwerden über Motorenlärm in Frankfurt. Es wurden schon damals immer mehr schnelle, dicke Autos in der Stadt. Die KART-Beamten wollen mit ihren Kontrollen verhindern, dass es zu so schweren Unfällen, wie auf der A66 kommt, und außerdem, dass eine richtige Szene illegaler Autorennen entsteht, wie sie in Berlin bereits existiert. Die Bußgelder sind hoch, doch die Einsicht der Fahrer hält sich oft in Grenzen – trotz Videobeweis.

Ein sogenannter Autoposer in der KART-Kontrolle. So sollen illegale Autorennen in Frankfurt frühzeitig verhindert werden (Symbolbid).

Poser-Videos von Autorennen auf Social Media können zum Beweismittel werden

Apropos Videos. Social Media spielt eine immer wichtigere Rolle und fast alles wird auf der Plattform geteilt. Immer wieder zu sehen sind Menschen, die sich beim Autofahren filmen, ihre Armatur zeigen und die Straße. Kann die Polizei solche Video-Postings als Beweismittel nutzen, egal ob wegen der Handynutzung am Steuer, Geschwindigkeitsüberschreitungen oder eben illegaler Autorennen?

Auch hier gilt wieder: Sie kann, aber es müssen einige Kriterien erfüllt sein. Für eine Anzeige braucht die Polizei einen Tatort, eine Tatzeit und muss beispielsweise auch den Fahrer kennen. Der Polizist erklärt, Instagram und Co. seien ein enormer Ermittlungsaufwand. Man müsse sich immer fragen, was zeigt uns das Video wirklich. Man muss genau zuordnen können, wer, wann, wo und wie auffällig gefahren ist, damit man es vor Gericht verwerten kann.

Adrenalin-Fahrt und Rennen bei 300 - „Niemand kann das kontrollieren“

Wer tatsächlich im Rennen ist, kann sich vermutlich gar nicht mehr filmen. „Sind sie schon mal so schnell gefahren?“, fragt er mich - Bin ich nicht. Ich solle es unbedingt mal machen, wenn ich auf einer abgesperrten Rennstrecke die Chance dazu hätte. „Sie werden merken, bei 250 oder 300 Stundenkilometern verengt sich das Sichtfeld massiv, da ist eine dreispurige Autobahn plötzlich sehr, sehr schmal.“ Man habe dann keine Chance mehr auf Hindernisse zu reagieren. Wenn man einfach so oder bei einem illegalen Autorennen so schnell auf der linken Spur fährt und nur ein Fahrzeug auf der Autobahn nicht genau das tut, was man erwartet und beispielsweise plötzlich auf eine andere Spur zieht, habe man keine Möglichkeit zu reagieren.

Natürlich trägt die Modernisierung der Autos dazu bei, dass immer schneller gefahren wird. Während man in alten Autos schon bei 150 Kilometern pro Stunde das Gefühl hat, das Dach flöge davon, spürt man in einem modernen Auto kaum, dass man schon 200 fährt. Viele junge Männer würden sich dabei dann auch einfach massiv überschätzen. Man könne ein Auto, das bei 250 Kilometern pro Stunde ausbricht nicht mehr kontrollieren: „Niemand kann das.“ Und man habe dann auch kaum eine Überlebenschance. Kollidiert man während eines Rennens oder einfach bei diesem hohen Tempo mit einem „langsamen“ Auto, würden außerdem die Unbeteiligten meist das größte Leid davontragen. So wie es auch bei dem Raser-Unfall auf der A66 passiert ist. Die gesamte Energie übertrage sich bei dem Aufprall auf das langsame Auto, das dadurch die größte Auswirkung des Unfalls abbekommt.

Illegales Autorennen - So verhält man sich richtig: „Bleib in deiner Linie“

Als Autobahnpolizist sind die Beamten meist machtlos, wenn sie einen Raser oder gar ein illegales Autorennen privat auf der Autobahn beobachtet. Aber man kann versuchen sich selbst zu schützen: „Bleib in deiner Linie“, sagt er. Wenn man als Autofahrer sieht, dass von hinten ein Raser angeflogen kommt, soll man auf keinen Fall versuchen auszuweichen. Nicht die Spur wechseln, nicht versuchen Platz zu machen. Am sichersten käme man aus der Nummer raus, wenn der Raser auf lange Sicht „planen“ kann, wo man fährt.

Außerdem bittet er, genau zu beobachten: „Versuchen Sie das Kennzeichen zu erkennen, oder zumindest das Modell des Autos.“ Sofern die Möglichkeit besteht, solle man mit einer Freisprechanlage oder über den Beifahrer direkt die Polizei informieren und dafür unbedingt den Notruf 110 wählen. Man solle auf keinen Fall versuchen den Raser mit dem Handy am Steuer zu filmen. Das ist ohnehin verboten und außerdem bringe man sich damit selbst in zu große Gefahr. iwe (*auto24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.)

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