Geschützt und schnell sind Radfahrer jetzt auf ihrer eigenen Spur in der Friedberger Landstraße unterwegs. Die nächsten Ausbauprojekte sind bereits in Planung - sie sind aber zumeist nicht so einfach umsetzbar wie die seit vorigen Sommer realisierten neuen Radspuren.
+
Geschützt und schnell sind Radfahrer jetzt auf ihrer eigenen Spur in der Friedberger Landstraße unterwegs. Die nächsten Ausbauprojekte sind bereits in Planung - sie sind aber zumeist nicht so einfach umsetzbar wie die seit vorigen Sommer realisierten neuen Radspuren.

Verkehr

Radwegausbau Frankfurt: Autofahrer sollen aufs Fahrrad umsteigen

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    vonDennis Pfeiffer-Goldmann
    schließen

Der Radwegausbau erreicht in Frankfurt mit durchgehender Nord-Süd-Achse ein wichtiges Ziel. Doch damit ist noch nicht genug. Die nächsten Projekte stehen schon an.

Frankfurt – Die neue Nord-Süd-Radwegmagistrale von Sachsenhausen über die Konstablerwache bis zur Friedberger Warte ist fertig. Nun geht es an anderen Straßen weiter mit dem Ausbau der Infrastruktur für Radfahrer. Das soll auch anderen helfen, die auf den Straßen unterwegs sind.

Fast elfeinhalb Jahre ist es her, dass die Durchfahrt an der Hauptwache für Autos gesperrt wurde - ein epochaler Schritt weg von der rein autogerechten Stadt. Den nächsten epochalen Schritt hat die Stadt nach Ansicht von Joachim Hochstein, Leiter des städtischen Radfahrbüros, jetzt getan: Das Umwandeln je einer Auto- in einer Fahrradspur von der Alten Brücke bis zum Friedberger Platz.

Schnell, sicher und bequem rollen die Zweiräder nun neben Autos und Lastern her. Auch der motorisierte Verkehr fließt normal weiter. "Die schlimmen Befürchtungen sind nicht eingetreten", sagt Hochstein. Gar Rückstaus bis auf die A661 hatten die Planer nicht ausgeschlossen. Offenkundig suche sich manch ein Autofahrer nun andere Wege - ein erklärtes Ziel der Politik, um Durchgangsverkehr auf Stadtumfahrungen wie die A661 zu drängen.

750 Kilometer langes Netz soll entstehen

Neue Staus auf parallelen Strecken sind bisher ausgeblieben. Und auf der "Friedberger" rolle der Autoverkehr sogar ruhiger und gleichmäßiger, weil hektisches Überholen mangels zweiter Spur nicht mehr möglich sei, hat Hochstein beobachtet.

Beim Radweg-Ausbau habe die Stadt ein doppeltes Ziel, betont er: "Es geht ja nicht nur darum, Autos zu vergrämen, sondern die Fahrer zum Umsteigen auf Fahrrad und öffentliche Verkehrsmittel zu animieren." Am Wegeausbau für Radfahrer arbeitet Hochstein seit 25 Jahren. 2014 beauftragten die Stadtverordneten ihn und sein damals vier, heute achtköpfiges Team mit dem Aufbau eines durchgehenden, 750 Kilometer langen Radwegenetzes.

Mit dem weiteren Beschluss von 2019, der auf 40 000 Unterschriften für einen Bürgerentscheid für besseren Radverkehr reagierte, bekam der Ausbau weiteren Schwung. "Das wird heute ganz anders diskutiert als noch vor ein, zwei Jahren", findet der Radbeauftragte. Eine breite Mehrheit bis hin zu CDU und FDP unterstützt sauberen Verkehr.

Vor allem die schnell umsetzbaren Lösungen sind bisher Realität geworden: Radspuren an der Schönen Aussicht, die Nord-Süd-Achse Kurt-Schumacher-, Konrad-Adenauer und Friedberger Landstraße entlang, das Freiräumen der Radwege auf der mittleren Hanauer Landstraße von parkenden Autos.

Stolz ist Hochstein aufs Tempo der Umsetzung, Beispiel Friedberger: "Von Januar bis August von Planungsbeginn bis zur Ausführung, das ist massiv rekordverdächtig." Farbe und neue Schilder allein genügten nicht. Ampeln an großen Kreuzungen wie am Friedberger Tor müssten technisch angepasst, teils auch umgebaut werden, damit Radfahrer gut hinüberkommen, Kontaktschleifen neu in den Asphalt geschnitten werden.

Zugleich müssten Straßenbahnen und Busse ihre Priorisierung an Ampeln behalten, auch für Fußgänger solle es stets bequemer werden. "Das muss alles abgestimmt sein", eine sehr arbeitsintensive Planung sei notwendig. Pop-Up-Radwege, wie sie Fahrradlobbyisten in Zeiten der Corona-Kontaktbeschränkungen laut forderte, sieht der Fachmann daher kritisch. Er mag nicht durchgeplante Lösungen nicht umsetzen.

"Wir machen quasi Pop-Up-Radwege de luxe", sagt Hochstein. "Wir wollen gute Arbeit abliefern, damit das auch bleibt, und den Platz auf der Straße nachhaltig umverteilen." Gute Radwege reduzierten auch die Konflikte zwischen Zweirädern und Fußgängern: Der von Radfahrern befreite Gehweg in Höhe des Bethmannparks ist für Hochstein ein leuchtendes Beispiel dafür.

Schmale Straßen führen zu Interessenkonflikten

Die nächsten Umbauprojekte seien ungleich komplizierter, warnt der Fachmann allerdings. Denn: Frankfurt sei keine Residenzstadt wie Berlin mit breiten Boulevards, wo man ohne Folgen eine von drei, vier Autospuren abzwacken könne. Viele Frankfurter Straßenzüge basierten noch auf mittelalterlichen Strukturen. "Das begrenzt den Spielraum für den Radverkehr."

Solle auf der Friedberger oder Eschersheimer Landstraße mehr Platz für Radfahrer entstehen, ohne dass es weniger für Straßenbahn, Bus und Fußgänger gibt, könne es nur für den Autoverkehr enger werden. Dadurch entstünden Interessenkonflikte, weiß der Rad-Fachmann. "Diese Abstimmung kostet einfach Zeit." Immerhin muss Joachim Hochstein inzwischen keine Grundsatzdiskussionen mehr führen. "Das Fahrrad ist als Verkehrsmittel etabliert." (Von Dennis Pfeiffer-Goldmann)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare