Unter einem Stau wie hier zur Hauptverkehrszeit in Frankfurt leiden nicht nur Fahrer. Staus entziehen dem Einzelhandel Käufer, Staus bremsen Lieferungen und Logistik aus. Klar, dass die Wirtschaft nach Konzepten verlangt, die zügige und bequeme Mobilität ermöglichen.
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Unter einem Stau wie hier zur Hauptverkehrszeit in Frankfurt leiden nicht nur Fahrer. Staus entziehen dem Einzelhandel Käufer, Staus bremsen Lieferungen und Logistik aus. Klar, dass die Wirtschaft nach Konzepten verlangt, die zügige und bequeme Mobilität ermöglichen.

Verkehr

Verkehr in Frankfurt: Autofahrer nicht vergrämen – Wirtschaft stellt Forderungen

  • Thomas Remlein
    vonThomas Remlein
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Die IHK fordert Änderungen für den Verkehr in und um Frankfurt. Autofahrer sollen nicht vergrault, sondern klug eingebunden werden. Sie schlägt unter anderem stundenweise Gratistickets für städtische Parkhäuser vor.

Frankfurt – Neue Verkehrskonzepte und die Ausweisung von mehr Flächen für Wohnen und Gewerbe hat die Frankfurter Wirtschaft gefordert. Sie wendet sich damit an die bei der Kommunalwahl im März 2021 antretenden Parteien. Die Positionen hat die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer (IHK) beschlossen. IHK-Präsident Ulrich Caspar sieht die Kommunalwahlen als Chance für die wirtschaftspolitische Weichenstellung. Caspar fordert einen Generalverkehrsplan für die Region.

Die Gesamtverkehrsplanung Frankfurts gehe auf die 1980er Jahre zurück und berücksichtige nicht den Bevölkerungszuwachs der vergangenen Jahrzehnte. Mehr Menschen bedeuteten mehr Warenverkehr. Falsch sei es, Verkehrsachsen wie am Mainkai zu unterbrechen, besser sei eine Reduzierung der Fahrspuren. Der Fahrradverkehr solle vom Autoverkehr getrennt werden mit einem Radverkehr-Hauptstraßennetz.

Verkehr in Frankfurt: IHK fordert Park-and-Ride-Plätze und S-Bahn-Ring

Rund um Frankfurt müsse ein Ring von Park-and-Ride-Plätzen entstehen. Beispielsweise neue Park-and-Ride-Möglichkeiten mit Anbindung an eine verlängerte U 7. Die Regionaltangente West müsse schnell kommen, eine Regionaltangente Süd und eine Regionaltangente Ost müssten ebenfalls auf den Weg gebracht werden, damit ein S-Bahn-Ring um Frankfurt entstehen könne. In diesem Zusammenhang begrüßte Caspar "die Bereitschaft des Bundesgesetzgebers, Planungen zu beschleunigen". Als Beispiel für den gestiegenen Warenverkehr nannte Caspar die Erfahrungen einer Spedition im IHK-Bezirk. Die konnte 2015 noch neun Ablagestationen pro Tag anfahren. Vor Ausbruch der Corona-Krise waren es dann nur noch neun, die an einem Tag beliefert werden konnten.

Kritik übte der IHK-Präsident an der "seit zehn bis 20 Jahren herrschenden Politik, Autofahrer zu vergrämen". Die Erhöhung der Parkgebühren sei der falsche Weg. Dem Einzelhandel fehlten die Kunden. Das sei in Frankfurt durch internationale Touristen und Messegäste kompensiert worden. Die aber fehlen jetzt wegen Corona. "Wir haben keine Struktur, den Einzelhandel allein mit Frankfurt und dem Umland am Leben zu erhalten." Caspar schlug ein Gratisticket für vier Stunden im Parkhaus vor, um den Einzelhandel zu unterstützen. Dies sei auch vom Wirtschaftsstab beschlossen worden. Diesem Gremium gehören auch Oberbürgermeister Peter Feldmann, Planungsdezernent Mike Josef (beide SPD) und Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) an.

Verkehr in Frankfurt: Weiteres Problem – Wohnungspreise rauben Kaufkraft

Die Digitalisierung will Caspar stärker zur Verbesserung des Verkehrsflusses nutzen. Staus ließen die Schadstoffe ansteigen. Bis 2040 werde die Bevölkerungszahl Frankfurts um weitere 118.000 Einwohner auf dann 871.000 steigen. Die Weiterentwicklung digitaler Dienstleistungen in der Stadtverwaltung zur Verringerung des bürokratischen Aufwands ist laut Caspar für Unternehmen von entscheidender Bedeutung. Das Onlinezugangsgesetz verpflichtet Bund, Länder und Kommunen, ihre Verwaltungsdienstleistungen bis Ende 2022 digital anzubieten.

Mit dem Bevölkerungszuwachs einher gehen "Knappheitspreise am Wohnungsmarkt". Dadurch komme der Produktivitätsfortschritt nicht bei den Beschäftigten an. Von 2006 bis 2019 sei die Kaufkraft um 34 Prozent gestiegen, die Preise für Grundstücke für Eigenheime aber um 308 Prozent. Das mache es für Normalverdiener unmöglich, Wohnungseigentum zu erwerben.

Verkehr in Frankfurt: IHK-Präsident fordert Flächenrecycling

Deshalb plädierte der IHK-Präsident für ein Flächenrecycling. 42 Prozent der Fläche im Rhein-Main-Gebiet und 24 Prozent der Stadtfläche Frankfurts sind landwirtschaftliche Flächen. Deshalb habe Frankfurt ausreichend Potenziale für Wohn-, Gewerbe- und Naherholungsgebiete. Schließlich gebe es keinen Mangel an Lebensmitteln. Einen Teil der Flächen könne man bebauen, im anderen Teil naturnahe Räume schaffen. Landwirtschaft bedeute oft Monokultur.

Weil in Deutschland sehr professionell mit der Corona-Krise umgegangen wird, glaubt Caspar, dass die Attraktivität Frankfurts als Wirtschaftsstandort noch steigen wird. (Von Thomas Remlein)

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