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Die "Frankfurt-Philadelphia-Gesellschaft" hat ihren Sitz in der Henschelstraße 11, also dort, wo die Arbeiterwohlfahrt (Awo) ihre Geschäftsräume hat.

Merkwürdiges Vereinsleben

Awo-Skandal: Was steckt hinter der „Frankfurt-Philadelphia-Gesellschaft“?

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Awo-Skandal in Frankfurt: Ein FDP-Stadtverordneter hinterfragt die „Frankfurt-Philadelphia-Gesellschaft“.

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Frankfurt – Es ist nicht nur die Adresse Henschelstraße 11 (Ostend), den dieser Verein mit der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Frankfurt gemein hat. Der Verein mit dem langen Namen "Frankfurt-Philadelphia-Gesellschaft - Verein zur Förderung der Städtepartnerschaften Frankfurt am Main - Philadelphia", kurz FPG, ist auch mit seiner Entstehungsgeschichte eng mit der Awo verbunden.

Es waren Hannelore und Jürgen Richter, die mit neun Gründungsmitgliedern die Vereinigung im Februar 2016 aus der Taufe hoben, unter ihnen die derzeitige Geschäftsführerin der Awo Frankfurt, Jasmin Kasperkowitz. Das Vereinsleben indessen liegt weitgehend im Dunklen. Auch die Website der FPG gibt keinen Aufschluss. Nicht einmal ein Impressum weist sie aus. Es ist eine tote Seite.

Awo-Skandal: Verein in Frankfurt wirft Fragen auf – Unangenehme Fragen an den OB

Das ist einer der Umstände, die die Aufmerksamkeit des Stadtverordneten Yanki Pürsün geweckt haben. Der sozialpolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Römer, der die Aufklärung der Awo-Affäre zu seiner politischen Mission erklärt hat, will wissen, ob Geld aus der Stadtkasse dem Verein zugutekam. Auch interessiert ihn dieRolle von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der den Vereinsunterlagen zufolge im Juni 2016 dem Kuratorium der FPG angehörte. 

Es ist eine Liste mit 14 Fragen, die Pürsün als offizielle Anfrage an den Magistrat adressiert. Es sind Fragen, die es in sich haben. Mit seiner Frage "Was hat den Oberbürgermeister dazu bewogen, den Geschäftsführer der Awo Frankfurt gerade zu einer/den Delegationsreise/n mitzunehmen?" spielt Pürsün auf eine Philadelphia-Reise des Oberbürgermeisters im November 2015 an, auf der ihn der frühere Geschäftsführer der Awo Frankfurt begleitete.

Ist Geld der Awo Frankfurt in den Verein geflossen?

Anlass jener Reise war die Unterzeichnung eines Partnerschaftsvertrags zwischen Philadelphia und Frankfurt. Pürsün begehrt Aufklärung. Er möchte wissen, warum und auf wessen Kosten Jürgen Richter mit in die USA reiste und wie der Magistrat sich die vielen USA- und Philadelphia-Veranstaltungen der Awo erklärt. Vor allem aber möchte Pürsün wissen: Wie finanziert sich der Verein, und sind städtische Mittel oder Geld der Awo in den Verein geflossen? Und schließlich: Haben Awo oder Stadt die vielfachen Amerika-Reisen des Awo-Geschäftsführers Jürgen Richter und seiner Frau Hannelore sowie deren persönlicher Assistentin finanziert? 

Bekanntlich stand Jürgen Richter an der Spitze der Frankfurter Awo, während seine Ehefrau Hannelore zur gleichen Zeit Geschäftsführerin der Awo Wiesbaden war. Was Pürsün auch auffällt: Der Verein "Frankfurt-Philadelphia-Gesellschaft" ist auf der offiziellen Seite der Stadt zu ihren Städtepartnerschaften nicht aufgeführt. Warum?

Wohlfahrtspersonal der Awo Frankfurt im Vereinsvorstand

Fest auf die Awo verlassen konnte sich die FPG nicht nur hinsichtlich der Bereitstellung von Briefkasten und bei Bedarf auch von Versammlungsraum. Auch im Vorstand des Städtefreundschaftsvereins engagierte sich Wohlfahrtspersonal, das es durch den anhaltenden Skandal bei dem Sozialverband zu zweifelhafter Prominenz gebracht hat. Neben dem Vorsitzenden Jürgen Richter reiht sich im Juni 2016 Klaus Erich Roth als Schatzmeister in den Vorstand ein, nach einstimmigem Votum der Versammlung.

Die Sicherheitsfirma AwoProtect, deren Geschäftsführer er aktuell ist, war da noch nicht erfunden. Die Firma ist inzwischen insolvent. Ebenfalls im Vorstand der Städtefreundschaftsvereinigung war Jasmin Kasperkowitz, aktuell hoch dotierte Geschäftsführerin der Awo Frankfurt. Als sie aus familiären Gründen als Schriftführerin ausschied, folgte ihr Atila Karabörklü nach, heute Leiter der Awo-Ehrenamtsagentur. Auch Johannes Frass, Student und derzeitiger Pressesprecher des Kreisverbandes mit ebenfalls überdurchschnittlich hohem Jahresgehalt, engagierte sich in dem Städtefreundschaftsverein.

Awo-Skandal in Frankfurt: Undurchschaubare Strukturen im Verein

Für die Gründung des Vereins mit dem undurchschaubaren Innenleben ließ sich Jürgen Richter anlässlich seines 60. Geburtstags im September 2016 offiziell feiern.

Undurchschaubar blieb wohl manches selbst für Vorstandsmitglieder. Ingrid Gräfin zu Solms-Wildenfels, Gründungsmitglied der FPG und zweite Vorsitzende, begehrte im November 2019 erstmals Einblick in die Kassenunterlagen des Vereins. Anlass sei der Awo-Skandal in Frankfurt gewesen und die Verwicklung von Vorständen der FPG in die kriminell anmutenden Machenschaften in dem Wohlfahrtsverband.

Awo-Skandal in Frankfurt: Vorstandsmitglied bekommt keine Einsicht in Kassenunterlagen 

Die Einsichtnahme sei ihr verwehrt worden, sagt die Gräfin auf Anfrage der FNP. Schatzmeister Roth habe immer andere Erklärungen gefunden: mal seien die Unterlagen angeblich beim Steuerberater gewesen, dann bei Außenrevisoren. Sie habe ihre Konsequenzen daraus gezogen, sagt Ingrid Gräfin zu Solms-Wildenfels, und ihren unverzüglichen Rücktritt erklärt.

Von Sylvia A. Menzdorf

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Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) räumte einen kapitalen Fehler in der AWO-Affäre ein. Birkenfeld stellte sich dem Sozialausschuss.

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