Hier zwischen Ginnheim und Bockenheim liegt das erste der neuen Gleise bereits. Während der Sommerferien wird es angeschlossen, ab 17. August sollen die Züge darüber rollen. Der S6-Ausbau zwischen Frankfurt-West und Bad Vilbel soll Ende 2023 fertig sein.
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Hier zwischen Ginnheim und Bockenheim liegt das erste der neuen Gleise bereits. Während der Sommerferien wird es angeschlossen, ab 17. August sollen die Züge darüber rollen. Der S6-Ausbau zwischen Frankfurt-West und Bad Vilbel soll Ende 2023 fertig sein.

Ausbau der Gleise nach Bad Vilbel

Frankfurt: S6-Ausbau erreicht Meilenstein – Großbaustelle hat unangenehme Folgen für Fahrgäste

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
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Der Ausbau der S6 zwischen Frankfurt und Bad Vilbel erreicht einen wichtigen Meilenstein. Doch die Großbaustelle hat während der Sommerferien unangenehme Folgen für die Fahrgäste.

  • Zwischen Frankfurt und Bad Vilbel läuft der Ausbau der S-Bahn-Linie S6.
  • Das Großprojekt der Bahn fordert den Fahrgästen in den Sommerferien viel ab.
  • Auch entlang der Strecke der S6 in Frankfurt müssen sich Anwohner auf Veränderungen einstellen.

Frankfurt/Bad Vilbel – Der Ausbau der S-Bahn-Linie 6 kommt einen großen Schritt voran: In den Sommerferien wird ein erster Abschnitt der neuen Gleise zwischen Frankfurt Westbahnhof und Bad Vilbel in Betrieb genommen. Für die wichtige Wegmarke müssen zunächst die Fahrgäste Einschränkungen hinnehmen.

Aus dem Zugfenster ist es unübersehbar: Nach und nach entstehen neue Baufelder an der 12,6 Kilometer langen Ausbaustrecke. Ab Ende 2023 soll die S6 auf eigenen Gleisen vom übrigen Verkehr ungestört, zuverlässiger und schneller fahren. Doch einfach so könne man die neuen Gleise nicht neben die alten bauen, sagt Projektleiter Julian Fassing von DB-Netz. Das Baufeld sei zwischen den Häusern oft sehr eng. "Wir können mal rechts zwei Gleise anbauen, mal links, mal nur je eines auf beiden Seiten."

S6 zwischen Frankfurt und Bad Vilbel: In den Sommerferien fahren am Wochenende keine Bahnen

Zudem muss der Zugverkehr weiterlaufen können. Die Main-Weser-Bahn ist die am zweitstärksten frequentierte Frankfurter Pendlerstrecke nach der Kinzigtalbahn nach Fulda. "Unter dem rollenden Rad bei 300 Zügen pro Tag zu bauen, das ist schon anspruchsvoll", sagt Fassing.

Ohne viele kurze Sperrungen geht es nicht, da von Bauphase zu Bauphase neue und alte Gleisabschnitte neu miteinander verbunden und Oberleitungen angepasst werden müssen. Seit voriger Nacht bis Ende der Sommerferien rollen an den Wochenenden erneut keine Züge zwischen Bad Vilbel und Frankfurt. Regional- und Fernverkehr werden umgeleitet, statt der S6 fahren Busse.

S6 nach Bad Vilbel: Neue Gleise werden mit alten Gleisen in Frankfurt verbunden

Die Sperrzeiten werden unter anderem für einen Meilenstein genutzt: Von der A66-Brücke nahe Niddapark in Bockenheim bis in den Norden von Ginnheim liegt seit einigen Wochen das erste der zwei neuen Gleise. Es wird nun mit den Bestandsgleisen verbunden. So ist der Weg frei, damit ab August das zweite neue Gleis gebaut werden kann.

Nördlich davon bis Eschersheim läuft der Aufbau der westlichen Damm-Erweiterung. Per Laster kommen 20 000 Kubikmeter Erde. Für die östliche Verbreiterung laufen die Vorarbeiten. Umfangreich wird an den Ferienwochenenden auch nördlich des Bahnhofs Bad Vilbel gearbeitet, wo neue an alte Gleise angeschlossen werden. Die S6 fährt nur von Friedberg bis Karben.

S6-Ausbau zwischen Frankfurt und Bad Vilbel: Neue Logistik spart 10 000 Laster-Fahrten

Deutlich verträglicher für die Bevölkerung läuft gerade der Bau des Bahndamms in Frankfurt-Berkersheim. Hier hatte es voriges Jahr massive Anwohnerproteste gegen die vielen Baulaster-Fahrten gegeben, als 20 000 Tonnen Kies fürs Fundament des Damms herangekarrt wurden. Die Beschwerden hätten "noch mal die Kreativität bei uns angeregt", sagt Fassing. Denn jetzt wären gar bis zu 10 000 Laster-Fahrten nötig, um 50.000 Kubikmeter Erdmaterial zu bringen.

Lösung: Da der Lieferant einen Bahnanschluss hat, rollen viermal pro Woche Züge nachts an eine provisorische Abladestelle an der Baustelle, kippen je 1000 Tonnen dort ab. "So sparen wir 800 Lkw-Fahrten pro Woche ein", erklärt Projektsprecher Keith Egloff. Die Laster wären sonst durch Berkersheim und Harheim gerollt.

Strecke nach Bad Vilbel: Frankfurter Stadtteil warten auf Lösungen für S6-Bahnübergänge

Ebenfalls in Berkersheim wartet die Bahn weiter auf einen Vorschlag der Stadt, wie die geplante, von der Kommune aber verworfene Unterführung in der Bahnstraße ersetzt werden soll. Über den künftigen barrierefreien Übergang am Bahnhof könnten Fußgänger und Radfahrer die Bahnlinie aber stets weiter überqueren, beteuert Fassing. Per Auto sei der Bereich westlich der Bahn über die neue Harheimer Niddabrücke ebenfalls stets erreichbar.

Am Frankfurter Berg wird bald der Hausbahnsteig weggerissen, dort entsteht das westliche Fernbahngleis. Über den provisorischen Treppenübergang zum S-Bahnsteig können Fußgänger die Sperrung der Brücke der Homburger Landstraße umgehen - die ebenfalls neu gebaut wird.

In Eschersheim entstehen nach und nach neue Baufelder wie aktuell nördlich des Friedhofs. In Vorbereitung ist der Bau der Brücke über die A661. Für den Bau der Unterführung Lachweg liefen aktuell Abstimmungen mit dem Bundesverkehrsministerium, erläutert Projektleiter Fassing. Fraglich ist aber weiterhin, ob der kurze Tunnel für die Straße, der in Regie der Stadt entstehen soll, zeitgleich Ende 2023 mit dem Gesamtprojekt fertig wird. Gut möglich, dass Autofahrer einige Jahre Umwege fahren müssen.

Hintergrund S6-Ausbau bei Frankfurt: Erster Abschnitt erst ein Jahr später fertig

Auf zwei eigenen Gleisen will das Land Hessen die S6 zuverlässiger fahren lassen. Weil die Bahnstrecke so stark belastet ist, fährt die S6 oft verspätet. Künftig soll sie pünktlich und auch schneller zwischen Frankfurt-West und Friedberg rollen.

Seit Anfang 2018 laufen die Bauarbeiten für den 13 Kilometer langen ersten Bauabschnitt von Frankfurt bis Bad Vilbel. 19 Kilometer Schallschutzwände entstehen, die Bahnhöfe werden barrierefrei, die Station Ginnheim wird neu gebaut.

Weil die Baustellen in der großen Enge der Stadtteile schwieriger als erwartet sind, wird der erste Bauabschnitt erst Ende 2023 statt Ende 2022 fertig. Für den zweiten, 17 Kilometer langen Bauabschnitt in der Wetterau läuft noch das Genehmigungsverfahren.

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